Nachhaltiges Konsumverhalten

von Angela Erhardt, Winterspelt

Beim nachhaltigen Konsumverhalten früherer Generationen fallen mir natürlich die Lebensgewohnheiten meiner Großeltern ein. Geboren Ende des 19Jahrhunderts sah ihr Alltag wesentlich bescheidener aus als wir es uns heute noch vorzustellen vermögen.

Fließendes kaltes oder warmes Wasser, Strom, geteerte Straßen, Waschmaschine, Spülmaschine, Wäschetrockner, elektrischer Herd, Heizkörper mit Thermostat in jedem Raum, Badezimmer mit Badewanne und Toilette, ein Auto in der Garage. Davon konnten diese Menschen nur träumen. Entsprechend sparsam ging man mit den Ressourcen um. Wenn Wasser am Brunnen geholt werden musste, mühsam auf dem Holzherd erhitzt wurde zum Baden beispielsweise, überlegte man sich jeden Verbrauch viel mehr, als wenn das Wasser wie bei uns beliebig oft im Wasserkran zur Verfügung steht. Gedankenloses Laufenlassen des kostbaren Trinkwassers, unvorstellbar!

Mit zunehmendem Fortschritt erhielt jeder Raum eine Steckdose, es wurden einfachste Badezimmer in Anbauten erstellt, Badeöfen installiert, die entsprechend befeuert werden mussten, wollte man heißes Badewasser haben. Die wunderbare Erfindung von Spind und kühlem Keller wurde durch Kühlschränke perfektioniert. Die Lebenseinstellung meiner Großeltern blieb aber weiter sehr maßvoll und bescheiden. Ich sehe noch die ersten kostbaren Plastikbeutel gewaschen und mit Wäscheklammern befestigt auf der Leine flattern. Kleidung hatte ihren Preis und ihren Wert und wurde dankbar in der Familie weitergegeben.

Der eigene Gemüsegarten diente als Grundlage der täglichen Versorgung. Möhren, Kräuter, Kohlsorten, Sellerie, Porree, Zwiebeln, Salat, Rote Bete, Bohnen, Rhabarber, Erdbeeren, Johannisbeeren, Äpfel und Birnen wurden, wenn eben möglich, selbst erzeugt. Wenn ich bedenke wie meine Mutter ohne Auto, nur mit einer kleinen Einkaufstasche in der Gerolsteiner Hauptstrasse für 4 Personen in sehr kleinen Läden einkaufen ging, frage ich mich heute selber, wie das zu schaffen war. Ich bilde mir ein, bewusst und im Hinblick auf Nachhaltigkeit für meinen Ein Personen Haushalt mit Hund einzukaufen. Aber ehrlich, ohne Auto, bestückt mit Klappkiste und Kühlbox, die leere Sprudelkiste in Kofferraum, fahre ich doch gar nicht erst los.

Das Sparsamkeits Gen meiner Großeltern hätte auch niemals einen Sinn darin gesehen, Shoppen als Freizeitbeschäftigung anzusehen. Alleine die Bezeichnung Shoppen hätte sie gestört. Geldverschwendung hätten sie es genannt. Geld ausgeben für überflüssige Deko, billige Kleidung, erlesene Gourmetartikel oder Designerklamotten zu überhöhten Preisen, das hätte ihren Segen nicht gehabt. Sie wussten, dass hinter jeder Annehmlichkeit harte Arbeit steckt. Holzarbeiten in „de Büsch", Versorgen von Vieh und Hof, Bestellen der kleinen Landwirtschaften, Socken und Pullover stricken, Stunden an der Nähmaschine. Alles musste hart erarbeitet werden, da war nachhaltiges Konsumverhalten nur die logische Folge.

Heute wollen wir ja gar nicht wissen, wie die Familien, die unsere schicke Kleidung für wenig Geld herstellen, leben. Die Produktionsfirmen sind Gott sei Dank weit weg, Umweltschutz und würdige Arbeitsbedingungen in den entsprechenden Fabriken ein Fremdwort und für den Lohn müssten wir uns wirklich schämen.

Wir könnten von früheren Generationen lernen, dass das Geld wieder an den richtigen Stellen ankommen muss. Bei uns kam früher eine Näherin ins Haus, da wurde an uns Kindern Maß genommen, Stoff und Schnitt besprochen, der Fortgang der Näharbeiten freudig verfolgt. Das war in höchstem Maße nachhaltig, der Lohn landete da, wo er hingehörte. Wertschätzung und die Gewissheit, bei nächster Gelegenheit wieder von den Künsten der Näherin zu profitieren, schafften einfach eine schöne Atmosphäre. Ich habe sehr angenehme Erinnerungen an diese Tage. Das Schwatzen meiner Mutter mit der Näherin, mein heißgeliebtes neues rotes Kleid mit den weißen Punkten!

Beim Thema Nachhaltigkeit fällt mir aber auch die gesamte Lebenseinstellung meiner Großeltern und Eltern ein, die sich nicht nur auf die rein materielle Ebene bezog. Viele Dinge wurden ungeschönt klar beim Namen genannt. Ich erinnere mich an Bezeichnungen, die aus unserem Sprachgebrauch verschwunden sind: Verschwendung, Rachsucht, Verzagtheit, Reue, Barmherzigkeit, Mitleid, Seelenfriede, Trost, Kummer, Neid. Auch das Wort „Gebet" ist nicht gerade in unserer täglichen Konversation vorhanden.

Dass Beten entlastet und Mut für neue Wege eröffnet, Mitleid nicht nur dem Stärkeren gut tut, Seelenfriede in einer bestimmten Art begründet liegt, wie man sein Leben führt, da hatten diese Menschen noch einen echten Zugang zu. Erschreckend, dass heute schon Kinder Psychologen dafür brauchen. Mit dem eigenen Nachdenken und der Bewahrung bestimmter Werte hatte es die frühere Generation bestimmt leichter.

Umso schöner, dass gerade junge Menschen wissbegierig und mutig neue Wege gehen. Biologische Landwirtschaft, der Tierschutzgedanke in der Nutztierhaltung, kleine private Molkereien, moderne Selbstversorger, Ölmühlen, Bewahrer alter Samensorten bei Gemüse, Obst und Getreide. Da bin ich oft erstaunt, mit wieviel Wissen und Fleiß diese Familien den Weg der Nachhaltigkeit konsequent gehen und die Nachfrage beim Verbraucher auch entsprechend groß ist. So ist schon einmal ein sehr guter Anfang gemacht. Unterstützen können wir ihn alle!