Mit zwölf begann die Musiklaufbahn

Der Organist, Chorleiter und Küster Albert Schneider aus Boxberg

Brigitte Bettscheider, Kelberg-Zermüllen

Er stammt aus einer musikalischen Familie, und im Nachbarhaus in seinem Geburtsort Beinhausen wohnte der Pastor. Als dann der Vater mit einem Kuhgespann und einem eisenbereiften Wagen nach Üdersdorf fuhr und zu der bereits vorhandenen Geige und der Trompete ein Klavier kaufte, als der damalige Pastor Theodor Labbe für Unterricht sorgte, da begann schon sehr bald die Organistenlaufbahn des Jungen. Am I.April 1938 saß Albert Schneider zum ersten Mal offiziell an der Orgel der Hilgerather Pfarrkirche - im Alter von nur zwölf Jahren. Vor-

sichtig geschätzt hat er seitdem 12.000 mal den Weg dorthin gemacht, hat mit sieben Pastoren und einer nicht auszumachenden Zahl von Patres und Gastpriestern Gottesdienste musikalisch gestaltet, als Küster Messdiener geschult und für Kirchenschmuck gesorgt, als Leiter des Kirchenchores mit seinen Sängerinnen und Sängern bei vielen Anlässen Akzente gesetzt.

Am 15. November 1998 feierte Albert Schneider in einem Festgottesdienst in der Hilgerather Pfarrkirche Sankt Hubertus sein 60jähriges Dienstjubiläum. Dechant Peter Bollig zelebrierte das Dankamt; ihm zur Seite standen am Altar der frühere Pastor Walter Alfter und Pater Alois Schneider, ein Cousin des Jubilars. Der Kelberger Organist und Chorleiter Hermann-Josef Krämer spielte die Orgel und dirigierte den Chor - anstelle und zu Ehren des Jubilars. Karljosef Schmitt aus Trier spielte die Orgelwerke zum Ein- und Auszug, und Albert Schneiders Enkel Stefan stand am Keyboard. Der Pfarrgemeinderatsvorsitzende Erwin Adriani bescheinigte dem Organisten, dass er alle Arbeiten in all den Jahren zur vollen Zufriedenheit ausgeführt habe. Ewald Düx beleuchtete als stellvertretender Vorsitzender des Verwaltungsrates im unterhaltsamen Rückblick die kirchliche Arbeit von Albert Schneider - von der mit Fleiß, Ausdauer und viel Energie geprägten Einarbeitungszeit über den Aufbau eines jungen Chores und dessen Führung zu Höchstleistungen bis zur gewissenhaften und pünktlichen Ausübung des weniger spektakulären Küsterdienstes. Im Gemeindehaus in Beinhausen fanden Gratulation, Anerkennung und Dank ihre Fortsetzung. Ans Rednerpult traten der nächstälteste Organistenkollege im Dekanat Kelberg, die Vorsitzenden der Kirchenchöre Hilgerath, Kelberg und Rengen, der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Kelberg und der Ortsbürgermeister von Beinhausen im Auftrag der sieben Pfarrdörfer. Am 30. Juni 1999 trat der Kirchenmusiker in den Ruhestand.

In der Rückschau auf über sechs Jahrzehnte kirchlicher Tätigkeit erinnert Albert Schneider sich noch sehr lebhaft an die Anfangsjahre, als er die Woche über jeden Morgen um sieben Uhr in der Kirche auf dem Hilgerather Berg sein musste. Da stellte er den Schulranzen in der Sakristei ab, war nicht nur Küster und Organist, sondern oft auch Messdiener, und wenn die Messe vorbei war, ging's zu Fuß runter zur Schule nach Neichen. Im Winter sind er und sein älterer Bruder oft mitten in der Nacht in die Kirche gegangen, um Feuer anzumachen oder es in Gang zu halten. Seine Mutter war für die Kirchenwäsche und -reinigung zuständig. Für all diese Dienste erhielt die Familie 100 Mark im Jahr. Vom Februar 1943 bis zum Juni 1945 war Albert Schneider Soldat. Als er aus der Kriegsgefangenschaft in Remagen zurückkehrte, hatte der Bruder von Pastor Albert Schmitt, der Neichener Lehrer Karljosef Schmitt, bereits mit dem Wiederaufbau des Kirchenchores begonnen. Mit ihm zusammen übernahm Albert Schneider in der Nachkriegszeit die musikalischen Führungsaufgaben: Sie probten gemeinsam und teilten sich ins Dirigieren und in die Instrumentenbegleitung. Schon in den 50er Jahren waren Hilgerather Chorgesang und Orgelspiel über die Grenzen hinaus bekannt. 1946 und 1947 hatte Schneider Lehrgänge an der Dommusikschule in Trier absolviert. 1951 heiratete er Änni Lenarz aus Boxberg und zog in das auch zur Pfarrei Hilgerath gehörende Nachbardorf. Dort arbeitete er zunächst im Gemischtwarengeschäft der Schwiegereltern mit und baute einen Großhandel in Landesprodukten auf. Und er übernahm unentgeltlich zusammen mit seiner Frau den Küster- und Organistendienst in der kleinen Dorfkapelle. Die Söhne Reinhard und Martin wurden geboren; heute gehören längst zwei Schwiegertöchter und vier Enkelkinder zur Familie. Über Jahrzehnte hinweg war der berufstätige Familienvater Albert Schneider zu den fünf Werktagsmessen und den drei Sonntagsgottesdiensten in der Kirche zu finden; dazu kamen Taufen, Hochzeiten, Beerdigungen. Regelmäßige Chorproben mit rund 40 Sängern und Sängerinnen verlangten weiteres Engagement. Ein Blick in das Chor-Repertoire zeigt das hohe Niveau - anspruchsvolle Messen wie die »Missa Septima in honorem S. Cunigundis«, das »Tantum Ergo« von Franz Schubert für vierstimmig gemischten Chor und Orgel, das »Halleluja« von Händel und Haydns »Die Himmel erzählen die Ehre Gottes«. Zu den kirchenmusikalischen Höhepunkten zählt Albert Schneider die Feier zum hundertjährigen Bestehen des Kirchenchores (1983), die Aufnahme einer Hörkassette mit zwei Dutzend geistlichen und weltlichen Liedern (1991) und das Jubiläumskonzert zum 110jährigen Bestehen des Chores (1994). Im September 1996 hielt der Regionalautor Alois Mayer im Forum Daun einen vielbeachteten Vortrag über »Das geheimnisvolle Hilgerath«. Der Kirchenchor umrahmte diesen Vortrag mit einer Reihe von Liedvorträgen, darunter das von Albert Schneider bearbeitete Stück »Ave Maria - Die Bergkirche Hilgerath«. Zu Hause in Boxberg stehen ein Klavier, ein Harmonium und eine sakrale Digitalorgel. »Am liebsten spiele ich aber die Orgel in der Kirche,« betont Albert Schneider. Das ist eine zwei manualige Orgel mit 18 klingenden Registern, die 1954 neu angeschafft wurde - ein sehr solides Instrument mit hervorragenden Klangcharakter.