Aktuelles Kreisgeschehen

Regionale Schule Jünkerath

Stärkung des Bildungsangebotes an der Oberen Kyll

Hubert Ritzen, Stadtkyll

Im Schuljahr 1998/99 errichtete das Kultusministerium die zweite Regionale Schule des Kreises Daun in Jünkerath, nachdem Kelberg zum Schuljahr 1997/98 Standort dieser neuen Schulart wurde.

Bereits im Jahre 1991 vereinbarte die Koalitionsregierung (SPD/F.D.P.) die Konzeption einer »Regionalen Schule« als Schulversuch einzuführen. Am 30. Januar 1997 beschloss der Landtag, dass aus der Regionalen Schule ein schulisches Regelangebot wird. Schulpolitisches Ziel war und ist die Sicherung und Erhaltung eines attraktiven, wohnortnahen Bildungsangebotes im ländlichen Raum. Mit der Errichtung einer Regionalen Schule erfährt der Schulstandort Jünkerath mit der einzigen weiterführenden Schule in der Verbandsgemeinde Obere Kyll eine wesentliche Stärkung.

Lange Schultradition in Jünkerath-Glaadt

Die Geschichte der Jünkerather Schule reicht zurück bis ins Jahr 1691, als Pfarrer Reuland im Ortsteil Glaadt eine Knaben- und Mädchenschule mit Unterstützung des Landesherrn Graf Salentin Ernst von Manderscheid-Blankenheim ins Leben rief. Der Name des Grafen lebt noch heute im Jünkerather Schulnamen fort, da sich dieser Landesherr als Gönner und Förderer der Schule im besonderen und der Region im allgemeinen hervortat. Hervorzuheben bleibt, dass die Töchterschule in Glaadt als die erste Mädchenschule im Kreis Daun zu bezeichnen ist. Der Unterricht der Knaben fand durch den Pfarrer im Pfarrhaus statt, die Mädchen wurden von Schwestern des Ursulinenordens in einem Neubau an der Kirche (heute Haus Bauer) unterrichtet und erzogen.

1881 entstand ein neues Schulgebäude in Glaadt (heute Pfarrheim), das 1925 durch die Schule in der Burgstraße (1976 abgebrannt) abgelöst wurde. Jünkerath, erst 1930 aus Gebietsteilen von Glaadt, Schüller, Feusdorf und Gönnersdorf als Ortsgemeinde gebildet, erhielt auf Schüllerer Gemeindebann 1888 eine Schule (heute Wohnhaus und Fitness-Studio) in der Kölner Straße.

Bis 1968 existierten die beiden Schulen in Glaadt und Jünkerath nebeneinander. In den 60er Jahren besuchten die Kinder größtenteils ihre Dorfschule, mancherorts auch »Zwergschule« genannt, in denen Jungen und Mädchen getrennt unterrichtet wurden. Von insgesamt 83 Schulen des Kreises Daun gehörten 69 zu diesen ungegliederten Schulen: 51 einklassige, 18 zweiklas-sige und 14 drei- und mehr klassige.

Die Bildungsoffensive der 60er Jahre - ausgelöst durch den Sputnik-Schock von 1957 - ließ das Zwergschulensystem zusammenbrechen. Das Erreichen höherer Bildungsabschlüsse wurde zum Programm. So entstand 1962 in Jünkerath, dem damals größten Industrieort des Kreises Daun, der Wunsch, eine Realschule einzurichten. Zu den Bewerbern gehörten ebenso Gerolstein und Hillesheim. Hillesheim hieß schließlich der Gewinner im Rennen um den Realschulstandort. Als Trostpflaster wurde im Juni 1963 die Berufsaufbauschule in Jünkerath ausgebaut. Im Verlauf der 60er Jahre entwickelte sich die Volksschule Jünkerath zur Stamm- und Mittelpunktschule, die auch von Schüler/innen aus den benachbarten Orten besucht wurde; 1968 bezog die Schulgemeinschaft ihr neues Schulgebäude im Tiergarten.

