von Jessica Thewes, Kirchweiler
Als ich das Schwerpunktthema „Von Oma und Opa lernen..." sah, musste ich gleich an viele Sachen denken. Mir kamen Bilder in den Kopf, wie ich als Kind bei meinen Großeltern im Stall geholfen habe, die Kühe zu füttern, wie wir im Garten Gemüse und Obst gepflückt und Kartoffeln auf dem Feld geerntet haben. Mein Highlight als Kind war, mit Oma Butter zu machen. Ich kann mich noch so genau daran erinnern, als wäre es gestern gewesen. Dabei sind es inzwischen schon über 20 Jahre her.
„Zuerst wurde der Milchrahm in das Fass geschüttet. Dann durfte ich mich auf das Butterfass setzen, damit es nicht wegrutschte. Oma konnte nun mit viel Schwung die Kurbel drehen. Man hörte, wie aus dem Plätschern irgendwann ein dumpfes Geräusch wurde. Und bei jedem Öffnen des Deckels konnte man sehen, wie der Rahm immer mehr wie Butter aussah. Am Ende wurde die fertige Butter aus dem Fass gekratzt, in einem Handtuch ausgedrückt und auf einen Teller gelegt. Als Kind fand ich es super interessant und spannend zu sehen, wie aus der flüssigen Milch Butter wurde. Und es war immer lustig, auf dem Fass zu sitzen. Später durfte ich selbst die Kurbel drehen."
Heutzutage nehmen wir vieles als selbstverständlich hin. Man kauft die Butter im Geschäft, viele Menschen wissen gar nicht, wo sie herkommt. Aber nicht nur das. Mal schnell eine Pizza warm gemacht oder sich was zu Essen bestellt - das gab es früher nicht. Unsere Großeltern sind in einer Zeit aufgewachsen, in der es fast kein Plastik gab. Da wurde mit Körben eingekauft, das Essen frisch gekocht und mit Haushaltsmitteln wie Essig, Salz oder Zitronensäure geputzt. Lebensmittel wurden nicht weggeworfen, sondern restlos verwertet oder haltbar gemacht. Gartenbeeren wurden geerntet und zu Marmelade verarbeitet. Dies ist auch eine Erinnerung aus meiner Kindheit, an die ich gerne zurückdenke.
„Mama und ich machten uns zum Johannisbeerpflücken mit einem Sieb oder kleinen Eimerchen auf den Weg in den Garten. Dieser lag direkt hinterm Haus, also hatten wir es nicht weit. Nach der Ernte wurden die Beeren gewaschen, von Blättern und Stängeln entfernt und gewogen, damit wir wussten, wie viel Gelierzucker hinzukommt. Die Beeren wurden in einem Topf aufgekocht, dann fügten wir den Zucker hinzu. Die Masse musste unter Rühren jetzt noch mal aufkochen.
Währenddessen sterilisierte meine Mama die Gläser mit kochendem Wasser, und die heiße Johannisbeermarmelade wurde hineingefüllt. So hatten wir sehr leckere Marmelade auf Vorrat und mussten keine kaufen."
Daran sehen wir, dass es ganz einfach sein kann, unser Konsumverhalten positiv zu gestalten. Indem wir Beerensträucher im Garten pflanzen oder einen Nutzgarten oder ein Hochbeet anlegen, bauen wir selbst Lebensmittel an, sparen das Verpackungsmaterial und können regional und saisonal essen. So wie es früher bei Oma und Opa immer üblich war.
Besonders im Herbst gibt es bei uns oft Kar-toffelgratin. Nicht nur, weil es das Lieblingsgericht meines Verlobten ist, sondern weil wir unsere eigenen Kartoffeln ernten. Bei der Kartoffelernte mit drei Generationen kommt es mir vor, als wäre ich aus der stressigen Zeit rausgenommen und auf der Erntemaschine abgesetzt worden. Für mich ein besonders schönes Erlebnis zusammen mit der Familie! verhalten war wie selbstverständlich bewusst und nachhaltig. So war es auch bei der Kleidung. Die Frauen verstanden ihr Handwerk und wussten, wie man Kleidung herstellt und ausbessert. Meine Oma strickt heute noch gerne Socken, und nicht nur mein Verlobter freut sich darüber. Und haben sie mal Löcher, werden sie nicht weggeworfen, sondern gestopft. Vielleicht sollten wir alle im Alltag mehr daran denken, kaputte Sachen nicht einfach wegzuschmeißen, sondern diese reparieren oder flicken zu lassen anstatt neu zu kaufen.
Unsere Omas und Opas haben damals bestimmt nicht an Nachhaltigkeit gedacht, waren auch nicht Mitglied bei Greenpeace oder gingen bei Klima-Demos mit. Und dennoch haben sie nachhaltiger gelebt als die meisten Menschen heutzutage. Weil sie die Zeiten des Mangels erlebt und Dinge mehr wertgeschätzt haben.