Die Schätze der Gebrüder Rau in Schalkenmehren

Bernd Schlimpen, Schalkenmehren

Die Brüder Peter und Friedhelm Rau aus Schalkenmehren bewohnen zwei alte Fachwerkhäuser in Schalkenmehren auf dem „Überenn". Diese Häuser haben sie außen und innen total renoviert und in den Wohnräumen ausgestattet wie „anno dazumal". Besonders stolz sind sie auf die offene Feuerstelle in einem der Häuser und das „Drumherum", die vielen gusseisernen Utensilien, die vom einstigen Lebens- und Familienalltag in der Eifel erzählen.

Das „Millichhaus" in der Udlerstraße 2, anno 1550, haben sie 1989 erstanden und das „Röhl-Gebäude", das nach 1700 erbaut wurde, haben sie 2005 gekauft. „Unsere Häuser sind nicht tot, sie leben trotz ihres Alters weiter, weil sie ständig bewohnt werden und sich hier antike Gegenstände befinden, die noch dauernd gebraucht werden. Unsere Häuser sind vielleicht seltene Beispiele. Sie sind ursprünglich aufgebaut, ausgestattet und stehen noch am ursprünglichen Platz. Ähnliches gibt

Peter Rau ist stolz auf die Feuerstelle mit wertvollen Originalutensilien im „Röhl-Haus".

Ein besonderes Stück gehört zur „Rau-Küchen-sammlung", ein antiker „Einkaufsmerker". Fotos: Bernd Schlimpen

es wahrscheinlich nur noch in Freilichtmuseen wie in Kommern, wo Fachwerkhäuser aus verschiedenen Orten wieder zu einem Dorf aufgebaut wurden", sagt Peter Rau, der uns auch die offene Feuerstelle mit ihrer Umgebung im „Röhl-Haus" erklärt. „Diese Feuerstelle war immer aktiv, musste dauernd brennen, weil es ja noch keine Streichhölzer gab und wurde nachts mit einer Eisenplatte abgedeckt, damit die Katzen oder Hühner die Kohlen nicht herausscheren konnten", meint Peter Rau. Als er die Gerätschaften erklärt, spricht er fast wie ein Museumsführer, und jedes Museum wäre sicherlich stolz, die wertvollen eisernen Wasserkessel, verschiedenen Pfannen, Schöpfkellen, Kaffeeröster für Gerstenkaffee, Sauerkrauttöpfe für „weiße Kappes", allesamt „anno 1800", zu besitzen. Sie hängen an lan-

gen Feuerhaken oder Feuersägen mit mehreren Zähnen, damit mit der Topfhöhe mit der Hängevorrichtung über der Flamme auch die Garzeit bestimmt werden konnte. Peter Rau weiß: „Von diesen Gerätschaften kommt auch der bekannte Ausdruck: „Einen Zahn zulegen". Zum Repertoire gehören auch eiserne, runde und größere Waffeleisen mit eigenem kleinen Herd, die von Nachbarin Heidi Diewald noch benutzt werden, denn an den Schalkenmehrener großen Dorf- und Gästefesten oder bei Bekanntentreffs backt sie noch Brot, Pizzas mit der Fladenpfanne oder bunten Kuchen, für den natürlich auch alle alten Formen vorhanden sind. Beim letzten Dorffest hat Frau Diewald 150 herzhafte Waffeln verkauft, viel Arbeit, wenn man bedenkt, dass der Herd im alten Waffeleisen dauernd mit Holzscheiden nachgefeuert werden musste. Die historischen Gegenstände haben die Raus auf Flohmärkten, Auktionen oder aus Privathänden gesammelt, und bei den Dorffesten erhalten sie auch immer besonderen Besuch. 2006 hatte sich die gesamte ältere Schalkenmehrener Generation in der „Fünfquadratmeter-Jodstuw" versammelt und betrachtete ältere Bilder, die noch die Eltern der heute 80-jährigen zeigen. „Man hätte hier in dem alten Raum ein Heimatfest feiern können, ein spannender Dorffilm wäre möglich gewesen", lacht Friedhelm Rau, der vorbei an altem Schuhwerk noch in einen anderen Raum führt. Dort gibt es aus dem 19./20. Jahrhundert einen praktischen Bohnensetzer, Bohnenschnippelmaschine, Knoblauchhobel, Zwiebelkorb, Reiben, Hackbeile, Menagen für Salz oder Zucker, Käseschneider, Kaffeemühle, Stamper, Fleischklopfer zu sehen und auch das Porzellan für besondere Tage mit Petersilienoder Zwiebelmuster in der massiven, alten Küchenvitrine fehlt nicht. „Wir sind stolz auf unsere umfangreiche Sammlung und glauben, dass kaum noch ein wichtiges Utensil fehlt", sagt Friedhelm Rau. „Die Arbeit um und in den Fachwerkhäusern reißt nie ab", erläutert er mit Blick in die ursprünglich wiederhergestellten Zimmer.

„Oft schauen Hotelgäste vorbei, und auch alle Wanderer und Urlauber, die unsere Sammlung sehen wollen, sind uns herzlich willkommen", schließen Peter und Friedhelm Rau.