Fast zur gleichen Zeit erschien das »Landesgesetz über öffentliche Grund-, Haupt- und Sonderschulen«. Die Volksschule hatte ausgedient. Nun existierten im dreigliedrigen Schulsystem Grund- und Hauptschule, Realschule und Gymnasium. Im Oktober 1975 verfügte die Bezirksregierung Trier, dass die Grund- und Hauptschule in Jünkerath organisatorisch verbunden werden sollen. Die Hauptschule entwickelte sich zur einzigen weiterführenden Schule an der Oberen Kyll.

Eine entscheidende Verbesserung des Abschlussangebotes war im Schuljahr 1990/91 erreicht. Durch die Einführung eines freiwilligen 10. Schuljahres an der Grund- und Hauptschule Jünkerath konnte neben dem Hauptschulabschluss auch der qualifizierte Sekundarabschluss I (»mittlere Reife«) vermittelt werden. Im Sommer 1997 verfügte das Kultusministerium die Einbeziehung der Grund- und Hauptschule Jünkerath in das landesweite Programm der Regionalen Schulen.

Pädagogische Konzeption der Regionalen Schule

In der Regionalen Schule werden die Bildungsgänge von Haupt- und Realschule zusammengeführt, so dass der Hauptschulabschluss nach der Klassenstufe 9 und der Realschulabschluss nach Klassenstufe 10 erworben werden können.

Zielsetzung der Regionalen Schule ist vor allem, das Bildungsangebot wohnortnah zu sichern und zu erweitern. Der Name »Regionale Schule« besitzt natürlich eine programmatische Aussage. Der Unterricht soll in einer intensiven, lebendigen Wechselbeziehung zu seinem Umfeld stehen. Dazu gehört die Einbindung der regionalen Bedingungen wie kulturelle, historische, sportliche und gesellschaftliche Gegebenheiten und Traditionen. Diese Einbindung in die Region berührt natürlich auch die Lehrer/innen, die ihre Unterrichtsplanung auf die Gegebenheiten der Region abstellen sollen. Die Regionale Schule möchte die positiven pädagogischen Entwicklungen, die sich bei Haupt- und Realschulen herausgebildet haben, zusammenführen und noch verbessern. Schließlich wird sich nicht die Regionale Schule schlechthin entwickeln, sondern unterschiedlich strukturierte Schulen mit eigenem Schulprofil.

Als gemeinsame Grundstrukturen

sind folgende zu nennen:

Für die Orientierungsstufe (5./6.

Schuljahr)

- keine Leistungsdifferenzierung in Kursen

- Aufgreifen von Methoden der Grundschule

- Fördermaßnahmen und Kleingruppenarbeit

Für die Klassen 7 bis 10:

- Lehrpläne für Haupt- und Realschule

- Leistungsdifferenzierung in Form einer Fachleistungsdifferenzierung in bestimmten Fächern/ oder in Form abschlussbezogener Klassen {Leistungsebene Hauptschule und Leistungsebene Realschule)/oder in einer Mischform: Zunächst (zum Beispiel 7. Schuljahr) Fachleistungsdifferenzierung und später (8. oder 9. Schuljahr) abschlussbezogene Klassen.

Bei der Fachleistungsdifferenzierung werden in den Klassenstufen 7 bis 9 Kurse auf zwei Leistungsebenen eingerichtet und zwar

- ab Klasse 7 in der ersten Fremdsprache und in Mathematik

- ab Klasse 8 in Deutsch ab Klasse 9 in Physik und Chemie

Jeder Schule bleibt es überlassen, je nach Zielsetzung das jeweils für sie selbst geeigneteste Modell zu wählen, wobei der Elternwille eine wesentliche Rolle spielt. Das pädagogische Grundverständnis der neuen Schulart orientiert sich am umfassenden, ganzheitlichen Lernen. Im Zentrum des Unterrichts sollen Prinzipien der Lebensnähe, der Handlungsorientierung und eigenverantwortliches Lernen stehen. Hierzu zählen neben den traditionellen Unterrichtstechniken:

- selbständiges Arbeiten im zeitlich festgelegten Rahmen (Wochenplanarbeit)

- Einzel-, Partner- und Gruppenarbeit

- Projektarbeit mit Arbeit in Kleingruppen, Einüben von sozialem Verhalten, eigenständige Beschaffung von Arbeitsmaterialien- gegenseitige Hilfe und Teamarbeit

- Lernen in Lernstationen

- Erwerb von Schlüsselqualifikationen wie Selbständigkeit, Teamfähigkeit und Selbstorganisation.

