Im Kleinen beginnen

von Brigitte Schmitz, Niederstadtfeld

Klimawandel und Umweltverschmutzung sind ja seit einiger Zeit in aller Munde. Kaum ein Tag, an dem ich die Zeitung lese und diese Themen nicht irgendwo auftauchen. Wir haben verlernt, maßvoll zu leben und die Dinge wertzuschätzen. Einige wollen beispielsweise der Massentierhaltung entgegenwirken, indem sie völlig auf Fleisch verzichten. Das kann man nachvollziehen, aber ich muss feststellen, dass es Vegetarier oder sogar Veganer in unserer Kindheit und Jugend nicht gab.

Ich werde dieses Jahr 85 und bin noch ganz anders aufgewachsen. Wir haben auch zwangsläufig mindestens sechs Tage die Woche vegetarisch gelebt. Ein Stück Fleisch gab es höchstens mal am Sonntag. Geschlachtet wurde sowieso nur in der kalten Jahreszeit und frisches Fleisch war entsprechend selten verfügbar. Wenn man auch im Sommer noch etwas davon haben wollte, musste man sich also Gedanken machen, wie man das Fleisch haltbar machte. Zudem muss man sich vorstellen, dass man nach der Schlachtung das Fleisch eines ganzen Schweins hat, aber keinen Kühlschrank, geschweige denn eine Gefriertruhe. Aus diesem Grund wurden auch kaum Rinder in Privathaushalten geschlachtet, sondern fast nur Schweine und Hühner - ein Rind wäre viel zu viel Fleisch auf einmal gewesen.

Hierzu einige Beispiele: Ganze Bratenstücke wurden fertig zubereitet, anschließend in Scheiben geschnitten in Gläser portioniert, mit dem Bratensaft und Fett aufgegossen und eingeweckt; Blutwurst, Hartwurst (Salami) und Schinken, also Rauchfleisch wurden selbst hergestellt; Fleischstücke wurden gepökelt und andere Stücke u.a. mit Essig als Sauerbraten eingelegt.

Gerichte, die früher aus der Not heraus entstanden, isst man noch heute gerne. Natürlich kann niemand ernsthaft erwarten, dass jeder heute wieder sein eigenes Schwein hält. Es würde aber schon viel helfen, wenn das Lebensmittel Fleisch etwas mehr Wertschätzung erfahren würde. Auch muss es nicht immer das Filet vom Schwein oder Rind sein. Auch Knochen und Suppenfleisch lassen sich sinnvoll verarbeiten und sollten eigentlich viel häufiger im Einkaufswagen landen als die kleinen, aber teuren Filetstücke. Aber nicht nur Fleisch wird leider oft viel zu viel gekauft und landet am Ende im Mülleimer. Das gleiche gilt auch für Gemüse. Dabei wäre das oft ganz einfach zu vermeiden.

Ein Beispiel: Mein Enkel hat darüber geklagt, dass ihm die Möhren immer so schnell im Kühlschrank verschimmeln. Die Lösung ist ganz einfach: Man nimmt eine Schale oder einen Topf, füllt etwas Sand hinein, legt die Möhren darauf und bedeckt diese dann wieder mit Sand. So hatten wir früher über den ganzen Winter hinweg Möhren, die so knackig waren wie frisch geerntet.

Wenn man im Voraus plant, was man kocht, vielleicht nochmal die Mutter oder Großmutter fragt, ob sie nicht einen Tipp hat, müssen keine übriggebliebene Dinge in den Müll wandern. Man sieht also, dass man bei nachhaltigem Wirtschaften und etwas mehr Wertschätzung für Lebensmittel, nicht auf alles verzichten oder sein ganzes Leben umstellen muss. So können wir alle im Kleinen anfangen.

Zum Schluss noch ein kleines Rezept, wie man Bohnen haltbar macht:

Saure Bohnen

Zutaten:

Zur Vorbereitung muss man die Bohnen waschen, schnippeln und abgekochen und anschließend sofort in Eiswasser erkalten lassen. Nun werden die Bohnen folgendermaßen in einem Tontopf geschichtet: erst eine Schicht Bohnen mit etwas Petersilie und Bohnenkraut, dann eine Handvoll Salz darüber. In dieser Reihenfolge fortfahren, bis der Topf fast voll ist. Zum Schluss wird die letzte Schicht mit einem Leinentuch und einem Brett abgedeckt. Darauf legt man einen dicken Stein oder etwas anderes zum Beschweren. Zuletzt gießt man am Rand des Topfes Wasser auf, bis es das Brett gerade bedeckt. Nun stellt man das Gefäß zum Gären sechs Wochen in den Keller. Nach den sechs Wochen ist die Masse fertig vergoren und es können immer so viele Bohnen entnommen werden, wie gerade benötigt werden. Alle vierzehn Tage müssen jedoch Tuch, Brett und Stein einmal unter klarem Wasser abgewaschen und das Wasser wieder bis zum Brett aufgefüllt werden.

Vor dem Verzehr müssen die Bohnen nochmals kurz abgekocht werden. Serviert werden sie in einer hellen Soße. Dazu lässt man etwas fetten Speck oder alternativ Schmalz und fein gewürfelte Zwiebeln in einem Topf aus, bindet alles mit Mehl zu einer Mehlschwitze und gießt mit Fleischbrühe oder Wasser auf. Anschließend noch mit etwas Pfeffer und sehr vorsichtig mit Salz abschmecken, da die Bohnen schon salzig sind. Bohnen in die Soße geben und servieren.