„AKTION BLAU" an der Lieser

Rolf Hillmann, Dockweiler

Die AKTION BLAU wurde im Jahre 1994 durch das Ministerium für Umwelt und Forsten Rheinland-Pfalz ins Leben gerufen. Ziel des Aktionsprogrammes ist die landesweite Wiederherstellung von naturnahen Gewässerzuständen. Im Rahmen dieses Aktionsprogrammes wurde in den Jahren 2000/2001 in der Lieser von der Flussmündung bis zur Quelle eine durchgängige Fischwanderungsmöglichkeit wieder hergestellt. Die Lieser ist ein linker Nebenfluss der Mosel. Sie entspringt westlich von Boxberg im Landkreis Daun, durchfließt die Städte Daun, Manderscheid und Wittlich, bis sie schließlich in der Verbandsgemeinde Bernkastel-Wittlich beim gleichnamigen Ort Lieser in die Mosel mündet. Die Lauflänge der Lieser ist rd. 74 km; das oberirdische Einzugsgebiet beträgt 403 qkm. Ab der Einmündung des Hasbaches in Daun-Rengen ist die Lieser wegen ihrer wasserwirtschaftlichen Bedeutung ein Gewässer zweiter Ordnung.

Unsere Gewässer wurden in der Vergangenheit vielfach zu einseitig unter dem Gesichtpunkt der Benutzer genutzt und umgestaltet. Insbesondere zur Nutzung der Wasserkraft und zur Bewässerung in der Landwirtschaft. Es wurden Wehre zum Anstau von Wasser gebaut, was dann zum Antrieb von Mühlen oder anderen Kraftwerken benutzt wurde. Weiterhin wurden je nach Bedarf Gewässer verrohrt, begradigt oder umgeleitet, um beispielsweise Flusstäler und Auen nach anderen Bedürfnissen und Gesichtspunkten zu nutzen. Dadurch haben viele Gewässer eine Struktur erhalten, die nur noch teilweise den ökologischen Funktionen des Gewässers genügte. So auch an der Lieser. Die Durchgängigkeit der Lieser

Lieser bei Daun vor und nach (rechte Seite) der Renaturierung

war an über 20 Stellen durch Mühlenwehre, andere Querbauwerke oder Sohlabstürze unterbrochen. Eine Fischwanderung war an diesen Stellen nicht mehr möglich. Um die Fischwanderung und die sonstige ökologische Durchgängigkeit für Kleinlebewesen wieder herzustellen, wurden an undurchgängigen Wehren Fischaufstiegsanlagen bzw. Fischrampen gebaut. Nicht mehr benutzte Wehre wurden beseitigt, Sohlabstürze zu Sohlgleiten umgebaut. Weiterhin wurde durch Umgestaltung von Wehren die Wasserführung in den Ausleitstrecken so geregelt, dass eine Mindestwasserführung auch in Zeiten von Niedrigwasserführung der Lieser ständig gewährleistet ist. Im Oberlauf der Lieser wurden im Landkreis Daun die Gewässer Kleine Kyll, Pützborner Bach, Sarmersbach, Kradenbach, Kirbach und einige andere kleinere Gewässer dritter Ordnung in das Aktionsprogramm aufgenommen. Durch die Ausweisung von Uferrandstreifen und den Umbau von Rohrdurchlässen, Kreuzungsbauwerken und sonstigen Maßnahmen im Rahmen von laufenden Bodenordnungsverfahren leistete das Kulturamt Prüm einen wesentlichen Beitrag zum Gelingen der Gesamtmaßnahme. Insbesondere ist zu erwähnen, dass die Ortsgemeinde Neroth in Zuge des Aktionsprogrammes an den Bachläufen der Kleinen Kyll, des Breitwiesbaches, Enzenbaches und Hunzenbaches im Bereich der Ortslage teilweise naturfern verbaute Gewässergerinne renaturierte. Betonhalbschalen wurden ausgebaut, die neue Bachsohle mit Schotter und Substrat ausgelegt. Rasengittersteine und gestickte Bachsohlen wurden entfernt. Stützmauern wurden beseitigt und Sohlabstürze gebrochen, enge Gewässerquerschnitte wurden erweitert. - Allein für die Umgestaltungsmaßnahmen im Bereich der Ortsgemeinde Neroth wurden rd. 375.000,- DM aufgewandt.

An der Lieser selbst wurden im Bereich des Landkreises Daun an der Üdersdorfer Mühle das Mühlenwehr so umgebaut, dass ab der Ableitungsstelle bis zur Wiedereinleitung des gebrauchten Wassers hinter der Mühle ständig eine Mindestwasserführung

 

Weiersbach vor (oben) und nach (unten) der Renaturierung

 

in der Lieser gewährleistet ist, die das Überleben der dort angesiedelten Fische und Kleinstlebewesen bei Niedrigwasser gewährleistet. Die Weiersbacher Mühle wurde schon vor Jahren aufgegeben, das Wehr abgebaut. - Die Ableitungsstelle existiert nicht mehr; der ehemalige Mühlengraben lag trocken. Das Verfahren zur Auflösung der noch bestehenden Wasserrechte wurde im Einvernehmen mit den Besitzern eingeleitet. Am zerstörten Wehr war jedoch ein Sohlabsturz in Höhe von ca. Im entstanden, der selbst für Forellen nicht mehr oder nur schwer zu überwinden war. Dieser Sohlabsturz wurde zu einer rd. 20 m langen Sohlgleite umgebaut (siehe nebenstehendes Bild), welche die volle Durchgängigkeit wieder gewährleistet.

Ebenso wurde mit dem Sohlabsturz an der ehemaligen Ableitungsstelle der Pützborner Mühle verfahren, an der ein Sohlabsturz aus Granitblöcken in einer Höhe von rd. 2,30 m entstanden war. Dieser Sohlabsturz wurde auch in eine raue Sohlgleite von rd. 32m Länge umgestaltet. Im Bereich der Stadt Daun waren vom Ortseingang aus Richtung Rengen kommend bis zu Kläranlage auf der Gemarkung Gemünden in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts aus Gründen des Hochwasserschutzes insgesamt 6 Sohlabstürze gebaut worden. Auch diese Sohlabstürze wurden zu Sohlgleiten mit einer durchschnittlichen Länge von 10 m umgebaut. Mit der Wiederherstellung der Durchgängigkeit der Lieser sind im Gewässersystem wieder vollwertige Lebensräume für die gesamte Biozönose, insbesondere auch für alle Fischarten geschaffen worden. Für die Gesamtmaßnahme wurden in den Landkreisen Daun und Bernkastel-Wittlich zusammen insgesamt 2.740.000,- DM aufgewandt. Die Maßnahme wurde durch EU-Fördermittel aus dem Programm LEADER II sowie aus wasserwirtschaftlichen Fördermitteln des Landes Rheinland Pfalz in Höhe von insgesamt 80 v.H. bezuschusst. Im Landkreis Daun betrugen die Investitionen insgesamt 945.000,- DM welche in einer Gemeinschaftsaktion durch die Verbandsgemeinden Daun, Gerolstein, Kelberg und den Landkreis Daun finanziert wurden. In fachtechnischer Hinsicht wurde die Gesamtmaßnahme durch das ehemalige Staatliche Amt für Wasser- und Abfallwirtschaft Trier betreut, das bei der Neuorganisation der Landesverwaltung zum 01.01.2000 als Regionalstelle Wasserwirtschaft, Abfallwirtschaft, Bodenschutz, Trier in die Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord eingegliedert wurde.