von Susanne Vater, Hillesheim
Was kann es Schöneres geben als ein kleines neues Leben und dieses kleine Wunderwerk Mensch beim Wachsen und werden beobachten zu dürfen. So viel Entdeckerfreude, soviel Wissensdurst, den bestimmt auch unsere eigenen Kinder hatten. Als Großeltern hat man nun doch einfach viel mehr Zeit und Muße und aufgrund des Alters auch einen anderen Blick auf die Zeit und ihre Schnelllebigkeit. Auch ist es ein Geben und Nehmen, welches ungeheuer wertvoll ist, denn auch wir lernen von unseren kleinen Weltentdeckern. Kaum etwas ist heute wichtiger als der wundervolle Austausch untereinander. Kinder sind noch so herrlich offen und genießen jede einzelne Minute im Hier und Jetzt, haben Fragen über Fragen und lernen so ihre Welt achtsam und liebevoll kennen, zumindest in der wunderschönen Eifel. Meine Kinder sind in dem einzigartigem Eifeldörfchen Basberg groß geworden und haben dort sehr viel, nicht nur von den älteren der Dorfgemeinschaft mitnehmen dürfen für ihr eigenes Leben. Hier gab es noch den alten Backes, den kleinen Bauer mit 8 Kühen, den Imker, Handwerker fast jeder Richtung, ein wunderbares Miteinander und vieles mehr.
Noch wird immer wird bei uns in der Krimistadt Hillesheim der Garten bestellt und aus Altem wieder Neues hergestellt. Während des Winterschlafs im Garten wird gestrickt, genäht und gebastelt und so für das kommende Jahr alles Notwendige erschafft. Von Jacken, Pullis, Socken über Deko, Möbel und neue Geräte. Sobald der Frühling kommt geht es nach draußen, in die Ernte und Verarbeitung all jener wunderbaren Dinge, welche Mutter Erde auf sich wachsen lässt. Aus den ersten Wildkräutern werden aromatisches Wildkräutersalz, leckere Öle angesetzt, Pestos gerührt und immer auch das ein oder andere Kraut getrocknet für Tee, Salben oder Kräuterkissen. Wenn dann der Bärlauch kommt, der ja nur eine kurze Zeit im Jahr in unseren Wäldern steht, wird auch hier ein wenig geerntet und verarbeitet. Selbst hergestellte Nudeln, getrocknet und eingeweckt, sowie Gnocchi, ein weiteres Öl, auch Salz für die Küche und für die ersten Grillevents leckere Bärlauch-Stangenbrote zum Einfrieren. Die Kinder lieben es dabei zu helfen und so auf ganz natürliche Art und Weise die Nahrungsmittel der verschiedenen Jahreszeiten während ihres Aufwachsens kennenzulernen. Wenn der erste Spitzwegerich aus der Erde schaut wird daraus nicht nur der Hustensaft für den kommenden Winter angesetzt, es geht auch gleich in die Herstellung einer wunderbaren Salbe, welche die Kinder im Jahr auf jeden Fall benötigen. Sie gibt es dann sowohl in kleinen Gläschen als auch in leeren Lippenstifthülsen zum Mitnehmen für unterwegs als „AUA -Stick". Diese Salbe hilft bei kleinen Wunden und hervorragend bei Stichen aller Art, lindert sofort den Juckreiz und verhindert ein Anschwellen.
Im Frühjahr wird nun auch die erste Saat vorgezogen, welche dann später ins Gewächshaus oder in den Garten kommt. Für Kinder ist dies ein schönes Lernfeld zu sehen und beobachten zu können, wie aus einem so kleinen Saatkorn ihre heißgeliebten Gurken, weitere Kräuter, Tomaten, Salat und vieles mehr heranwächst. Dabei lernen sie gleich mehrere Dinge: Indem sie leichten Sprühnebel zunächst auf die Erde und dann auf die so winzigen Pflanzen verteilen stehen sie immer wieder für die Pflege in der Verantwortung und lernen so die Sorgfalt im Umgang mit ihnen und die Wertschätzung neuen Lebens. Das Staunen der Kinder und die dabei sprühende Freude und Lebensenergie nährt die kleinen Keimlinge auch emotional. So wachsen und gedeihen sie ähnlich prächtig wie die Enkelchen. Das Pikieren der Pflanzen zu beobachten oder auch je nach Alter bereits zu übernehmen, sowie die Aussaat in den Garten zu bringen, das Wachsen zu beobachten, um dann irgendwann endlich ernten zu dürfen, lässt Kinderaugen strahlen. Aus den Kräutern immer wieder selbstgemachte Limonade zaubern, Sirup kochen, mit den Beeren und Früchten leckeren Kuchen backen, tolle Desserts kreieren oder sie einfach beim Ernten in den Mund verschwinden lassen, all das begeistert, erweckt zeitgleich aber auch Achtsamkeit und Dankbarkeit für die tägliche Nahrung. Früchte kann man hervorragend zu