Regionale Schule als Alternative und Chance

Die Regionale Schule bietet die Möglichkeit der Innovation innerhalb festgefahrener Unterrichtsmuster. Sie ist eine Chance zum Erhalt der Schule vor Ort, vor allem im ländlichen Raum, da das geänderte Schulwahlverhalten der Eltern zu einem Akzeptanzschwund der Hauptschule führte. Diese Tatsache verlangte nach einer integrativen Schulform. Die sinkenden Geburtenraten und das Schulwahlverhalten ließen die Hauptschule in Existenznot geraten. 1970/71 lag der Hauptschüleranteil in Rheinland-Pfalz bei 61,9 o/o, 1989/90 bei 39,4 °/o. Im Schuljahr 1995/96 unterschritt man die 30 %-Grenze.

Die Regionale Schule bietet allen Schülern einer Region die Möglichkeit, den mittleren Bildungsabschluss zu erreichen. Kelberg und Jünkerath besitzen bis jetzt die einzigen Regionalen Schulen im Kreis Daun.

Jünkerather Bemühungen von Erfolg gekrönt

Bereits 1992 hatten Schulträger und Schulgemeinschaft der Graf-Salentin-Schule die Vorteile einer Regionalen Schule für die Obere Kyll erkannt und einen Antrag auf Errichtung dieser Schulart gestellt. Die örtlichen Gremien verfolgten mit diesen Anträgen das Ziel, einen wichtigen Beitrag für die Steigerung der Lebensqualität und der Attraktivität des ländlichen Raumes zu leisten. Alle Orte der Verbandsgemeinde Obere Kyll sind durch Schulbusse, beziehungsweise Busse des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) an die Graf-Salentin-Schule angebunden, so dass durch die Errichtung der Regionalen Schule in Jünkerath für viele Schüler/innen dieser Region ein attraktives, wohnortnahes schulisches Angebot geschaffen werden konnte.

Die Schulgemeinschaft bemüht sich seit Jahren, das Ansehen und die Attraktivität der Graf-Salentin-Schule durch Ausgestaltung eines eigenen Schulprofils in der Öffentlichkeit zu stärken. Hierzu gehört zum Beispiel: - das Bemühen um eine schülergerechte Schule, die ihren Kindern Lern- und Lebensstätte sein will

- freiwillige Arbeitsgemeinschaften und Projekte auch an Nachmittagen

- Unterrichtsformen, die die Lernprozesse der Schüler fördern

- Schulveranstaltungen mit Einbeziehung der Eltern und Bevölkerung (Sternwanderungen, Schulkirmes, Basare, Theaterfahrten, Klassenfahrten

- Projektwochen mit abschließendem Präsentationstag

- Schulpartnerschaften

- Erfolge im Fachbereich Arbeitslehre und »Jugend forscht« (Bezirks- und Landessieger)

- Erfolge im sportlichen Bereich, vor allem im Schwimmen (Bezirks- und Landessieger)

- Erfolge im Fachbereich Musik: Landessieg des Gemischten Ensembles.

Mit dieser Unterrichtsarbeit sowie durch das Öffnen der Schule für die Bevölkerung der Region, hat sich die Graf-Salentin-Schule an der Oberen Kyll ein hohes Ansehen erworben. Durch die Einrichtung der Regionalen Schule in Jünkerath wurde das erfolgreiche Wirken der Schulgemeinschaft belohnt. Sie stellt aber auch eine neue Herausforderung dar. Der Schulstandort Jünkerath, der auf eine lange Tradition zurückblicken kann, gewinnt somit eine größere Bedeutung, Der Antrag von 12 Schulen im Regierungsbezirk Trier, Regionale Schulen einzurichten, verdeutlicht, welchen Stellenwert Regionale Schulen bei Eltern, Schulträgern, politischen und wirtschaftlichen Gremien besitzen. Das Erreichen dieses Zieles bedeutet für Jünkerath ein wichtiger Meilenstein in einer sich stets verändernden Schullandschaft.