Eifeler und Saarländer

Josef Jakob, Jünkerath

Wissen Sie, was eine Isoglosse ist? Sollten Sie es nicht wissen, kann man das schnell erklären. Stellen Sie sich eine Karte vor, auf der etwa Mundarten eingezeichnet sind. Eine Grenzlinie zeigt an, in welchem Gebiet, ob vor oder hinter ihr bestimmter Wortgebrauch üblich ist. Bevor wir Kinder (fünf!) von der Bedeutung dieses Begriffs etwas ahnen konnten, zogen wir Papa mit seiner Art zu reden gerne auf. Sagte er KOPF, hörte o sich an wie in los. Sprach er vom Bett, klang das e wie in sehr. Er war in Frau-lautern geboren, Mama in Roden zu Hause. Unsre Muttersprache unterschied den Koop mit o hörbar wie in Dorn und Bett mit ä. Ein Spaß für Kinder. Vater revanchierte sich »Enn Roden ess alles Moden; do danzen de Dooden off de Kommoden.« Dazu kam noch »dier Dickkepp!« Papa war unser erstes Sprachgrenzopfer, obwohl die beiden Orte ineinander liefen. Adolf Bach, Wilhelm Will, Josef Müller, Nikolaus Fox und andere haben belegt, wie viele Gemeinsamkeiten zwischen Eifel und Saarland auszumachen sind.

Gehn wir in der Eifel ein wenig nach Norden, ernten wir ÄRPELE (Erdäpfel), südlich davon sind es JROMBERE/SCHROMBERE (Grundbeeren). Wir sprechen fränkisch, genauer gesagt moselfränkisch. So die Leute der Eifel, so die Mehrheit im Saarland.

Ein Schrank wird von Geldern her vom Käst zum Schaf, Schap, Schaff. Kinder, die eine Eisbahn schlagen, können das so ausdrücken: Wir schlittern, schleifen, schliwere, schleimen, Schleimern, schummern. Eifeler können sagen »Ech schlog, ech jong..« Ein Saarländer muss sich helfen mit »Aich hann geschlaa, benn gang...« Quer durch Eifel und Saarraum verlaufen wiederum verschiedene Isoglossen: die das/dat, Korb/Korf, gut/gutt/got... voneinander trennen. Nicht zu übersehen ist die Zugehörigkeit zu einer Herrschaft wie Kurtrier, Grafschaft Saarbrücken, Lothringen, Herrschaft der Pfalzgrafen.

Gemeinsamkeiten auch bei Sitten und Festbräuchen. Heiratet ein verwitwetes Paar, geht das unter lärmendem Schalwari/Schariwari. Vor Jahren hat die »Eselshochzeit« in der Eifel hohe Wellen geschlagen. Ähnliches gibt es (höchst selten) im Saartal. »Aich benn e arma Keenich, geff ma net ze wenich. Löß mich net so lang heir stehn, denn eich moß noch waida-gehn!« Singen Kinder an der Saar, im Moseltal und in der Eifel.

Ungezählte Geistliche, in der Saargegend geboren, haben in der Eifel ihren Dienst versehen, sind für immer dort geblieben. Ebenso viele Eifeler sind geistliche Saarländer geworden.

Dass es hier und da Spannungen zwischen den Räumen gab, streitet niemand ab. Zeitweise machten derbe Witze - bei den Ostfriesen entliehen - die »Saarfranzosen« madig. Die wiederum hielten dem entgegen, wie fast sibirisch zurückgeblieben die Eifel sei.

Man besucht sich heute, feiert miteinander, spielt gegeneinander; kein Kosovo für Eifeler oder Saarländer.

Dau on eich

Dau, mei Mäddchin, hear ma

zou.

Loschd ma Dach on Naat kä

Rouh.

Dau, mein Mäddchin, lou

mich aan.

Eich gääng Dir gäar eppes

saan:

Wäschde wat?

Eich hann Deich gäar!

Dräh ma mool Dei

Schneßchin haar.

So, jetz hann eich Dir't ge-

saat.

Bes mohr fre:i!

Gutt Naat, gutt Naat!

Eifeler werden keine Schwierigkeiten haben, die Aussage zu entziffern. (Mer schwätze fränkesch...)