Marmelade oder Saft verarbeiten indem man sie einkocht und so für das Jahr haltbar macht. Zum Ende des Frühlings und Anfang des Sommers machen wir uns Pfefferminz-Sirup, HolunderblütenSirup, Rhabarbersaft, Erdbeersaft, Himbeersaft und Sirup, Waldmeister-Sirup, Johannisbeersaft, Brombeersaft. Dies kann man das ganze Jahr mit Wasser mischen und immer wieder neue erfrischende Limonaden daraus kreieren - gerne auch mit frischen Kräutern, sowie Zitronen- und Limettenscheiben. Von den Früchten Erdbeer-, Himbeere, Johannisbeere und Brombeere wird auch noch Essig angesetzt. Dieser dient dann wieder als Salatdressing (mit Bärlauchöl und Wildkräutersalz) für den Wildkräutersalat und den gezogenen Salatpflänzchen aus denen prächtige Salatköpfe hervorgehen. Auch landen natürlich etliche Früchte im Gefrierschrank, bzw. werden eingekocht, um immer mal wieder welche genießen zu können, wenn die Saison bereits vorbei ist. Im Frühling, Sommer und Herbst wird dann auch wieder etwas Neues im Garten kreiert, doch dies ausschließlich so wie früher aus Material, das andere nicht mehr benötigen. So lernen sie, Neues zu gestalten und sich ihr eigenes kleines Paradies zu erschließen, ohne dass der Konsum im Vordergrund steht. Sie haben einzigartige, zum Teil außergewöhnliche Spielgeräte und Möglichkeiten zum Spielen. Wenn sie
älter werden, können sie dann beim Bauen mithelfen oder dann etwas selber bauen und ihre ganze Kreativität mit einbringen. Das schult nicht nur eben diese Fähigkeiten, sondern Respekt und Achtsamkeit, für das, was bereits an Rohstoffen da ist und was es heißt, Dinge selbst zu erschaffen. Es sorgt für Müllvermeidung und einen guten Umgang mit Mutter Erde und unserer wunderbaren Natur. Dinge, die kaputt gehen, werden mit Opa wieder repariert und nicht einfach entsorgt. Unsere älteste Enkelin hat eine eigene Nähmaschine und sitzt im Winter gerne an dieser und gestaltet Neues. Denn auch ihre Oma hat in ihrer Kindheit und Jugend bereits mit alten Bettlaken geübt, wie man etwas zuschneidet und näht. Wenn es gut gelungen war, wurde es entsprechend eingefärbt, wenn nicht, war es nicht so schlimm wie bei neuem Stoff. Es hat auf jeden Fall den Erfahrungsschatz bereichert. Auch zu klein gewordene Sachen kann man wieder für jüngere Kinder zu neuen Sachen umgestalten, ob Kleidung, Kuscheltiere, Kräuterkissen, Dekosachen. So hat unsere Enkelin immer eine nette Kleinigkeit, wenn Sie etwas verschenken möchte. Natürlich lässt sich auch Alt und Neu wunderbar kombinieren, so kann man aus einem T-Shirt, welches zu kurz geworden ist, schnell ein Kleid nähen, oder es einfach wieder verlängern indem man ein weiteres Stück Stoff ansetzt. Dies ist nicht nur modern, es ist auch wieder Einzigartig und kann sehr peppig gestaltet werden mit entsprechender Phantasie.
Der tägliche „Einkauf im Garten von Frühjahr bis Herbst spart also nicht nur Geld, er lädt ein das Wunder dieser Erde zu begreifen, die Dankbarkeit und Achtsamkeit für diesen wundervollen Lebensraum zu schulen, sowie Wertschätzung zu geben und zu erfahren. Dies sind meines Erachtens nach Fähigkeiten, die jedes Kind zum Wachsen braucht. Ein sehr wichtiger Faktor dabei ist auch unsere Gesundheit. Saisonal und frisch zu essen stärkt unser Immunsystem und erhält unsere Vitalkräfte. Es befinden sich wesentlich weniger Giftstoffe darin und wenn man alles, was nicht verarbeitet wird, kompostiert, der Erde als Nahrung wieder zurückgibt, hat man auch einen wunderbaren Dünger. Pflanzen helfen nicht nur uns Menschen, sie helfen und unterstützen sich auch gegenseitig. Bei ernsteren Krankheiten der Pflanzen kann man sie mit Pflanzenwässer, Tees und aus ihnen angesetzten Jauchen sehr gut behandeln. Sie sind dem Menschen gar nicht so unähnlich, auf die Jauche sollten wir Menschen für uns selbst jedoch verzichten. Schon immer gab es Schmier- und Kernseife, sowie Natron und Zitronensäure, Stärke und Soda, ein gutes Öl und Sheabutter. Viel mehr braucht es nicht, um alle Waschmittel, Putzmittel, und auch Reinigungsmittel zur täglichen Körperpflege herzustellen. Ein oder mehrere 100% ätherische Öle mit den Lieblingsdüften, Gläser und Formen und schon ist man fertig. In unserem