Weihnachten jinn ma un de jood Stuff

von Harald Billen, Niederstadtfeld

Als ich über das Schwerpunkthema dieser Ausgabe nachdachte, kam mir ein altes Wort in den Sinn. Ein Wort, das man im Eifeler Platt früher sehr viel und heute eher nur noch selten hört: „Estamieren"

Das Wort bedeutet so viel wie „aufpassen auf etwas" oder „Sachen schätzen". Vor allem meine Mutter hat dieses Wort oft benutzt, zum Beispiel wenn ich mal wieder eine „gute" Hose dreckig gemacht oder auch ein Schulbuch nicht pfleglich behandelt hatte. Auch die Überschrift meines Artikels steht sinnbildlich für den Charakterzug des Estamierens. Tatsächlich war es so, dass wir uns fast nur an Weihnachten in unserem „guten Wohnzimmer" aufgehalten und den Rest des Jahres in der Wohnküche gegessen, gewohnt und gelebt haben. Das Wohnzimmer war „für gut". Aus meiner heutigen Sicht ist das sicherlich übertrieben gewesen, und ich bin weit davon entfernt, es auch so zu handhaben. Viel zu gerne liege ich abends auf unserer guten Couch. Nichtsdestotrotz schadet es nicht, sich einen Funken der alten Gedanken zu erhalten und manche Sachen vielleicht doch in Schuss und in Ehren zu halten. Vieles von dem, was früher von unseren Eltern geschont wurde, ist später vorschnell entsorgt worden. Heute gehen wir es, teils für viel Geld, wieder kaufen. Plattenspieler, die schönen alten Radios, die in Schränke eingearbeitet waren, oder auch die alten Nähmaschinen. Auch sehr gut in Erinnerung ist das gute Geschirr, welches auch nur an hohen Feiertagen auf den Tisch kam, zum Beispiel an der Kirmes, wenn die Verwandten zu Besuch kamen. Dann waren die Sammeltassen meiner Mutter auf dem Tisch. Diese hat sie sich über viele Jahre, immer mal wieder eine, in Daun bei den Schwestern Schneider („Schnäidesch Mädcher" im Volksmund) gekauft. Da war sie stolz drauf! Heute, fast dreißig Jahre später, stehen sie bei uns gut sichtbar im Wohnzimmer im Schrank. Schöne Erinnerungen an früher und an meine Eltern und gut „estamiert".



Als ich neulich einer Bekannten älteren Jahrgangs erzählte, dass wir auf der Arbeit und der Baustelle eine gute Truppe zusammen hätten, sagte sie: „Dann do dir die Jungen jood estameeren!"

Was noch in Erinnerung geblieben ist, ist der Umgang mit Lebensmitteln. Es wurde früher sehr auf den effektiven Einsatz von Lebensmitteln geachtet, mehr verwertet und viel weniger weggeworfen.

Ich habe abends oft die „Hossenschmerr", die übrigen Brote aus der Arbeitstasche meines Vaters, gegessen. Manchmal hat man sogar drauf gewartet. Heute verstehe ich nicht mehr so ganz, warum mir die damals so gut geschmeckt haben. Ich muss zugeben, dass ich die Brote, die ich heute wieder mit nach Hause bringe, nicht mehr esse. Auch den Satz: „Da waren die Augen wieder größer als der Hunger", habe ich als Kind des Öfteren zu hören bekommen, wenn ich mir mal wieder zu viel auf den Teller geschaufelt hatte. „Die orm Kunna wären fruh, wenn se jet ze Äßen hätten," sagte meine Mutter dann immer. Auch durfte das Tischgebet vor dem Essen nicht fehlen: „Komm, Herr Jesus, und sei unser Gast und segne, was du uns bescheret hast". Ein Dank dafür, dass das Essen auf dem Tisch stand. Es drückte eine gewisse Zufriedenheit aus, Zufriedenheit mit kleineren, selbstverständlichen Dingen. Das geht ein bisschen verloren in unserer Zeit, in der wir von allem im Überfluss haben, meine ich.