von Franz Igelmund, Ormont
Ich bin 1932 geboren und möchte das Leben nach dem 2. Weltkrieg aus meiner Sicht beschreiben. Am Ende des Krieges war ich 12 Jahre alt. Aus der Schule wurde ich 1946 entlassen. Als ältestes von drei Kindern musste ich entsprechend bei der häuslichen Landwirtschaft mithelfen. Unsere Familie hatte eine kleine Landwirtschaft mit 2 Kühen, einem Ochsengespann, ein paar Schweine und einige Hühner. Das war alles, was wir nach dem 2. Weltkrieg noch hatten.
Als Getreide wurde Roggen, Weizen, Gerste, Hafer und Heidekorn angebaut. Von der kleinen Landwirtschaft mussten wir leben. Den Roggen ließen wir von unserem Dorfmüller mahlen. Vom Mehl wurde dann Brot gebacken. Neben Getreide haben wir auch Kartoffeln angebaut. Davon hatten wir dann über das Jahr genügend. Mittags wurden zum Essen Kartoffeln gekocht. Der Rest wurde dann abends bzw. am nächsten Morgen als Bratkartoffeln aufgetischt.
Zucker war schwierig zu besorgen, da es den nur auf Lebensmittelkarten gab. 1948 kam schließlich die Währungsreform, und die wenigen Reichsmark, die wir noch im Sparschwein hatten, waren dann auch nichts mehr wert. 1948 hatte mir ein Onkel ein Bienenvolk gegeben, sodass wir ab 1949 hatten mit dem Hoinig wieder etwas zum Süßen hatten. Ich hatte mich damals so für die Bienen begeistert, dass ich noch 63 weitere Jahre Bienen gehalten habe.
Im Sommer wurden Wald-, Brom- und Himbeeren gepflückt und zu Marmelade gekocht. Selbst der „Kaffee" kam aus eigener Herstellung. Dafür wurde Gerste geröstet und anschließend in der Kaffeemühle gemahlen. Das „Kaffeemehl" musste dann nur noch mit heißem Wasser aufgeschüttet werden. Fertig war der „Kaffee".
Wir hatten auch einen großen Garten wo allerlei Gemüse angepflanzt wurde. Möhren wurden gesät und nach der Ernte im Keller verwahrt bzw. im Garten eingeschlagen. Mit Rote Beete wurde in der gleichen Weise verfahren. Strauch- und Stangenbohnen bzw. „dicke Bohnen" wurden nach der Ernte eingekocht. Zusätzlich wurde noch Weiß-und Rotkohl sowie Wirsing angepflanzt. Der Weißkohl wurde zum Teil zu Sauerkraut verarbeitet. Der Rest wurde neben dem Wirsing und dem Rotkohl in die Erde eingeschlagen. Auch hatten wir kleinere Mengen von Rosenkohl im Garten. Gurken wurden nach der Ernte eingelegt bzw. eingekocht. Daneben hatten wir Kopf- und Endivien-sa-lat. So hatten wir uns größtenteils bis Mitte der 90er Jahre aus unserem eigenen Garten versorgt. Danach haben wir unseren Gartenbau stark reduziert.
Für die Fleisch- und Wurstversorgung hatten wir Schweine. Nachdem wir diese ungefähr ein Jahr gehalten hatten, wurden sie von unserem Hausschlachter geschlachtet. Als Jugendlicher mussten wir dabei immer helfen. Als unser Hausschlächter nicht mehr zu Schlachtungen in der Lage war und wir keinen neuen Hausschlächter auftreiben konnten, habe ich die Schweine selber geschlachtet. Aus dem Fleisch wurde Fleisch-, Blut- und Leberwurst sowie Sülze hergestellt. Ein Teil des Fleisches wurde in Büchsen eingekocht. Schinken und Bauchfleisch wurde geräuchert. Bis in die 90er Jahre haben wir Schweine gehalten.
Wir hatten auch ein paar Schafe, deren Wolle wir verarbeiteten. Ich Frühjahr haben wir die Schafe im Bach gewaschen, damit die Wolle vor der Schur sauber war und sich nachher besser spinnen ließ. Die Wolle wurde, teilweise auch von mir, auf dem Spinnrad zu Garn versponnen. Aus dem Garn strickten dann die Frauen und Mädchen Strümpfe, Pullover und Kleider. Meine Mutter hat zudem aus zurückgelassenen Militärdecken Hosen genäht. Schuhe konnten bis in die 50er Jahre nur schwer besorgt werden. Ich hatte in dieser Zeit amerikanische Überschuhe, die das amerikanische Militär hier nach dem Krieg zurückgelassen hatte. Waren die Sohlen von alten Schuhen durchgelaufen, so hatte ich Sie mit mit Teilen von alten Fahrradreifen neu besohlt.