Leben und Werk des Dr. Peter Blum 1896 -1972

Theo Pauly, Gerolstein

 

Zur 700-Jahr-Feier des kleinen Struthdorfes Beinhausen, aus dem Dr. Peter Blum stammte, habe ich anläßlich seiner Ehrung durch die Gemeinde eine Laudatio auf ihn gehalten. In diesem Beitrag sollen die wesentlichen Daten und Werke des Dr. Blum der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Dr. Peter Blum wurde am 3. Juli 1896 als achtes von zwölf Kindern in Beinhausen geboren. Sein Vater war Schuster und Kleinlandwirt und seinerzeit in der Struth als "Schoh-Tunn" bekannt. Wie es damals in so einem kleinen, aber kinderreichen Haus der Eifel aussah, beleuchtet seine Aussage, wenn er scherzhaft meint, daß wegen der großen Zahl der Kinder und der kleinen Zahl der Betten die Kleinen in der Liegestatt quergelegt werden mußten.

Die Kindheit verbrachte er wie vor und auch noch lange Zeit nach ihm alle Kinder der Struth und der Eifel; sie wurden schon früh zu den anfallenden Arbeiten in Haus, Hof und Feld herangezogen. Die Kinder mußten alle Arbeiten verrichten, die man glaubte, einem Kind zumuten zu können. So wurden sie schon früh zu selbständigem und verantwortungsvollem Tun erzogen. In seinem Büchlein »Schöne Welt des Wanderns«, erschienen 1955 im W. Kumpel-Verlag Euskirchen, läßt er sich einmal rückblickend und erinnernd und keineswegs vorwurfsvoll aus über die »kindlichen«, nicht immer leichten und schon recht verantwortungsvollen Tätigkeiten eines Bauernjungen in der Eifel zur damaligen Zeit. Unter der Überschrift »Quelle im Wald« schreibt er über das »Holzmachen« in Kundall: »Stämme und Reiser müssen als Schleppe hinuntergesteuert werden in die Schlucht, über den Bach und an der anderen Seite wieder hochgezerrt an die Abfuhrstelle.Wie oft hat sich solche Bürde Holz mit dem kleinen Jungen überschlagen, wenn beide zu sehr in Fahrt kamen an dem glitschigen Hang«. Und weiter: »Der Holzabfuhrweg von Kundall hat am Waldausgang noch eine letzte Tücke; er steigt und fällt dann unvermittelt ab zur Straße. Der Junge, der die Bremsen zu bedienen hat, hält sich mit Mühe daran fest unter dem langgeladenen Holz. Die Hecken des zugewachsenen Weges peitschen ihm um die Ohren. Aber in Sekundenschnelle muß er die Bremse fest zugedreht haben auf der Kippe, sonst saust das Fuhrwerk dem Gespann in die Haxen. Und das »arme Vieh« muß geschont werden, selbst wenn es ein Paar steifer Ochsen ist.«

Vom damaligen Beinhauser Pastor und späteren Abt des Trappistenklosters Mariawald, Pastor Sauer, den er bis zu seinem Tode hoch verehrte, wurde er auf die Obertertia des humanistischen Gymnasiums vorbereitet. 1910 fand er Aufnahme im Bischöflichen Konvikt in Prüm, 1914 bestand er das Kriegsabitur.

Nach dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurde er Soldat. Seine Rekrutenausbildung erfolgte in Köln. Vom September 1915 bis zum Dezember 1918 war er an der Front eingesetzt, zunächst an der Westfront, ab 1917 an der Ostfront; nach dem Krieg wurde er als Vizefeldwebel entlassen. Während des Krieges, täglich den Tod vor Augen, begann seine literarische Tätigkeit. Er verfaßte sogenannte »Wanderbriefe«, die zwischen den einzelnen Kameraden, die mit ihm zusammen Abitur gemacht hatten und nun als Soldaten an den verschiedenen Fronten eingesetzt waren, »wanderten«, von Frontabschnitt zu Frontabschnitt in ganz Europa, und so ein Gefühl der Gemeinschaft und des Zusammenhaltens auch in schlimmer Zeit schufen.

1919 begann Peter Blum sein Studium. Zunächst schrieb er sich als Student der Philosophie an der Universität Bonn ein, wechselte aber bald zum Jurastudium über und beendete dieses 1921; 1923 promovierte er mit der Dissertation »Rechtsgeschäfte der Annoncenexpeditionen« zum Doktor Juris. Sein erstes Buch erschien bereits 1920, also noch während seiner Studienzeit, mit dem Titel: »Geschichte der Stadt Daun in ihren Grundzügen«. Es wurde 1955 neu aufgelegt. Sein wohl bedeutendstes Werk, zumindest für den Kreis Daun, erschien als »Festschrift zur Rheinischen Jahrtausendfeier« in Daun im Jahre 1925 unter dem Titel: »Entwicklung des Kreises Daun«. Es ist mittlerweile das Standardwerk der Dauner Kreisgeschichte. Es folgten Titel wie »Der Kreis Adenau und der Nürburgring« 1926, »Mönche retten ein Kulturdenkmal, Springiersbach« 1949, »100 Jahre Männergesangverein Daun« 1950, »Pfarrkirche Hilgerath für die sieben Dörfer der Pfarrei Beinhausen, Erinnerungsgabe und Weihespiel« 1950 (das Weihespiel kam seinerzeit leider nicht zur Aufführung), »Die Kreisstadt Daun/Eifel als Gemeinwesen städtischer Prägung«, 1951 und bis 1955 noch fünfzehn selbständige Werke, abgesehen von den zahllosen in verschiedenen Zeitungen, Zeitschriften und Kalendern erschienenen Aufsätzen und Beiträgen aus seiner Feder. Ganz sicher bemerkenswert ist, daß die Artikel »Eifel«, »Mosel« und »Nahe« im Großen Herder ebenfalls von ihm stammen.

