von Hartmut Flothmann, Schalkenmehren
Der Bericht über die Ortsgruppe (OG) des Eifelvereins Schalkenmehren stützt sich vorwiegend auf mündliche Aussagen von Zeitzeugen aus dem Drei-Maare-Dorf. Durch die Folgen des 2. Weltkrieges sind viele ältere Zeitdokumente verloren gegangen. Dank gebührt allen, die mit Infos zur Aufbereitung der OG-Historie beigetragen haben.
Nach dem 1. Weltkrieg, in einer für die Vulkaneifel wirtschaftlich schweren Zeit, gründete der Lehrerssohn und Eifeldichter Johann (Hanni) Hill am 6. Mai 1922 mit 34 Getreuen die Eifelvereins-OG Schalkenmehren. Hanni Hill war der Mann, der die Geschichte der Eifel mit prägte. Neben seiner Landwirtschaft war er noch Organist und Kirchenchor-Leiter. Bereits im Gründungsjahr mit Schullehrer Mathias Etringer als erstem Vorsitzenden unterstützten die Mitglieder die Ziele der OG. Das waren heimatkundliche und kulturelle Aufgaben, Landschaftspflege und Naturschutz.
Nach der Währungsreform übernahm Adam Schmitz-Aelen aus Schalkenmehren den Vorsitz der OG. Er entstammte einer alt eingesessenen Kleinbauernfamilie und unterstützte die Wiederbelebung der Hausweberei, in die bald 30 Häuser des Ortes eingebunden waren. Erste Wanderungen wurden 1927 angeboten. Später kamen Gästeführungen zum Weinfelder Maar (Totenmaar) hinzu. Mit Laienspiel, Theateraufführungen und Volkstanz brachte Schmitz-Aelen das Dorfleben in Schwung. Das Jahr 1932 mit 51 Mitgliedern begann für die Ortsgruppe mit einem Politikum: Ein privates Bauvorhaben zwischen Schalkenmehrener und Totenmaar, das die Einmaligkeit der Landschaft gestört hätte, konnte nur durch massiven Protest verhindert werden, an dem die OG wirkungsvoll beteiligt war. Im Nachklang erfolgte die Widmung des Karl-Kaufmann-Hains an Karl Kaufmann, der von 1904 bis 1938 dem Hauptverein vorstand. Die Jahre bis Kriegsbeginn waren ausgefüllt mit Theateraufführungen, Heimatabenden, Wanderungen, Aufstellen von Bänken sowie Ausbau und Gestaltung des Fußpfades zum Weinfelder Maar (Eifelvereinspfad). Während des 2. Weltkrieges ruhte das Vereinsleben. Viele Mitglieder waren einberufen. Gefallene und Vermisste waren zu beklagen. 1948 erhielt der Vorsitzende der Ortsgruppe durch die französische Militärregierung in Daun das Recht, die Eifelvereinsortsgruppe Schalkenmehren zu reorganisieren.
Adam Schmitz-Aelen; 44 Jahre Vorsitzender d. Eifelvereins Schalkenmehren
Der wiedergegründeten Ortsgruppe schlossen sich 91 Mitglieder an, darunter auch Jugendliche. Viele Aufgaben wurden angepackt und mit Bravour erledigt. Auch das gesellige Leben kam nicht zu kurz. Mit einer Spende beteiligte sich die OG an der Errichtung des Eifelkreuzes vor der Weinfelder Kapelle. Verschönerungen der Wanderwege, die Aufstellung von Ruhebänken und Wegemarkierungen folgten. Die OG lud zu Theater- und Gesangsaufführungen ein. Die Rollenhefte mussten damals noch von der Militärregierung genehmigt werden. 1952 folgte das 30-jährige Stiftungsfest der Ortsgruppe. Dabei wurde auch Pitt Kreuzberg für über 25-jährige Mitgliedschaft geehrt, der als „der gültige Maler der Vulkaneifel" bezeichnet wurde. In der Aegide Schmitz-Aelen war das Dorfleben vom Eifelverein geprägt. Als Ehrenvorsitzender starb er 1968, bis heute unvergessen.
