„Jehöchnis"

Geborgenheit und Heimat erlebt bei Oma und Opa

von Maria Agnes Pinn, Steffeln

Über Jahrhunderte lebten ganz selbstverständlich alle Generationen der Familie in einem Haushalt. So entstand zwischen Großeltern und Enkel eine enge Verbundenheit. Oft sehr von Nutzen für beide Seiten. Die Alten erlebten viel Freude und die Kleinen wuchsen mit deren Erfahrung und Wissen wohlbehalten auf.

Seit den 1960er Jahren hat das sich gerändert. Doch Gott sei Dank blieb eine herzliche Verbundenheit zwischen Großeltern und Enkel bestehen. Auch heute ergänzen sich Alt und Jung sehr vorteilhaft. Da paart sich Lebenserfahrung mit den allerneuesten Computer-Tricks.

Mit zwölf gesunden Enkelkindern wurden wir reich beschenkt. In den Sommerferien hatten wir oft acht Kinder zugleich in den Ferien bei uns. Mit Opa die kleine BioNebenerwerbslandwirtschaft zu erleben war für alle ganz toll. Sie lernten viel und die Älteren halfen richtig mit und fühlten sich in ihrem Können bestätigt. Säen und ernten in Feld und Garten. Heu und Getreide einbringen. Das Größte jedoch war das Melken der Kühe auf der Weide. Freiheit pur für alle! Die Älteren fühlten sich in der Kunst des Melkens bestätigt und die Jüngsten als Cowboys auf den Rücken der Kühe. Zum Schluss musste Opa noch seine Zirkusnummer starten, weil alle riefen: „Opa mach noch mal den Kopfstand!", was ihm damals noch sehr gut gelang.

So erlebten unsere Enkel hautnah wie aus einem Teil der Milch Butter, Käse, Quark Dick- und Buttermilch wurde oder wie in

Opas Imkerei leckerer Honig geschleudert wurde, wie Oma ihr Brot im alten Backofen noch selbst aus Mehl, Wasser und Salz backt, das Obst und Gemüse aus dem Garten immer frisch auf den Tisch kam und für den Winter eingeweckt wurde. Wie schön das Vespern im Feld während der Kartoffelernte war!

Sonntags war stets das besondere Erlebnis mit Opa und Oma angesagt. Ein Ausflug in den Eifelzoo, Erfrischung am Drees oder das Einbinden in Eifeler Brauchtum beim Festzug 2000 in Mückeln. War zur Erntezeit große Hitze, mussten alle mit einer „ Bütt Wasser" statt Schwimmbad Vorlieb nehmen, weil Omas Taxi wegen Zeitmangel nicht zur Verfügung stand.

Da der Altersunterschied so vieler Enkelkinder sehr groß war, stieß das mehrmals an Grenzen und es war somit nicht immer Friede, Freude, Eierkuchen. Dann setzte Opa stets seine Geheimwaffe ein. Humor mit viel Phantasie und Überzeugung. Wenn dann alle gemeinsam lachten, glätteten die Wogen sich sofort und allen schien die Sonne wieder. So übten sich alle miteinander als liebende Gemeinschaft, die bis heute sehr gewachsen ist. Inzwischen freuen wir uns schon über zwei Urenkel und es kommen über 30 Personen zusammen, wenn die Familie sich trifft. Die Erlebnisse, die wir unseren Enkelkindern vor 20 Jahren schenken konnten, machen uns bis heute glücklich. Einige betreiben schon wieder ihre eigene biologische Versorgung in Feld und Garten und alle konnten wichtige Erfahrungen für ihr Leben bei uns machen.

Herzliche Fürsorge — besonders in der Corona Krise — schenkt uns vielfache Liebe zurück. Alle 12 Enkel schicken uns jetzt lustige WhatsApp-Nachrichten mit schönen Fotos von ihren Erlebnissen und von den Urenkeln zur Aufmunterung.

So wollen wir weiter „Jehöchnis", Geborgenheit und Liebe zur Heimat, miteinander pflegen und Gottes Schöpfung erhalten wie unsere Vorfahren es als bodenständige Landwirte taten.