Wir erzählen uns Geschichten aus der Weihnachtszeit

Anneliese Niessen, Aachen

In der Vulkaneifel, wo ich meine Kindheit und Jugendzeit verbrachte, waren die Winter lang und kalt. Um Weihnachten lag immer meterhoher Schnee, so dass wir oft mehrere Wochen nicht aus dem Dorf heraus kamen. Manchmal war es sogar unmöglich mit dem Pferdeschlitten bis in den nahegelegenen Wald zu kommen, um Nachschub an Holz zum Heizen zu holen. Kohlen kannten wir damals auf dem Land noch nicht. Doch gerade im Winter, bei Abgeschlossenheit und Kälte mussten wir umso näher zusammenrücken und es spielte sich sehr viel in der Dorfgemeinschaft ab. Die Frauen setzten sich zum Stricken zusammen, die Männer spielten Karten und die Jugend sang und musizierte miteinander. Auch wurden im Winter Familien- und Theaterabende veranstaltet. Selbst die Kleinsten wurden, wenn es eben ging, mit in das Geschehen einbezogen und sei es nur mit einem Gedicht. Nur in der Schule wurde Hochdeutsch gesprochen, und so konnten die Kleinen reden wie ihnen der Schnabel gewachsen war. Eines dieser Weihnachtsgedichte wird fast immer, wenn bei uns Familientreff ist, aus der Erinnerung hervorgeholt. Eine meiner Schwestern kann es heute noch mit genauso großer Inbrunst wie damals aufsagen. Die alten Menschen aus unserem Seniorentreff wissen von der Bedeutung dieser alten Gedichte. Hier nun die ersten Verse des besagte Gedichtes von Peter Zirbes: Off Chresdachmorjen wor et kalt un kneppel-hart jefror. Do kräht dä Honn en aller Freh, dä Heiland äß jeborn.