Neubeginn und Folgejahre (1967 bis 1989) 1967 wurde der neue Vorstand gewählt mit Rudi Schäfer an der Spitze, dessen besonderes Anliegen der Natur- und Landschaftsschutz war. Die OG stützte sich jetzt auf 47 Mitglieder. Die beliebte Schutzhütte namens „Farnhütte" auf dem zweiten Rundweg um das Schalkenmehrener Maar wurde 1967 aufgestellt. Zum Feiern war aber niemandem zumute, da an diesem Tag ein Motorflieger aus Föhren in die Seilwinde flog und alle Insassen zu Tode kamen. In den Folgejahren widmete sich die OG Pflegemaßnahmen auf den Maar-Rundwegen. 1972 übernahm Konrektor a.D. Johannes Droste die Ortsgruppe. In seine Amtszeit fiel das Fest des Goldenen Jubiläums. Die heimatkundlich orientierte Festschrift (1922 - 1972) enthielt die Chronik des Gangolphi-Altars von Anna Droste-Lehnert, seit Jahrzehnten im Eifelverein engagiert, sowie das Gedicht „Am Totenmaar" von Paul Böthig gen. Eifelpaul. Von 1973 bis 1977 war Karl-Josef Umbach Vorsitzender. Auf Grund seiner Aktivitäten wurden neue Mitglieder geworben. Kegelabende und Vereinsausflüge dienten der Geselligkeit im Dorf.
Therese Fischer 1977-1989 Vorsitzende der OG Schalkenmehren
Von 1977 bis 1989 übernahm Therese Fischer, genannt „die Frau des Dorfes, Limbachs Therese" die Führung des örtlichen Eifelvereins. Mit viel Schwung und „je-hop" begeisterte sie neue Mitglieder. Mit dem Ehrenvorsitz wurde sie für ihr Engagement ausgezeichnet. Am 21. Juli 1984 wurde am Landgasthof Michels unter Beteiligung der OG eine Gedenktafel Prof. Dr. August Thienemann gewidmet. Sie soll an den Erforscher und Retter der Eifel-Maare erinnern, der seine wissenschaftlichen Forschungen in den 1910er Jahren von Schalkenmehren aus unternahm.
Werner Zillgen 1989-1999 und 2005-2010 Vorsitzender des Eifelvereins Schalkenmehren
1989 wurde Werner Zillgen der Vorsitz der Ortsgruppe anvertraut, den er bis 1999 innehatte. Zusammen mit seiner Frau Katharina entdeckte Zillgen auf einem OstersonntagSpaziergang die vermoderte Dreesquelle am Winkelbach. Es gelang ihm, das Dorf von seiner Idee zu begeistern, die Quelle wieder instand zu setzen. Die Helfer waren nach ihrer Arbeit braun von Lehm und Rostbrühe. Dann kam das lange Warten: „Wann kommt denn endlich der Drees?" Im Hinterhalt wurde schon gemunkelt: „Elo kit se lebtesdachs ke Drees eraus, dat os iwerhaupt net mielisch." Samstagmorgen sprudelte der Drees. Die Freude war groß. In den Jahren 1989 bis 1998 wurden die Versammlungen, Bezirkswandertage und Eifeltage besucht, die den Zusammenhalt der Vereine in der Bezirksgruppe festigten.
Das 70-jährige Bestehen der OG in Schalkenmehren wurde 1992 in Verbindung mit dem Bezirkswandertag mit 200 Teilnehmern aus 16 Ortsgruppen gefeiert. FünfJahre später, aus Anlass des 75. Jubiläums, nahm die Ortsgruppe am Rheinland-Pfalz-Tag in Pirmasens teil mit dem Festwagen „Dronke-turm" und wurde dafür eigens geehrt. Die Verbindung zu Dronke und dem ihm zu Ehren gebauten Dronke-Turm auf dem Mäuseberg blieb für die OG Schalkenmehren immer ein Fixpunkt. Dazu gehört die Drei-Maare-Wanderung, die von allen Wanderführer-Generationen gepflegt wurde und wird.
Fahnenträger Werner Zilllgen, Inge Dunkel (links) und Marlies Lenerz von der OG Schalkenmehren mit dem Festwagen „Dronketurm" auf dem Rheinland-Pfalz-Tag 1997 in Pirmasens
Nach fast zehnjähriger Führung gab Zillgen den Vorsitz ab. Unter seinem Nachfolger Josef Heck wurde 1999 der 50. Jahrestag der Wiedergründung gefeiert. Am 13.12.2003 teilte Josef Heck dem Hauptverein mit, dass die Ortsgruppe auf zwei MitgliederVersammlungen außerstande gewesen war, einen neuen Vorstand zu wählen. 2004 fand daher eine Zusammenkunft in der Alten Schule statt, um die Zukunft der Eifelver-einsortsgruppe Schalkenmehren zu erörtern. Daran nahmen sogar der Hauptvorsitzende Dr. Hans Klein und Hauptgeschäftsführer Manfred Rippinger teil.
