Jüdischer Friedhof in Gerolstein

Er steht als Denkmalzone unter Schutz

Erwin Schöning, Gerolstein

In der Brunnenstadt erinnert ein Friedhof an die jüdischen Mitbürger; bereits 1719 lebten unter 800 Einwohnern in 172 Familien zwei jüdische. Dass ihre Bevölkerungsentwicklung in Gerolstein nur zögernd voranging, wird der kurtrierischen Judenordnung aus dem Jahr 1723 zugeschrieben. Nach diesem Papier mussten sich jüdische Bürger einer strengen Kontrolle der gesetzgebenden Landesherren beugen. Erst in der Hälfte des 19. Jahrhunderts zählte man in Gerolstein an die zwanzig Juden.

Hierzu gehörte auch Alexander Levy, der sich 1880 mit seiner Familie in Gerolstein niederließ. Er unterhielt in der Hauptstraße ein Manufakturwaren- und Lebensmittelgeschäft sowie eine Limonadenfabrikation und ein Bierlager. Alexander Levy war es auch, der sieben jüdischen Bürgern eine Parzelle von 123 Quadratmetern in Sarresdorf verkaufte und sie bestimmten, dass auf diesem Grundstück zukünftig die jüdischen Mitbürger bestattet werden sollten.

Der jüdische Friedhof ist heute im allgemeinen Friedhof »Sarresdorfer Straße« eingeschlossen. Seit 1926 stand Nathan Levy der Gemeinde Gerolstein vor, die im »Reichsverband jüdischer Gemeinden Berlin« organisiert und dem Rabbinat Trier unterstellt war. Damals wurde bereits ein Grundstück erworben für eine eigene Synagoge, doch die ist niemals gebaut worden. Mittelpunkt des religiösen Lebens war der Betsaal, der im Haus eines jüdischen Gemeindemitgliedes eingerichtet wurde. Nach 1930 stellte Ludwig Baum hierfür einen Raum in seinem Haus in der Lindenstraße zur Verfügung. Hermann Levy aus Hohenfels war bis zu seinem Tod 1932 Vorbeter bei den Gottesdiensten. Zu besonderen Anlässen wie zu wichtigen Gottesdiensten oder hohen jüdischen Festen kam der Trierer Rabbiner Dr. Altmann nach Gerolstein. 1926 lebten in Gerolstein 64 Personen jüdischen Glaubens, 1933 waren es 52, 1937 19 und 1938 nur noch elf Personen. Dass das Verhältnis zwischen Juden und der einheimischen Bevölkerung gut war, beweist das Beispiel, als Juden, Katholiken und Protestanten Pastor Hubert Rader für seine religiöse Mittlerrolle dankten, indem sie ihm zum Silbernen Priesterjubiläum 1928 gemeinsam ein Esszimmer ausstatteten. Die Juden nahmen auch aktiv am Gemeindeleben teil und waren in Vereinen aktiv. Julius Levy war Aktiver im Sportverein 1919 Gerolstein und Fritz Mansbach 1924 Karnevalsprinz in Gerolstein. Als die nationalsozialistische Regierung am I.April 1933 zum Boykott der jüdischen Geschäfte im Reich aufrief, fand dies in Gerolstein zunächst kein Echo. Erst als kurz darauf Gesetze über die Einschränkung der wirtschaftlichen Freizügigkeit jüdischer Kaufleute in Kraft traten, verfehlten sie ihre Wirkung auch bei den Gerolsteiner Juden nicht, die ausschließlich vom Handel lebten.

Nach dem Allgemeinen Preußischen Landrecht gehörten jüdische Friedhöfe den jüdischen Kultusgemeinden. Am 24. Mai 1941 wurden durch Anordnung des Reichsministers des Inneren die jüdischen Kultusgemeinden in die Reichsvereinigung der Juden in Deutschland eingegliedert, das Vermögen ging an die Reichsvereinigung über. Am 3. März 1943 erfolgte die grundbuchliche Umschreibung der Friedhofsparzelle auf die Reichsvereinigung der Juden in Deutschland. 1944 wird das Vermögen beschlagnahmt.

Durch einen notariellen Vertrag vom 26. Mai 1944 erfolgte die Übertragung des Eigentums am jüdischen Friedhof Gerolstein auf die Stadt Gerolstein gegen eine Zahlung von 144 Mark. Die Wiedergutmachungskammer beim Landgericht Trier beschloss am 10. November 1950, dass der Verkaufsvertrag von 1944 nichtig war. Damit wurde die jüdische Kultusgemeinde Trier Eigentümerin der Friedhofsparzelle. Durch Rechtsverordnung der Kreisverwaltung Daun vom 9. Juni 1989 wurde der jüdische Friedhof in Gerolstein formal als Denkmalzone unter Schutz gestellt, die Pflege hat die Stadt Gerolstein übernommen.

Auf diesem Friedhof sind fünf Doppelgräber und zehn Einzelgräber vorhanden, die die Kriegswirren unbeschädigt überstanden haben. In der jüdischen Religion ist der Friedhof das »Haus der Ewigkeit«. Die auf den jeweiligen Verstorbenen bezogenen Beschreibungen auf den Grabsteinen sind in hebräischen Inschriften, häufig aus Bibel, Talmud und Gebeten entnommen.

Mit einer Tafel am Alten Rathaus gedenkt die Stadt Gerolstein der von den Nationalsozialisten ermordeten jüdischen Mitbürger. Die Inschrift: »Zum Gedenken an die jüdischen Mitbürger Gerolsteins, die bis zu ihrer Deputation und Ermordung durch die Nationalsozialisten das Leben in unserer Stadt geprägt haben!«