Ein Fastnachtslied aus dem Jahre 1948

Werner Schönhofen, Leutesdorf

Fastnacht 1948 - nach einem verlorenen Krieg, mit dem ebenso kalten Hungerwinter wie heißen Sommer 1947, einer wertlosen Reichsmark mit Tauschwirtschaft und einem in Besatzungszonen aufgeteilten Vaterland. Ich kann mich an diese Fastnacht in meinem Heimatort noch gut erinnern. Jungmänner zogen mit einer Ferkelskiste, wie sie die Bauern zum Transport der Ferkel zum Markt benutzten, in denen einer auf Stroh gebettet war, durch das Dorf. Dabei sangen sie einen Schlager, der nicht nur ihren Aufzug begründen sollte, sondern der auch der politischen Situation und der Sehnsucht vieler Menschen

entsprach. Die britische und amerikanische Besatzungszone bildeten das Vereinigte Wirtschaftsgebiet - die Bizone, an deren Spitze meines Wissens zeitweise Ludwig Erhard als deutscher Direktor stand. Die Hoffnung der Menschen in der französischen Besatzungszone war auf den Anschluss an dieses Gebilde und damit auf eine Verbesserung der Wirtschaftslage gerichtet. So hatte das ersehnte Gebilde im Volksmund auch bald den Namen „Trizonesien". Ein von dem Kölner Karl Berbuer komponierter Schlager, dessen Refrain mir besonders gut in Erinnerung geblieben ist, gab die politische Situation treffend wieder:

„Mein lieber Freund, mein lieber Freund,
die alten Zeiten sind vorbei.
Ob man da lacht, ob man da wein,
die Welt geht weiter - eins, zwei, drei.
Ein kleines Häuflein Diplomaten
macht heut' Politik.
Sie schaffen Zonen, ändern Staaten.
Und was ist hier mit uns im Augenblick?
Refrain: Wir sind die Eingeborenen von Trizonesien.
Heidi-tschimmela-tschimmela-tschimmela-teschimmelabumm!
Wir haben Mägdelein mit feurig wildem Wesien.
Wir sind zwar keine Menschenfresser.
Doch wir küssen umso besser.
Wir sind die Eingeborenen von Trizonesien.
Heidi....."