Am 25.3.2005 lud der stellvertretende OG-Vorsitzende Zillgen die Mitglieder und Mitbürger zu einer Mitgliederversammlung in die Alte Schule ein, um dem Eifelverein neues Leben einzuhauchen. Nach Aufnahme neuer Mitglieder wurde Zillgen zum Vorsitzenden gewählt. Der Vorstand bekam Verstärkung, und ausgebildete Wanderführer traten ins Team. Damit war es gelungen, die traditionsreiche Ortsgruppe Schalkenmehren wieder neu zu organisieren.
Kulturwart und Wanderführer Hartmut Flothmann informiert die Eifelfreunde der Bezirksgruppe Vulkaneifel über die Schultradition in Schalkenmehren
Seit Mai 2005 führt die OG wieder geführte Wanderungen durch, zu denen Mitglieder, Einheimische und Gäste kostenlos eingeladen werden. Der monatliche Wanderplan ist seit 2005 an der Tourist Information einzusehen. Die Pressearbeit wurde intensiviert, die Wegemarkierungen aktualisiert und für den Eifelführer eine Neufassung für das Maardorf erarbeitet. Der Mitgliederstand wuchs auf 60 Mitglieder an. Vom Hauptverein wurde die OG für den 1. Platz bei der Mitgliederwerbeaktion im Jahre 2005 ausgezeichnet. Die kulturelle Arbeit der Ortsgruppe wurde durch den Kulturwart auf eine neue heimatkundliche Plattform überführt durch historische Dorfführungen, verschiedene kulturgeschichtliche Themenwanderungen wie Bildstockwanderungen sowie Führungen durch die Pitt-Kreuzberg-Galerie und Wanderungen auf dem Kulturpfad Pitt Kreuzberg. Aus Anlass des 40. Todesjahres des Künstlers Pitt Kreuzberg bot die OG einige Veranstaltungen an. Dazu gehörte eine Fahrt ins Museum Bad Neuenahr-Ahrweiler zur Ausstellung „In memoriam Pitt Kreuzberg" und zur Gesprächsrunde „Zeitzeugen erinnern sich".
Eine gelungene Sache mit über 130 Teilnehmern war das Eifelvereinstreffen der Bezirksgruppe Vulkaneifel 2006 auf dem Alten Schulhof. Etabliert haben sich zwischenzeitlich die Montagswanderungen als Kultur- bzw. Geowanderungen, außerdem die Führungen auf der Sternwarte „Hoher List" sowie die vielseitig orientierten Wanderungen an Ahr, Lieser und in der ganzen Eifel. 2007 feierte der Eifelverein Schalkenmehren sein 85-jähriges Bestehen. Die Akzeptanz war groß. Einige Nachbarvereine wanderten sogar auf Schusters Rappen nach Schalkenmehren.
Teilabschnitte der kulturgeschichtlichen Themenwanderungen wurden in der Tagespresse unter „Dorfgeschichten" veröffentlicht. 2008 folgte in Buchform der „Wanderführer Schalkenmehren: Historische, naturkundliche und geologische Streifzüge", immerhin das erste Buch über das Dorf Schalkenmehren. Im gleichen Jahr wurde in der Dorfmitte Schalkenmehrens unter großer Beteiligung der neue Eifelvereinsbrunnen eingeweiht, gestiftet vom Eifelverein zum Abschluss des 85-jährigen Jubiläum: Ortsbürgermeister H. Günter Schommers und OG-Vorsitzendei Werner Zillgen übergaben den Brunnen der Öffentlichkeit.
Tüchtige Kuchenbäckerinnen verwöhnen die Gäste des Eifelvereins in Schalkenmehren
Ein Höhepunkt der besonderen Art war die Verleihung des Wolf-von-Reis-Kulturpreises auf dem Eifeltag 2009 in Eupen (Belgien) an die OG, die als eine der ersten Ortsgruppen den Preis überreicht bekam. Die Verleihungsurkunde wurde dem Vorsitzenden Zillgen und Kulturwart Flothmann überreicht. Die Jury des Kulturpreises schrieb dazu in der Zeitschrift des Eifelvereins Heft 1-2010: „Von dem kulturellen Angebot der Eifelvereinsorts-gruppe Schalkenmehren zur Belebung des Besucherverkehrs und des Wandertourismus profitiert das Drei-Maare-Dorf Schalkenmehren, so wie es einst die Gründer des Eifelvereins bereits als Zielsetzung formuliert haben."
