von Anita Becker, Daun
Heute liegt nachhaltiger Konsum wieder im Trend. Von meinen Eltern und Großeltern kenne ich noch viele Wege zu ökologischem Verhalten. Inzwischen bin ich selbst Oma und wundere mich manchmal, wie meine Vorfahren ohne dauernde Hinweise in Zeitungen und Zeitschriften doch ihre Umwelt geschont haben. So gab es keinen Kühlschrank und erst recht keine Tiefkühltruhe; Wasch- und Spülmaschine hatte auch kein Haushalt. Man hat „eingemacht". Alles wurde im eigenen Garten geerntet. Dort gab es Obstbäume und Beerenhecken, Kartoffeln, Gemüse, Futter für Kaninchen. Was nicht frisch auf den Tisch kam, wurde eingekocht oder mit Salz haltbar gemacht (gepökelt). Selbstgemachte Marmelade, Sauerkraut, Soleier, Äpfel und Kartoffeln lagerten im Keller. Schweine und andere Haustiere wurden mit Essensresten gefüttert. Bei Oma gab es als Reste-Essen zum Beispiel „Arme Ritter" (in Milch eingeweichtes Altbrot). Toaster gab es damals nicht. Heute wird altes Brot getoastet und schmeckt dann immer noch gut. Es gibt also keinen Grund, altbackenes Brot zu entsorgen.
Fast jedes Restaurant gibt jetzt auf Nachfrage Essensreste mit nach Hause. Das erspart dem Restaurant hohe Entsorgungskosten. Neuerdings sind die Verpackungen auch nicht mehr aus Plastik, oder man nimmt selbst ein Töpfchen mit, wenn man weiß, dass man die normale Portion zu groß findet. Viele bieten auch Seniorenportionen an.
Diese sind etwas kleiner als die normalen Portionen und auch etwas preiswerter. Früher entstand Kinderkleidung oft aus Altkleidung, Mäntel aus Viehdecken. Schürzen wurden von Kindern über der Kleidung getragen. Aber auch die Hausfrauen hatten bei der Küchenarbeit immer eine Kittelschürze an. Werktags hatte man seine Kleidung eine ganze Woche an, nur sonntags gab es Festkleidung. Die Garderobe wurde selbst genäht, gehäkelt oder gestrickt. In der Schule standen Handarbeit und Kochen auf dem Stundenplan. Wir lernten noch Bett- und Tischwäsche zu reparieren, Stücke einzusetzen. Teilweise wurden solche Arbeiten von Hand mit einer Nähnadel durchgeführt. Nähmaschinen hatten Fußpedale, sie gab es jedoch bei weitem nicht in jedem Haushalt. Auch heute nähen wieder Mütter die Kleidung für ihre Kleinkinder selbst, jedoch mit einer elektrischen Nähmaschine. Und die lieben Kleinen: nix Pampers! Nur frische, handgewaschene Windeln wurden genutzt. Teilweise wurden sie noch gekocht, damit sie hygienisch waren. Ob das nachhaltiger war als Pampers wage ich zu bezweifeln. Es war aber ganz sicher preiswerter und abfallfreundlicher.
Baden am Samstag fand in einer großen Waschbütte statt. Diese stand bei uns in der Waschküche. Dort konnte man warmes Wasser mit Holz und Kohle in einem großen Kessel zubereiten. Heute duscht man kurz, um Wasser zu sparen. Apropos Wasserverbrauch: Bei mir wird jeder Tropfen Wasser mindestens zweimal genutzt. Wird eine Tasse oder ein anderer Behälter mit Wasser ausgespült, wird es in einer Gießkanne für Blumen und Pflanzen gesammelt. Im Winter kann mit einem Teil davon an der Toilettenspülung gespart werden.
Zähne kann man auch mit kaltem Wasser putzen. Während des Putzens muss kein Wasser laufen. Erst anschließend wird der Wasserstrahl höher eingestellt. Auch beim häufigen Händewaschen kann der Wasserstrahl abgestellt werden, während die Hände eingeseift werden, erst zum Abspülen wird der Wasserstrahl dann wieder höher gestellt. Teppiche wurden vom Staub befreit, indem man sie „klopfte". Dafür wurden sie draußen über eine Teppichstange gehängt und von beiden Seiten ausgeklopft. Staubsauger kannte man noch nicht. Zum Wäschetrocknen gab es Wäscheleinen im Garten. Die Wäsche roch angenehm. Auch das Waschbrett war eine gute Sache. Man brauchte allerdings Kraft, die Wäsche sauber zu kriegen.
Aus alten Autoreifen entstanden nach dem Krieg Sandalen. Wir waren froh, überhaupt etwas an den Füßen zu haben.
Es gab früher für viele Menschen keine Reisen, keinen Urlaub. Meine Großeltern und meine Eltern sind ihr ganzes Leben lang nicht in Urlaub gefahren. Nie habe ich Klagen darüber gehört. Selbst ich (Jahrgang 1937) war bereits 30 Jahre alt, als ich zum ersten Mal in Urlaub fuhr mit Übernachtung im Zelt oder im Hotel. Wie groß ist doch jetzt das Klagen über den Corona-Lockdown! Wie soll man ohne Urlaub leben können ... Meine Großeltern haben zwei Weltkriege mitgemacht. Von 1918 bis 1920 gab es die Spanische Grippe, die ähnlich wie Corona viele Menschen dahinraffte. Zum Glück haben wir in Europa seit mehr als 75 Jahren Frieden. Nie wieder soll es Krieg geben! Oma wusste gegen Flecken gute Rezepte, die nichts extra kosteten, da die kleinen Helfer sowieso im Haushalt waren: Wasser, Essig, Milch. Auch gegen Krankheiten gab es Hausrezepte. Weißdorn fürs Herz, Tee für die Gesundheit, Kathreiner Malzkaffee. Frauen haben damals selten geraucht, heute rauchen junge Frauen häufiger als junge Männer. Inzwischen ist das aber auch nicht mehr „cool". Ein Trend zum gesünderen Leben ist zu bemerken. Man wird auch in der Schule besser aufgeklärt über die Krankheiten, die durch Rauchen oder Drogen entstehen. Meine Großeltern hatten einen „Tante-Emma-Laden". Dort konnte man alles lose kaufen: Zucker, Mehl, Salz, Kaffee, Bonbons, Milch. Das war sicher nachhaltiger, weil man genau die Menge kaufen konnte, die man für ein bestimmtes Rezept benötigte. Oft wurden Schüsseln und Gläser oder Milchkannen mitgebracht. So gab es keinen Verpackungsmüll. Auch heute geht man wieder dazu über, möglichst wenig Verpackung nach Hause zu tragen. Man kann diese gleich im Geschäft lassen. Eier kann man auch lose kaufen und die eigene Verpackung mitbringen. Es wird daran gearbeitet, wieder nachhaltiger zu agieren. Nicht alles war früher besser oder umweltfreundlicher, aber das Gute aus der Zeit können wir auch heute noch nachmachen. Es lohnt sich bestimmt und spart außer Energie auch Geld.