Eisenerzfund in Glaadt

Grubenfeld Otto wiederentdeckt

Erwin Holzer, Feusdorf

Das Leben mit und vom Eisen hat die Eifel über viele Jahrhunderte nachhaltig geprägt. Heute ist dies leider nur noch an wenigen Stellen sichtbar. Manchmal öffnet sich aber durch Zufall ein Fenster in die Vergangenheit und lässt diese wieder lebendig und greifbar werden. So ist dies jetzt auch in Glaadt geschehen. Bei Bauarbeiten wurde 2005 ein wichtiges erdgeschichtliches Denkmal wiederentdeckt: das alte Eisenerzgrubenfeld Otto. Früher war die Nutzung der in vorgeschichtlicher Zeit entstandenen Eisenerzlager weit verbreitet und viele Eifeler verdienten sich mit der Arbeit in den Gruben ein willkommenes Zubrot. Das so geförderte Erz bildete die Basis für den Betrieb zahlreicher Eisenhütten, die es weiterverarbeiteten und ihre Produkte auf Märkten wie Köln und Trier verkauften.
So war auch die 1687 mit Genehmigung des Grafen Ernst Salentin von Manderscheid-Blankenheim (wieder-) gegründete Hütte in Jünkerath für ihren erfolgreichen Betrieb auf eine zuverlässige Versorgung mit Eisenerz angewiesen, die mangels geeigneter Ferntransportmittel aus der nahen Umgebung kommen musste.
Es traf sich gut, dass es verstreut über den ganzen Eifelraum kleinere und größere Esenerzlagerstätten gab, die den nötigen Rohstoff liefern konnten, und die schon Römer, Kelten und Franken genutzt hatten.
Auch die Jünkerather Hütte war bei ihrer Gründung mit umfangreichen Bergbaurechten und Konzessionen ausgestattet worden. Graf Ernst Salentin hatte eigens einen Vertrag mit dem Grafen von Arenberg geschlossen, der dem Jünkerather Werk Zugang zu Erzlieferungen aus dessen Lommersdorfer Bergwerk eröffnete. Dem Hüttenmeister war es nach der gräflichen Gründungsurkunde zudem erlaubt, im Herrschaftsgebiet des Grafen „allerorthen nach Belieben Eisenstein auffsuchen und außgraben zu lassen“.
Mit der Zeit erwarben die Jünkerather Hüttenmeister in der nahen und näheren
Umgebung zahlreiche Grubenfelder, die bis weit ins 19. Jahrhundert hinein intensiv genutzt wurden. Am Ende ihrer Bergbautätigkeit war die Jünkerather Gewerkschaft Eignerin der Bergwerke und Grubenfelder Dahlem, Minos, Sandberg, Caroline, Dahlemerberg, Jünkerath, Barbarossa, Homberg, Plageberg, Auguste, Alexander (einschließlich Glücksruthe, Langenberg und Jacobine), Darius, Rothenbusch, Kreuzlein, Königsberg, Flora, Cäci-lia, Lommersdorf, Gottessegen, Alwine, Augusta, Emma und eben auch von Otto! Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde allerdings die auswärtige Konkurrenz übermächtig, neue Verkehrsmittel eröffneten billigerem Erz und Eisen den Weg auf die traditionellen Märkte der Eifeler

Foto: Horst Bürgel

Eisenhütten und verdrängten diese. Bergwerke, Grubenfelder und Hochöfen wurden stillgelegt. Mit dem Ende der eigenständigen Eifeler Eisenerzeugung gerieten auch die jahrhundertealten Grubenfelder in Vergessenheit, auch wenn hier und da Flurnamen wie „An der alten Grube“ noch von der vergangenen Nutzung zeugen. Zu Beginn des 2. Weltkrieges wurden die Grubenfelder der Jünkerather Gewerkschaft dann noch ein letztes Mal wirtschaftlich interessant. Im Auftrag des nach einer autarken Rohstoffversorgung strebenden 3. Reiches wurden zahlreiche Felder, darunter auch Otto, durch die Bergverwaltung Giessen der Mannesmann-Röhrenwerke untersucht. Zu einer erneuten Nutzung kam es aber nicht mehr. Nach dem Krieg versuchte sich die Jünkerather Gewerkschaft aus Furcht vor kostspieligen Bergschäden mitunter sogar von ihren alten Bergrechten zu trennen. So geriet diese alte Tradition mehr und mehr in Vergessenheit.
Nur wenige Zeugnisse wie verstreute Abraumhalden, Pingen und einige alte Schächte blieben sichtbar. Im vergangenen Jahr wurde dann durch Zufall im Rahmen der Erschließung eines neuen Baugebiets in Glaadt eine alte Erzlagerstätte wieder angeschnitten: „Otto“ war wiederentdeckt! Herbeigerufene Geologen des Büros für Paläon-tologie/ Stratigraphie beprobten und analysierten die zutage getretene Erzlagerstätte im Auftrag des Landesamts für Denkmalpflege und identifizierten sie anhand bestimmter Fossilien (Brachiopoden, Trochiten, Korallen) als Teil der bekannten Heisdorf Schichten. Diese erdgeschichtliche Formation bildete sich vor vielen Millionen Jahren, als
die Eifel in einer Warmzeit von einem flachen Küstenmeer mit Lagunen und Korallenriffen bedeckt war. In dieser Zeit lagerten sich am Meeresboden eisenhaltige Schichten ab, die im Laufe der Zeit im Zuge verschiedener geologischer Prozesse abbaufähige Eisenerze ausbildeten.
Der so in seinem wissenschaftlich-historischen Wert bestätigte Aufschluss, der auf Empfehlung der untersuchenden Geologen als erdgeschichtliches Denkmal in Teilen erhalten werden soll, bietet Wissenschaftlern und auch Laien einen interessanten Einblick in die Erdgeschichte und bringt eine lange verborgene geologische Grundlage der Eifeler Eisenindustrie wieder zu Tage. Eine Ladung des Glaadter Eisenerzes wurde auf das Gelände des Jünkerather Eisenmuseum transportiert und kann dort besichtigt werden.