Heinz Onnertz, Daun
Im Jahre 2007 feiert der Segelflugverein Vulkaneifel sein 50-jähriges Vereinsjubiläum. 50 Jahre, in denen, ähnlich wie beim Segelfliegen, Höhen und Tiefen zu meistern waren: Bereits in den dreißiger Jahren wurde am Radersberg in Brück eine Segelflugschule gegründet. Diese Schule wurde aber bei Kriegsende 1945 aufgelöst, und die noch junge Fliegerei im Herzen der Eifel fand ein -vorläufiges- Ende. Zwölf Jahre später setzten zwei Dauner, Arthur Schmitt und Rudi Fries, ihre Idee, in der Vulkaneifel wieder mit dem Fliegen anzufangen, in die Tat um. Sie fanden einige Flugsportbegeisterte und
gründeten 1957 den Aero-Club. Auf der Senheld, einem Bergrücken nördlich des Schalkenmehrener Maares, entstand, von einer überschaubaren Schar begeisterter Segelflieger geschaffen, auf Feldern, Wiesen und Ödland, ein kleiner Segelflugplatz. Mit einem doppelsitzigen Segelflugzeug, einer Rhönlerche, begann der Flugbetrieb. Eine selbstgebaute Winde zog das Flugzeug in Höhen von 250 bis 300 Metern, und die Dauner Flieger erzielten trotz des geringen Aktionsradius schon beachtliche Leistungen, sowohl im Dauer- als auch im Streckensegelflug. Die Vul-kaneifel bot wegen ihrer unterschiedlichen Geländebe-
schaffenheit und der hügeligen Landschaft gute thermische Voraussetzungen, so dass man sich entschloss, weiter zu investieren. Ein Großteil des Flugplatzgeländes konnte gekauft werden, und auch in das Sportgerät, also in Flugzeuge, wurde investiert. Obwohl der Verein bald über vier Segelflugzeuge verfügen konnte, dienten die 60er Jahre mehr dem Auf- und Ausbau des Fluggeländes als der Fliegerei. Dabei wurde dann auch erkannt, dass wegen der geringen Höhen, die mit der Winde erreicht werden konnten, der Flugzeugschlepp auf der Senheld eingeführt werden musste.
Rhönlerche, Flugzeugtaufe 1957 auf dem Marktplatz in Daun
Im Gegensatz zur Winde kann mit dem Schleppflugzeug der Segelflieger höher und auch näher an die thermischen Aufwinde gezogen werden; so wurden größere Reichweiten und längere Flugzeiten er-fliegbar. Damit wurden bessere Möglichkeiten sowohl für die Sportflieger als auch für die Ausbildung erzielt. Mit dem Flugzeugschlepp begann auf der Senheld eine neue Aera. Bei deutlich weniger Starts konnten erheblich längere Flugzeiten erreicht werden; daneben konnten mit den Schleppflugzeugen auch Rundflüge angeboten werden. Aber: das Gelände war für Motorflugzeuge aus Sicherheitsgründen nicht geeignet. Mit finanzieller Hilfe des Kreises und der Stadt wurde Ende der 60er Jahre die Piste verlegt, und mit tatkräftiger Unterstützung amerikanischer Pioniere wurde 1972 die Landebahn weiter planiert und
verlängert. Anlässlich des Flugtages 1977 wurde schließlich die Bahn mit einer Asphaltdecke versehen. Der alte Militärwagen konnte durch ein Flugleitgebäude ersetzt werden, Strom und Wasser verlegt und sogar ein doppelwandiger Erdtank angeschafft werden.
Auch in der Folgezeit steckten die Flieger auf der Sen-held viel Arbeit und Geld in ihr Fluggelände. Obwohl viele Gäste von dem Fluggelände aus die Augen der Eifel, die Maare, aus der Luft betrachten konnten und der Verein viele Beschränkungen zu beachten hatte, gab es auch immer Leute, die der Fliegerei auf der Senheld nicht zugetan waren. Anfang der 90er Jahre kam es dann im Wortsinne zu einem Existenzkampf, als einige Naturschützer konsequent daran arbeiteten, den Flugplatz bei den Maaren schließen zu lassen. Eine Befragung der Bevölkerung, die unter notarieller Aufsicht durchgeführt wurde, brachte dann das für den Verein erlösende Ergebnis, dass nämlich rund 98% der Abstimmenden, und das waren über eintausend Personen, für die Fliegerei auf der Senheld stimmten.
Der Verein ging gestärkt, aber auch sensibilisiert, aus der
Flugzeugtaufe 1959 durch Bürgermeister Drückes
Aufnahme aus dem Jahr 1962
Auseinandersetzung hervor. Mit Hilfe des Kulturamtes Prüm wurde ein Bodenordnungsverfahren durchgeführt, an dessen Ende nach dem Tausch vieler Parzellen der Verein Eigentümer der gesamten für den Flugbetrieb notwendigen Flächen war. Der Flugzeugpark wurde umgestellt, so dass heute nur noch Motorflugzeuge auf der Senheld beheimatet sind, die den erhöhten Lärmschutzanforderungen genügen, und der Verein wurde als besonders umweltfreundlicher Flugsportverein mit dem Blauen Engel ausgezeichnet. Als letzte große Maßnahme wurde vor wenigen Jahren die alte, unansehnliche Flugleitung abgerissen und durch ein architektonisch ansprechendes Gebäude ersetzt.
Heute blickt der Verein positiv in die Zukunft. Die Flieger leben in freundschaftlicher Nachbarschaft mit den angrenzenden Gemeinden und versuchen, die vom Fliegen ausgehenden Geräusche so gering wie möglich zu halten. Auf der Senheld sind jetzt zwei viersitzige Motorflugzeuge, zwei Ultraleichtflugzeuge, mit denen die Segelflugzeuge in die Luft gebracht werden, ein Motorsegler und vier vereinseigene Segelflugzeuge stationiert.

Landrat Heinz Onnertz mit Ministerpräsident Kurt Beck
Weiter gibt es noch 8 Segler, die im Privateigentum von Vereinsmitgliedern stehen und auf der Senheld geflogen werden. Der Verein hat rund 40 aktive Mitglieder, darunter acht Jugendliche. Die Flugschüler werden - wie vor 50 Jahren-immer noch von ehrenamtlich tätigen Fluglehrern unterrichtet, und immer noch lebt der Verein von den vielen unentgeltlichen Arbeitsstunden seiner Mitglieder. Im Segelflugverein Vulkanei-fel kann man die Lizenzen für das Segelfliegen, das Fliegen mit dem Motorsegler und dem Motorflugzeug sowie mit dem UL, dem Ultraleichtflugzeug, erwerben.
Mit all den genannten Geräten kann man auch als Gast mitfliegen. Die freundlichen Flieger von der Senheld freuen sich über jeden Besucher, mit dem sie die Freude am Fliegen teilen können; sei es in der Luft oder auch nur am Boden, wenn jemand die Faszination Fliegen nur als Zuschauer erleben will.
Der kleine Flugplatz zwischen den Maaren hat sich zum festen Bestandteil des touristischen Angebots der Vul-kaneifel entwickelt und ist, Gott sei Dank, von der Sen-held nicht mehr wegzudenken.