Mikroplastik: Die unsichtbare Gefahr

Ein Plädoyer für runderneuerte Reifen und langfristig benutzbares Spielzeug

von Jürgen Berg, Berndorf

Vor etwa zwei Jahren habe ich bei einem Vortrag der Meeresbiologin Scharfbillig über die Problematik der Verschmutzung der Weltmeere durch Plastik erfahren. Hierbei wurde nicht nur von riesengroßen Plastikmüll-Inseln im Meer berichtet, sondern von der stark ansteigenden Konzentration des Meerwassers mit Mikro-Plastik.

Was ist Mikro-Plastik? Das sind winzige, nicht sichtbare kleinste Kunststoffzusätze in zahlreichen Textilprodukten und diversen chemisch hergestellten Haushaltsprodukten, wie beispielsweise Nagellacke und Cremes. Die Teilchen sind für die herkömmlichen Schmutzwasserfilter zu klein, als dass sie leicht abgesondert werden können. So wandern sie ungefiltert über die Flüsse ins Meer, schädigen dort die Natur nachhaltig, da sie in die Nahrungskette aufgenommen werden und nachweislich zu Krebskrankheiten bei Meerestieren und hierdurch auch bei Menschen führen. Muscheln nehmen besonders diese Verunreinigungen auf, werden aber auch gerne von Menschen gegessen.

Was können wir tun? Vor hundert Jahren gab es kein Plastik, Spielzeug war aus Holz, die Küchen sahen ganz anders aus. Waschmaschinen, Wäschetrockner, Spülmaschinen haben seit Jahren Einzug in die meisten Haushalte gehalten. Es gibt Möglichkeiten, in diese Geräte Mikroplastik-Filter einzubauen. Doch die Herstellerfirmen interessieren sich nicht dafür. Die Geräte würden natürlich verteuert, was nicht im Verbraucherinteresse sei. Kurzsichtiges Verhalten! Nur gesetzliche Vorgaben könnten da etwas ändern.

Latex wird durch Kautschuk gewonnen. Inzwischen wurden in Asien immer mehr Urwalder gerodet, um Kautschuk zu pflanzen. Monokulturen gegen hochwertige biologische Umwelten. Versuchen Sie aber einmal, runderneuerte Autoreifen von Ihrem Autohändler zu beziehen. Jedes Jahr werden Millionen Autoreifen entsorgt und das Material in Entwicklungsländern verbrannt. Unglaubliche Verschwendung wertvoller Ressourcen! Runderneute Reifen sind inzwischen so sicher wie neue Reifen. Aber die Verbraucher wollen angeblich das beste, sicherste Material. Offensichtlich wollen aber die Autohersteller den Reifenherstellern nicht die Aufträge entziehen. Als Verbraucher haben wir aber keine Wahl beim Kauf eines Neuwagens.

Zugegeben - auf Plastikspielzeug wie zum Beispiel Legosteine möchte ich nicht verzichten. Eine tolle Erfindung, die doch große Vorteile gegenüber Holzspielzeug hat. Doch auch da muss man deutlich unterscheiden zwischen langfristig benutzbaren Spielzeugen und Wegwerf-Spielzeug, die schnell in den Müll wandern. Kreativität fördernde Plastikspielzeuge sollten auch über Generationen hinweg verwendet werden können.

Und noch ein Punkt zum Nachdenken: Gelbe Säcke sind für die Sammlung von Verpackungsmüll zwar eine gute Sache für die Verbraucher. Aber wussten Sie, dass nur zehn bis 15 Prozent des Inhaltes des gelben Sacks wiederverwendet werden? Diese Zahl hat mich schockiert, als die Wissenschaftlerin sie präsentierte. Selbst wenn ich von 20 bis 30 Prozent ausgehen würde, so ist die Unmenge, die noch verbrannt oder in irgendwelchen Entwicklungsländern entsorgt wird, unfassbar viel. Was machen wir bloß mit unserer Umwelt?

So, wie wir die unsichtbare Gefahr der Corona-Viren irgendwie schlecht in Griff bekommen, da der Feind unsichtbar ist, so ist es mit dem Plastik-Problem: Wir sehen es nicht und ignorieren es so zu oft. ■