von Clara Zins-Grohe, Gerolstein
Früher gab es noch keine professionellen Hochzeitsplaner, keine Fernsehsendungen „Zwischen Tüll und Tränen" oder „Vier Hochzeiten und eine Traumreise". Die meisten Hochzeiten in der entbehrungsreichen Nachkriegszeit fanden in bescheidenem Rahmen statt.
Wenn dann zwei Kinder aus einer Metzgerei in einer Doppelhochzeit vermählt wurden (Hein & Marlene und Katharina & Rudi) war dies schon ein außergewöhnlich festliches Ereignis für den ganzen Ort.
Überschattet von den Gedanken an den sich noch in Kriegsgefangenschaft in Russland befindlichen Bruder, bemühte man sich dennoch, die Vermählung „zum schönsten Fest des Lebens" der Paare zu gestalten.
Fast so wichtig wie die Ausstattung der Bräute war das Festessen. Der Auftakt bestand aus einer Hillesheimer Hochzeitssuppe, der ganz besonders viel Aufmerksamkeit gewidmet wurde. So wurde es mir von „Tante Ina" überliefert:
Fettes Rindersuppenfleisch, Knochen mit Mark wurden mit kaltem Wasser in einem riesigen Topf auf dem holzbefeuerten Herd aufgesetzt. Später gab man noch Rinderbruststücke in die kochende Brühe, um auch saftiges Fleisch zum Aufschneiden zu erhalten. Sobald das Wasser kochte, schob man den Topf an die Seite des Herdfeuers. So erreichte man ein leises Sieden der Suppe. Verdampftes Wasser wurde mit kochendem Wasser aus einem Flötenkessel ersetzt. Salz kam erst nach einer Stunde Kochzeit hinzu. Nach gut zwei Stunden war das Fleisch gar.
Die Brühe wurde durch ein Haarsieb gegeben („geklärt") und noch mal zum Kochen aufgesetzt. Jetzt kamen das klein geschnittene Suppengemüse (Lauch, Sellerie, Möhren, Petersilienwurzeln - alles aus dem eigenen Garten) hinzu. Mit einer feinen Reibe wurde ein Hauch Muskatnuss hinzugefügt.
Nun wurde die goldgelbe Suppe außer mit der in Würfel geschnittenen Rindfleischeinlage noch weiter veredelt. Für den Eierstich wurden Eier, Milch, Salz und Muskatnuss verrührt (aber nicht geschlagen, um eine Lochbildung im Eierstich zu verhüten). Die Masse wurde in ein gebuttertes Gefäß gefüllt und zugedeckt im Wasserbad zwanzig Minuten stocken gelassen. Mit einem Teelöffel wurden nach dem Erkalten die Eierstichstücke abgestochen.
Die Herstellung der Markklößchen war etwas aufwendiger. Aus den Markknochen löste man vorsichtig das Mark und ließ es vorsichtig in einer gusseisernen Pfanne aus. Das Fett wurde durchgesiebt und schaumig gerührt. Nach dem Abkühlen wurden nacheinander Ei, Salz und Muskatnuss hinzu gegeben. Dann kam aus harten Brötchen hergestellte Semmelbrösel zu der Masse — gerade so viel, dass sie nicht mehr klebte. Nachdem der Teig eine halbe Stunde geruht hatte, konnte man Klößchen daraus formen, die gut fünf Minuten in der Suppe durchzogen. Kurz vor dem Servieren wurden fein gewiegte Petersilie und Schnittlauch - heute würde man sagen als „eye catcher" - aufgestreut. Sie dürfen auf keinen Fall mitkochen. Dazu gab es aufgeschnittenes, extra zu diesem Anlass gebackenes Weißbrot.
In großen Suppenterrinen ging es dann zur mit weißen, gestärkten Tischtüchern festlich eingedeckten Tafel, zur Freude der Verwandtschaft. Und es war üblich, die restliche Suppe unter der Nachbarschaft aufzuteilen.