Haushalt gibt es daraus Flüssigwaschmittel, Spülmaschinenreiniger, Spülmittel flüssig, WC-Reiniger Tabs, Duschgel, Haarseife, Zahnpasta. Das spart nicht nur Geld, es enthält auch keine krankmachenden Zusatzstoffe, verhindert so Allergien und vieles mehr. Alles ist biologisch abbaubar und schont somit auch die Umwelt, denn auch die Müllberge entfallen. Ein Stück Seife im Jutesack reinigt grob verschmutzte Hände und Blüten und Kräuter im Organzabeutel, sowie gutes Meersalz, ein Tropfen ätherisches Öl deines Lieblingsduftes in die Badewanne ist nicht nur sehr erholsam, es tut Körper-Geist und Seele gut darin zu baden und setzt viele wirklich gute Substanzen frei, die der Gesundheit gute Dienste leisten. Außerdem kann man sie immer je nach Bedarf individuell abstimmen. Ob Kräuter zur Aktivierung, zur Erholung, für die gute Laune, oder als Erkältungsbad, bei Rheuma oder Gicht - alles ist möglich. Die Zutaten findet man im eigenen Garten oder auf Spaziergängen durch Wald und Flur. Es braucht ein bisschen Zeit die Dinge herzustellen, jedoch nicht wirklich mehr als man mit dem Einkauf der selbigen verbringen würde. Und auch hier erfährt man wieder den Stolz und die Freude etwas Wichtiges erschaffen zu haben, die Wertschätzung gegenüber der Natur und dem eigenen Körper, indem man ihn mit so wenig als möglich an Giftstoffen und krankmachenden Zusatzstoffen belastet. Ein menschliches Wesen braucht Nahrung auf allen Ebenen, für alle Körper. Für unseren Körper ist es der Sauerstoff, die Bewegung und energieliefernde Nahrung. Für den Geist braucht es Phantasie, Kreativität, Aufgaben, bereichernde Kommunikation, Diskussion und viele Lernfelder. Für unsere Seele brauchen wir Liebe, Geborgenheit, Zärtlichkeit, den Wald, den Garten, die Schöpferkraft, immer wieder Wundervolles zu erschaffen in der Verbindung von Körper und Geist, um der Schönheit und Einzigartigkeit eines jeden Lebewesens Ausdruck zu verleihen.
Wenn all diese drei, Körper, Geist und Seele gut genährt sind, dann ist der Mensch gesund und vital. Da viele junge Menschen jedoch bereits krank und völlig unausgeglichen sind, geht der Trend Gott sei Dank langsam wieder in Richtung Nachhaltigkeit - Miteinander und Wertschätzung für diesen wundervollen Planeten, den wir unser ZUHAUSE nennen dürfen. Mutter Erde lässt alles auf sich & in sich wachsen und gedeihen, was der Mensch zum Leben braucht. Jeden Rohstoff können wir von ihr haben — doch sollten wir keinen Raubbau betreiben und pfleglich mit ihr umgehen, damit auch noch viele, viele nachfolgende Generationen sich an ihrer Schönheit und Vielfalt erfreuen können.
Nicht immer waren die Dinge früher einfacher und besser, vieles von unserem Fortschritt möchte auch ich nicht missen, doch möchte ich dieses oben beschriebene Wissen auf keinen Fall vergessen oder es vergessen lassen ...
... und das Allerschönste ist und bleibt das Strahlen der Kinderaugen aus dem ganzer Stolz und Freude spricht für das, was sie erleben und erschaffen durften. Dies ist das schönste Geschenk, die wertvollste Belohnung, welche ich auch als unendlich wertvoll in den Kinderseminaren der „Hexenküche" erfahren darf.
Immer wieder öffnen wir auch unser Gartentor und bieten so die Möglichkeit in eine andere Welt abzutauchen, sich wieder an früher zu erinnern oder gar in dieser Märchenwelt Zugang zu seinem eigenen inneren Kind zu bekommen — zur Entdeckerfreude und der in dir wohnenden Schöpferkraft.
Zutaten: eine Hand voll Spitzwegerich auf 250 ml Olivenöl, 30 Gramm Bienenwachs Zubereitung: Kaltauszug des Öles mit klein geschnittenem Spitzwegerich herstellen, (bitte ein Keramikmesser verwenden) über 3 bis 5 Wochen in einem Glas ziehen lassen. Das Glas täglich einmal schütteln. Wer die Salbe direkt benötigt, sollte das Öl erwärmen und dabei darauf achten, dass es nicht heißer als 40 bis max. 50 Grad wird. Mindestens 1 Stunde ziehen lassen, immer wieder umrühren, dann abseihen und das Bienenwachs langsam unter Rühren in dem warmen Öl schmelzen! Wer mag, kann noch 5 Tropfen Teebaumöl mit reingeben, dann sofort in saubere Gläschen oder Tiegel, bzw. leere Lippenstifthülsen füllen und erkalten lassen! Den Stick können Kinder immer dabei haben.