Was Opa uns erzählte

Kathrin Pinn, Gerolstein-Roth

Früher zu unserer Schulzeit war alles so einfach. Alle Kinder gingen zu Fuß zur Dorfschule. Keiner verpasste den Schulbus. Es gab eine Unterklasse, erstes bis viertes Schuljahr, und eine Oberklasse fünftes bis achtes Schuljahr. Also nur acht Jahre zum Lernen fürs Leben. Davon raubte der Krieg uns auch noch ein bis zwei Jahre des Unterrichts. Oft fanden Luftschutzübungen statt, genau wie im Ernstfall. Dann rannten alle mit den Gasmasken in den Keller. Das fanden wir als Kinder dann auch noch sehr lustig. Doch der Übungsleiter verzweifelte dann schier und mahnte mit erhobenem Finger in Mundart: „Kanner jät öch, ihr wast jo net, wie ächt dat et ass!" Danach fiel durch den totalen Zusammenbruch der Unterricht für ein Jahr ganz aus. Trotzdem holten wir Dank unseres sehr tüchtigen Dorfschullehrers vieles schnell nach.

Der Schulranzen war damals aus Leder vom Schuster gemacht oder gehamstert. Seine Stabilität reichte mindestens für acht Jahre. Viele hatten nur eine Tasche aus Stoff. Darin waren eine Schiefertafel mit Griffel, ein Lesebuch und ein Rechenbuch aus zweiter Hand sowie Bibel und Katechismus.

Mit der Kleidung war es viel einfacher als heute. Es gab nichts zu kaufen, darum wurde die meiste Kleidung selbst genäht, gestrickt oder gehamstert durch Warentausch. Die älteren Geschwister bekamen es meistens neu, die jüngeren trugen altes auf. Die einzigen Kleidungsmarken waren der Matrosenanzug aus Bleyle sowie das Bleyle-Kleidchen. Höchstens noch ein Lodenmäntelchen und basta. Schuhe waren vom Dorfschuster aus Leder gemacht, mit dickem Nagelbeschlag, damit die Sohle länger hielt. Größere Kinder liefen oft in alten Schuhen herum, die amerikanische Soldaten zurückgelassen hatten. Jüngere Kinder hatten Stoffschuhe und selbstgebastelte Sandalen oder trugen die ihrer großen Geschwister auf. Pausenbrote waren sehr unterschiedlich. Bauernkinder hatten zur Winterzeit, wenn geschlachtet worden war, meist noch selbst gemachte Wurst auf dem Brot. Im Sommer Butter unter dem Zucker. Jedoch viele Kinder konnten sich oft nur dünn gekratzte Marmelade oder Sirup leisten.

Die Ferien richteten sich nach den Arbeiten im Jahresablauf der Landwirtschaft, nach Heu-und Kartoffelernte sowie nach den Festtagen zu Ostern und zu Weihnachten. Trotzdem hatte man viel Spaß. Allein die lustigen Ausreden beim Zuspätkommen: „Meine Mutter hat mir noch ein Ei gebacken!" - „Ech moht noch es heem, weil ech hat noch jet Steeches on dor Botz!" - Da hatte seine Mutter wohl die Stopfnadel beim Flicken in der Hose vergessen.

Beim Unterricht weinte plötzlich einer laut: „Herr Lehrer, der Heinz fährt Auto an meinem Rücken!" Daraus machte unser Lehrer eine Spaßnummer. Er nahm Heinz mit seinem Stuhl und hoppelte mit ihm dreimal durch alle Gänge rauf und runter. Dabei rief er: „Heinz, gib Gas. Brömm, brömm, brömm." Alle Kinder lachten zur Gaudi der pädagogischen Lösung, und Heinz wollte danach nie wieder Auto in der Schule fahren!

Für unser Leben lernten wir sehr viel, so dass jeder seinen Beruf meisterte.

Heute hat sich vieles geändert. Es gibt nicht mehr in jedem Dorf eine Schule, sondern nur noch in den umliegenden Städten. Jeder muss sich eilen, den Bus oder Zug zur Schule zu bekommen.

Eine Ledertasche hat man auch nicht mehr, sondern alle paar Jahre kriegt man einen neuen Schulranzen, weil der alte nicht mehr „in" oder schon kaputt ist.

Mit der Kleidung ist es auch anders als früher. Man fährt mindestens einmal im Monat in größere Städte um in Geschäften oder Jeansläden zu shoppen. - Es hat sich aber nicht nur die Kleiderordnung, sondern auch die Verpflegung geändert: Manche nehmen sich zwar noch Brote mit zur Schule, aber viele kaufen sich nur noch Pizza oder Schokobrötchen, die fast an jeder Schule erhältlich sind.

Die Ferien verlaufen auch nicht ganz wie damals. Man verbringt sie im Sommer nicht mehr bei Feldarbeit, sondern eher damit, einfach auszuschlafen. Außerdem unternimmt man vieles mit Freunden, geht ins Schwimmbad oder liegt faul in der Sonne. Hauptsache, man muss keine Hausaufgaben machen oder für Arbeiten lernen. Sind die Ferien jedoch vorbei, fängt man wieder an, jeden Tag zu büffeln, denn man will ja ein gutes Zeugnis bekommen!