Seit 1950 gibt es von Peter Blum vermehrt Abhandlungen über den Moselraum. Das hängt sicher damit zusammen, daß er von 1945 bis 1961 mit seiner Familie Wohnung im Kloster Springiersbach gefunden hatte, nachdem er zuvor neunzehn Jahre lang Amtsbürgermeister in Bausendorf war, und dieser Amtsbereich umfaßte ja auch eine Reihe von Moseldörfern. Zwischendurch befaßte er sich immer wieder mit seiner geliebten Eifelheimat, wie etwa 1951 in »Vierzehn frohe Wandertage im Eifelstädtchen Daun«, 1952 in »Bildungswille der Eifel« zum hundertjährigen Bestehen des Gymnasiums in Prüm. Dieses Werk knüpft übrigens an die volksbildnerische Arbeit an, die er nach dem Ersten Weltkrieg zusammen mit Wilhelm Hay, Pfarrer Steinmetz und Hans Bretz aus Hörschhausen, dem späteren Präsidenten des ADAC, in Vorträgen und Kursen betrieben hatte. 1955 veröffentlichte er »Krieg und Wiederaufbau im Eifelkreis Daun 1939 bis 1945«. Dr. Blum ist so zu einer Zeit Heimatforscher in unserem Raum geworden, als noch kaum jemand dieses Feld beackerte. Bedenkt man, wie mühselig es zu seinerzeit gewesen ist, Quellenstudium zu betreiben, muß man sein Mühen und seine Erfolge umso höher einschätzen.

Nach Beendigung seines Studiums im Jahre 1921 wurde Dr. Peter Blum Redakteur der Eifelzeitung in Daun. 1922, 1923 und dann wieder 1926 war er juristischer Berater bei den Kreisverwaltungen Daun und Adenau, dazwischen, 1924 und 1925 stellvertretender Amtsbürgermeister in Gerolstein. Von 1926 bis 1945 war er Amtsbürgermeister in Bausendorf. Das Jahr 1945 brachte einen bitteren Einschnitt in sein Leben. Als politischer Beamter war er Mitglied der NSDAP gewesen. So wurde er zunächst seines Amtes enthoben und mußte die Dienstwohnung verlassen. Die Mönche des Klosters Springiersbach gewährten ihm und seiner Familie Obdach bis zum Jahre 1961. Dr. Blum widmete sich der Betreuung der Klosterbibliothek, doch zunächst blieb ihm nicht viel Zeit dazu. Im April 1946 wurde er von den Franzosen in der Haftanstalt Wittlich interniert, dann in das Zuchthaus in Diez überführt, wo er bis zum April 1947 inhaftiert blieb. Auch hier fand er bald Beschäftigung im Archiv und in der Bibliothek der Haftanstalt, die er beide von Grund auf ordnete. Bezeichnend für sein pflichtbewußtes und verantwortliches Arbeiten ist die Tatsache, daß er über die Zeit der Entlassung aus der Internierungshaft hinaus freiwillig in Diez verblieb, um seine begonnene Arbeit zu Ende zu führen.

Dr. Peter Blum ist 1972 im Alter von 76 Jahren in Bad Neuenahr, wo er mit seiner Familie seit 1961 gewohnt hatte, verstorben; seine letzte Ruhestätte fand er in Springiersbach. Sein Leben und Arbeiten war gekennzeichnet durch herzliche Ehrlichkeit, hohes Pflichtbewußtsein, Fleiß, Verantwortungsbereitschaft und Treue. Zeitlebens ist er sich bewußt geblieben, woher er kam. Sein Freund Dr. Felix Gerhardus charakterisiert ihn im Nachruf zu seinem Tode 1972 in der Zeitschrift »Die Eifel« so: »Seine hervorstechendste Eigenschaft war seine Bescheidenheit, seine schönste, die Herkunft aus kleinbürgerlichem Kreise nicht zu verleugnen.« Er beendet den Nachruf: »Das war das reich gesegnete Leben unseres lieben Eifelfreundes Peter Blum. Wahrlich, eine große Ernte hat er uns hinterlassen.«

Dem braucht nichts mehr hinzugefügt zu werden. Doch soll Dr. Peter Blum noch einmal selbst zu Wort kommen in seinem Gedicht »Widmung«, das seine tiefe Liebe und Verbundenheit zur Heimat ausdrückt:

Laßt uns zu Berg der Lieser wandern,

vom Rebenhang zum Heidehaus!

Jedweder Heimstatt dort am Wege

weih'n Willkomm wir und Blütenstrauß.

Kling' voll, du Sang von Moselsüße,

durch Eifelherbe, Burgentraum!

Klag' droben, wo die Väter schlafen

um Ginster, Kreuz und Holderbaum.