Wolf-von-Reis Kulturpreis 2009 für die Ortsgruppe Schalkenmehren
Vorsitzender Werner Zillgen und Kulturwart Hartmut Flothmann vor der Präsentation der OG Schalkenmehren in Eupen (Belgien) anlässlich der Preisverleihung.
Nachdem Werner Zillgen 15 Jahre lang den Vorsitz mit Kompetenz und Engagement ausgeübt hatte, wurde er von der Mitgliederversammlung zum Ehrenvorsitzenden gewählt.
Gerd Laurenzen wurde am 8.4.2010 zum neuen Vorsitzenden gewählt, Peter Hartogh zu seinem Stellvertreter, nachdem beide fünf Jahre als Naturschutzwart der Ortsgruppe fungiert hatten. Mit seiner Hilfsbereitschaft überwand der Vorsitzende so manchen Engpass in der Ortsgruppe. Als Wanderführer standen ihm Hartmut Flothmann, Wolfgang Schmand, Karl-Heinz Stolz und Rosel Kretschmann zur Seite.
Als Gerd Laurenzen aus gesundheitlichen Gründen 2014 sein Amt niederlegte, übernahm sein Stellvertreter Michael Hensel den Vorsitz. Die Ortsgruppe nahm wieder Fahrt auf, organisierte Ausflüge, Besichtigungen und Wanderungen für Einheimische und Gäste. Das währte nicht lange, denn im November 2017 wurde klar, dass Hensel unfallbedingt den Vorsitz abgeben musste.
Das Ergebnis der Jahreshauptversammlung vom 2.2.2018 war ernüchternd, denn die Ämter des ersten und zweiten Vorsitzenden blieben vakant. Die Kontakte steuerte Bürgermeister Peter Hartogh als Schriftführer der OG. Pikanterweise war dieses führungslose Jahr inhaltlich ausgefüllt vom Landeswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft", zu dem der Autor als Fachwart auch Beiträge liefern konnte.
Mit Unterstützung des Dorfes und seiner Eifelfreunde plant der Eifelverein Schalkenmehren am 2. und 3. Juli 2022 sein 100-jähriges Bestehen zu feiern. Das bietet dem Vorstand, seit 2019 unter Vorsitz von Winfried Balzert, eine hervorragende Gelegenheit, dessen neues Konzept vorzustellen, das die Ortsgruppe als „Eifelverein Schalkenmehren e.V." mit Erfolg in Gang gesetzt hat. Vorwegnehmen möchte ich, dass nunmehr ein funktionierender Jahres-Veran-staltungsplan vorliegt. Informationen zu den Veranstaltungen sind auf der Webseite www. eifelverein-schalkenmehren.de abrufbar. In das Jubiläumsjahr begleitet wird der Vorsitzende und Medienwart Winfried Balzert vom stellv. Vorsitzenden und Wanderwart Dieter Neroth, Kassenwart Jörg Freitag (kommissarisch), Kulturwart Hartmut Flothmann, Naturschutzwart Peter Hartogh, Schriftführerin Andrea Balzert und Wege-wart Karl- Heinz Stolz sowie einer ganzen Reihe von engagierten Wanderführerinnen und Wanderführern, die ihr Programm im Veranstaltungsplan vorgestellt haben.
Merkwürdigen Dorfgeschichten auf der Spur - Wandergruppe am Maar-Überlauf mit WF Hartmut Flothmann und Ortsbürgermeister Peter Hartogh (zweiter von rechts).
Das Neun-Maare-Dorf Schalkenmehren verfügt mit seinen Naturschutzgebieten, wassergefüllten und verlandeten Maaren, Maare-Mosel-Radweg, Eifelsteig und Partnerwegen über ein gut ausgebautes Wander- und Radwegenetz, das für Touristen und Einwohner erlebbar ist. Mit zahlreichen Aktivitäten möchte der Eifelverein auch im Jubiläumsjahr die Alleinstellungsmerkmale des Dorfes in Wert setzen und den Gästen nahebringen. Das sind gute Voraussetzungen für neue Akzente in der Ortsgruppe, die seit 13. April 2019 unter dem Vorsitz von Winfried Balzert einen erfreulichen Mitgliederzuwachs erfahren hat.