Brauchtum vergangener Jahre -Kinderträume im Advent
Maria Pritschen, Gerolstein
Eine schöne Zeit war die um den Namenstag des hl. Nikolaus und in unserer kindlichen Vorstellung kam er bei klirrender Kälte oder verharschtem Schnee mit einem großen Schlitten. Waren die Wege aber frei, benutzte er eine Kutsche und davor gehörte natürlich ein Esel, der die vielen Gabenpäckchen ziehen musste, die Nikolaus verteilte. Schon Tage vor dem Ereignis schmiedeten die Kinder Pläne, sie mussten ja eine Unterkunft für den Esel suchen. In einem reinen Bauerndorf war das kein großes Thema, hatten die Eltern doch alle auf ihrem Hof Stall und Scheune. Doch kam der Nikolaustag, mussten ja noch Futter für das Tier gesammelt werden, denn nach der langen Schlitten- oder Kutschfahrt hatte das Eselchen Hunger und Durst. Die Vorschulkinder fingen schon morgens an. Sie zogen mit einer Karre durch das Dorf und fragten nach Heu, Kohlraben und Hafer. Hatten sie einen freien Platz in einer Scheune gefunden, wurde zuerst das Heu rund aufgeschichtet. Ein paar Kinder putzten in der Zeit die Kohlraben schön sauber, denn es haftete noch Erde daran.
Danach kamen sie durch die Rübenmühle. Mit viel Schwung drehte man am Rad der Maschine, eines warf die Rüben oben in die Öffnung, als Schitzel wurden die dann im Korb unten aufgefangen und die Schnitzel mussten ja ganz klein sein, sonst konnte das Eselchen sich noch daran verschlucken. Danach wurden sie auf dem Heu schräg aufgehäufelt und oben in die Mitte kam die Spitztüte mit Hafer.
Ein Eimer Wasser stand daneben, denn es durfte am Eselsempfang nichts fehlen. Jetzt war Zeit für eine Pause. Eine schöne Rübe hatten die Kinder zurück gehalten, davon wurden Scheiben abgeschnitten; das waren die Knollenbrote - en Knolleschmär -. Mit einem Messer noch etwas Kohlrabi geschabt, dass schmeckt wie Butter auf dem Brot und war für alle eine Delikatesse. Am nächsten Morgen der erste Kinder-Gang in die Scheune; die Futterstelle war geputzt und alle Zutaten verspeist. Das Nikolaus-Eselchen zog in unserer Fantasie mit seinem großen Schlitten weiter, durch den weißen Winterwald, denn auch andere Kinder warteten voller Sehnsucht auf den heiligen Mann.