Selbstversorger - früher ganz normal

von Hiltrud Theisen, Hörschhausen

Man kann sagen, dass wir früher auch Selbstversorger waren, denn alles, was wir zum Leben brauchten, produzierten wir selbst in unserer kleinen Landwirtschaft. Meine Mutter versorgte Haus und Hof, mein Vater ging arbeiten und verrichtete abends die Arbeiten auf Feldern und Wiesen. Kartoffeln und Gemüse wie Rotkohl, Wirsing wurde auf dem Feld angebaut, im Garten pflanzte meine Mutter das restliche Gemüse wie Möhren, Erbsen, Salat, rote Bete, Bohnen.

Wir hatten auch Obstbäume wie Äpfel, Pflaumen und Birnen, Himbeer-, Johannisbeersträucher und Erdbeeren. Es wurde Apfelmus und Marmelade gekocht und auch Obst getrocknet - die „Apfelschnitz". Aus Birnen wurde der „Bunnes" gebacken.

Zur Lagerung der Möhren baute mein Vater aus einer alten Waschmaschine die Trommel aus und vergrub sie mit der Öffnung nach oben in die Erde. So konnte man die Möhren leicht einfüllen, sie blieben kühl, länger haltbar und waren vor Mäusen geschützt. Kühe, Rinder und Schweine standen auch im Stall. Diese wurden geschlachtet oder verkauft. Die Kühe lieferten Milch. Ein Teil davon wurde im Haushalt verwendet, der andere ging an die Molkerei, die sie direkt an unserem Haus abholte. Dort konnten wir auch „Gute Butter", Joghurt sowie „Klatschkäs" bestellen. Sie wurden dann an eine Familie im Dorf geliefert und dort von uns abgeholt.

Die restlichen Lebensmittel lieferte uns der „Jesbüsch", der jeden Donnerstag mit seinem Kombi zu uns kam. Dienstags kam der Bäcker aus Gunderath. Bei ihm kaufte meine Mutter Brot und Teilchen. Kuchen kaufte sie selten, denn sie backte selbst leckeren Hefekuchen mit Apfel-, Streusel- oder Puddingbelag.

Geschlachtet wurde bei uns zuhause. Dafür kam der Metzger „Mechelchen", der auch Wurst machte. Man sah dann im Hof die Tierhälften, die zum Abhängen an einer Leiter befestigt waren. Das Fleisch wurde gepökelt und so haltbar gemacht. Später hatten wir eine Gefriertruhe und das Fleisch wurde eingefroren. Zum Räuchern von Schinken hatte sich mein Vater einen Räucherofen gekauft, der mit Wachholderästen beräuchert wurde.

Eine übertriebene Vorratshaltung erfuhren wir bei meiner Tante. Sie war alleinstehend und starb plötzlich und unerwartet. Als wir das Haus räumen mussten, sahen wir den ganzen Vorrat im Keller: 120 volle Einmachgläser und viele Marmeladengläser samt verdorbenen Inhalt mussten wir entsorgen. Meine Tante konnte nicht sehen, wenn etwas weggeschüttet wurde. Sie nahm alles an, was die Nachbarschaft zu viel hatte, so häufte der große Vorrat im Laufe der Jahre auf.

Wenn wir von den Früchten unserer Obstbäume zu viel haben, verschenken wir sie. Den Rest lassen wir für die Tiere liegen. Bei meinen Eltern war alles gut organisiert. Kleider wurden zweimal im Jahr gekauft. Dafür fuhren wir nach Mayen. Man ging nicht in jedes Geschäft "einfach nur bummeln" - nein - nur drei Geschäfte wurden angesteuert: „Kaufhof, Wagner und Steinebach". Wenn wir fertig waren, wurde sofort nach Hause gefahren und nicht noch irgendwo etwas gegessen.

Meine Tante Anna nähte für mich Kleider und Röcke, worüber ich sehr froh war. Eine andere Tante strickte für mich Pullover, aber die Wolle war so kratzig, dass ich sie nur ungern oder fast gar nicht anzog. Zusammen mit meinem Vater koche ich heute noch Marmelade, aber ansonsten betreiben wir keine Vorratshaltung.