Zurück zu den Wurzeln

von Heidi Probst, Gommersheim

„Ach, war das früher eine schöne Zeit, da war die Welt noch anders als heut'"...

So begann eines der Gedichte, die meine Oma uns unzählige Male vorgetragen hat. Als Kinder interessierten wir uns nicht sonderlich für ihre Poesie. Wir hörten zwar zu, dachten aber heimlich: „Ach Oma, wie oft willst du uns das denn noch erzählen?" Genauso war es mit ihrer Begeisterung für Pflanzen und deren heilsamen Inhaltsstoffen. Damals wussten wir noch nicht, dass genau diese Weisheiten unser Leben auf vielfältige Weise bereichern sollten ...

Gerade jetzt muss ich oft an die Zeit denken, in der ein Virus noch unter dem Namen „Freck" sein Unwesen trieb. Man griff dann unwillkürlich zur Flasche mit selbstgekochtem Hollundersaft, die im dunklen Keller nur darauf wartete, zur Beschleunigung unseres Genesungsprozesses beizutragen. DieserCocktail ist immer noch so „aromatisch" wie damals, doch er wirkt wahre Wunder. „Kind, trink das! Es schmeckt nicht, aber es hilft", höre ich „sie" noch heute sagen.

Wer krank war, den packte man nicht in Watte, sondern in einen heißen Essigumschlag, der die Schluckbeschwerden schnell vergessen ließ. So wurde dem kleinen Patienten, der unfähig war, sich zu wehren, im wahrsten Sinne des Wortes „Dampf gemacht". Man fackelte nicht lange, denn die Wärme durfte auf keinen Fall entweichen, ansonsten musste man sich dieser Prozedur erneut unterziehen. Auch bei festsitzendem Husten fand sich stets ein Mittelchen aus der Hausapotheke, denn an Einfallsreichtum mangelte es unserem Medizin „mann" nicht. Mit einem warmen Brustwickel, der sich aus Schweineschmalz und einer guten Prise von frisch geriebener Muskatnuss zusammensetzte, konnte der arme Wurm schnell wieder durchatmen.

Ich fieberte meiner Genesung entgegen und genoss die „heiß" ersehnte Milch mit Honig, denn von Bohnenkrauttee hatte ich die Nase gestrichen „voll"!