Der Euro - Ein Jahrhundertereignis

Thomas Klassmann, Daun

Wann erlebt man so etwas schon mal - Scharen von Menschen stehen um kurz vor 24 Uhr in der Vorhalle einer Bank und warten gespannt auf Mitternacht. Punkt 24 Uhr erschallen laute Rufe, die Leute stoßen mit Sekt an und schauen gebannt auf das, was da aus dem Geldautomaten kommt - die ersten Euro. Die Geburtsstunde des Euro war am 1.1.2002 gekommen und die Diskussion über den Sinn oder Unsinn der gemeinsamen europäischen Währung war auf ihrem Höhepunkt angelangt. In jeder Zeitung und Fernsehsendung wurde den Europäern der Nutzen der neuen Währung näher gebracht, aber auch kritische Stimmen waren immer wieder zu hören.

Die heiße Phase der Euro-Einführung und auch der Diskussion begann Mitte Dezember mit der Ausgabe der so genannten Starter-Kits. Hier wurde allen Bürgern erstmals die Gelegenheit geboten, die neuen Euro-Münzen in der Hand zu halten und zu bestaunen. Vor den Bankschaltern bildeten sich lange Schlangen, da jeder eines der Starter-Kits in den Händen halten wollte. Vielerorts waren bereits nach wenigen Stunden alle Euros vergriffen - mit diesem Ansturm hatte keiner gerechnet. Vereinzelt wurde zwar auch hier noch die Meinung vertreten, es handele sich dabei um „Spielgeld", doch spätestens jetzt hatten die meisten begriffen, dass eine neue Währung gekommen ist. Knappe zwei Wochen später war es dann endlich so weit, der Euro löste die DM und die anderen europäischen Währungen nach vielen Jahrzehnten als gesetzliches Zahlungsmittel in Deutschland und den anderen europäischen Mitgliedsländern der EU, mit Ausnahme von Dänemark, England und Schweden, ab. Viele Banken hatten am ersten Tag des Jahres 2002 geöffnet, um ihren Kunden die Möglichkeit zum Umtausch der DM-Bestände in Euro zu ermöglichen. Hiervon wurde so reger Gebrauch gemacht, dass sich Schlangen bis hinaus auf die Straße bildeten. Auch an den folgenden Tagen standen die Kunden mit ihren letzten DM oft bis über eine Stunde an, um die begehrten Euros zu bekommen. Besonders auffällig und ungewöhnlich war die Geduld, mit der die Wartezeiten in Kauf genommen wurden -fast kein Murren oder ähnliches war zu hören. In großen Werbekampagnen war in den Monaten vor der Euro-Umstellung darum geworben worden, die restlichen „Schlafmünzen" doch noch vor dem Jahreswechsel zur Bank zu bringen. Leider wurde dies von vielen wohl falsch verstanden - sie stellten sich am 2. Januar mit der Einkaufstüte voll Münzen zum Tausch an.

Für viele Bundesbürger brachte der Jahreswechsel aber auch ein neues Hobby mit sich. So wurden schon nach wenigen Stunden die ersten ausländischen Münzen gesichtet und stolz den Mitmenschen demonstriert. Ein Trend, der noch heute anhält und ungebrochen scheint. Unter den Sammlern bildeten sich schnell besondere Lieblinge aus der Vielzahl von ausländischen Münzen heraus, besonders begehrt sind natürlich die Münzen aus den ganz kleinen europäischen Ländern wie dem Vatikan oder San Marino oder besonders weit entfernten Ländern wie Finnland, Irland und Griechenland. Wie bei der Ausgabe der Starter-Kits war auch hier der Trend hin zur „Geldanlage" in prägefrischen Euros zu erkennen, dem durch die teilweise astronomischen Gebote bei Internetversteigerungen Rechung getragen wurde.

Nach einigen Monaten sind die ausländischen Münzen schon teilweise zur Normalität geworden, vor allem die Münzen aus den benachbarten Benelux-Staaten und aus Frankreich trifft man in unserem Raum bereits häufig an.

Besonders in unserer Region zeigen sich sehr schnell die Vorteile des Euro. Die Einführung brachte durch die große Grenznähe für die Tausenden von Pendlern oder für die Kurzurlauber sehr schnell den Vorteil, mit einer Währung in mehreren Ländern bezahlen zu können. Aber nicht nur wirtschaftlich, sondern auch kulturell hat die Euro-Einführung Auswirkungen. Eine gemeinsame Währung stiftet Identität und ist ein weiterer Schritt in eine engere, europäische Zusammenarbeit und auch dazu da, die Grenzen in den Köpfen verschwinden zu lassen. Vielfach ist die DM noch nicht aus dem Bewusstsein verschwunden und es gibt tatsächlich noch immer Mitmenschen, die alles ausschließlich in DM rechnen und die Vorteile nicht sehen -ein vielleicht verständlicher, aber nicht gerade umgänglicher Trend, der auch in den zahlreichen „Teuro-Debatten" leider noch kein Ende gefunden hat.

Gerade in unserem grenznahen Raum gewinnt die Zusammenarbeit von Firmen, Vereinen und anderen Institutionen zunehmend an Bedeutung und unsere gemeinsame europäische Währung ist hierbei ein nicht zu unterschätzender Beitrag.