Vor 25 Jahren-

aus und vorbei mit der Dampferei

Erinnerungen an die Dampflokzeit in Daun

Hermann Grüter, Nerdlen

Es begann alles vor über 100 Jahren, als am 15. Mai 1895 die Eisenbahnstrecke von Mayen über Daun nach Gerolstein eröffnet wurde. In jenen Jahren wurde das Eisenbahnnetz in der Eifel überwiegend aus militärischen Gründen stark ausgebaut. Mit der Eröffnung der Zweigstrecke Daun-Gillenfeld am 1. Dezember 1909 wurde Daun bereits Bahnknotenpunkt. Der Personen- und Güterverkehr entwickelte sich rasant. Die Züge und Dampfrösser wurden immer zahlreicher, länger und größer. So erhielt Daun als Abzweig-Bahnhof auch einen zweiständigen Lokschuppen samt Drehscheibe zum Abstellen und Wenden der schwarzen Ungetüme. Heute beginnt an dieser Stelle

 

Dampflok 050 954-7 mit Güterzug nach Mayen verlässt als letzter planmäßiger Dampfzug am 31. Mai 1975 Daun. Damit endete der Dampfbetrieb in der Eifel, denn auch das einzige verbliebene Dampflok-Bahnbetriebswerk in Mayen wurde sofort stillgelegt.

der Mosel-Maare-Radweg. Früher konnte man, ab 1. Juli 1910, mit dem Zug von Daun über Wittlich-Wengerohr bis zur Mosel nach Bernkastel gelangen. Soviel zur Vorgeschichte.

Im Jahr 1968 kam ich in die Eifel und damals »dampfte« es noch planmäßig im Dauner Bahnhof. Frühmorgens startete in Mayen an allen Werktagen ein Güterzug, bespannt mit einer Dampflok der Baureihe 50, der noch vormittags in Daun einrollte. Bei Bedarf fuhr der Zug bis zum Bahnhof Dockweiler-Dreis weiter, um dort Güterwagen für den Holztransport bereitzustellen oder abzuholen. Gegen Mittag traf der Zug dann wieder in Daun ein. Nun begann ein reger Rangierbetrieb, denn viele Wagen mussten an die verschiedensten Anschlussgleise verteilt werden. Zusätzlich wurden Wagen an einem mit einer Diesellok bespannten Güterzug nach Wittlich-Wengerohr übergeben. Nach einer wohlverdienten Mittagspause des Lokpersonals und vorheriges »Wassernehmen« der Dampflok am Wasserkran im Bahnhof Daun stand der »Höhepunkt« kurz bevor. Bei der Rückfahrt musste zunächst die starke Steigung der Strecke bis zum Bahnhof Darscheid überwunden werden.

Bei der Anfahrt der Lok schoss meistens ein Rauchpilz in den Himmel und die riesigen Treibräder drehten oftmals durch, besonders bei feuchtem Wetter. Mit lauten und immer schneller werdenden Auspuffschlägen kämpfte der schwarze Gigant mit dem Zug gegen den Berg. Seit dem 31. Mai 1975 ist dieses imposante Geschehen nun vorbei und bereits Geschichte. Heute bietet der Bahnhof Daun ein trostloses Bild. Nur ein Gleis ist noch befahrbar und gelegentlich kommt noch ein Sonderzug mit Touristen und Eisenbahnfreunden nach Daun. Ist dieser Zug dann noch mit einer Dampflok bespannt, ist die Zahl der Schaulustigen groß und der Bahnhof erwacht für eine kurze Zeit aus seinem Dornröschenschlaf.

Dampflok 050 954-7 hat Güterwagen für den Holztransport bereitgestellt und rangiert im Bahnhof Dockweiler-Dreis im Mai 1975.

 

Ansonsten dient der Bahnhof Daun heute überwiegend der Jugend. Innen wird er genutzt und außen beschmutzt, muss man leider feststellen. Vandalismus ist an der Tagesordnung, mit Graffiti besprühte (oder beschmierte) Fassaden, zertrümmerte Fenster und Einrichtungen zeugen von der Zerstörungswut. Auch die Museumsfahrzeuge der Eisenbahnfreunde Vulkaneifel Daun e. V. wurden nicht verschont. Inzwischen haben sie den Bahnhof Daun in schrottähnlichen Zustand für immer verlassen. Angesichts solcher bilder sehnt sich manch einer nach der guten alten »Dampflokzeit« zurück.