Bildstock und Grabstein zugleich

Sehenswerte Kreuze auf dem Strohner Kirchenvorplatz

von Friedbert Wißkirchen, Daun

In unserer Eifelheimat finden wir noch häufig Feld- und Wegekreuze, Bildstöcke, Kapellen, Mahnmale und Heiligenhäuschen. Das Aufstellen von Kreuzen und anderen religiösen Denkmälern gehört zum uralten christlichen Brauchtum. Die zum Teil Jahrhunderte alten Zeichen des Glaubens sind meistens von einzelnen Personen oder Familien gestiftet worden. Vielfach erinnern diese Kreuze, Bildstöcke und Heiligenhäuschen an ein folgenschweres Unglück oder sie wurden als Zeichen der Dankbarkeit für die Hilfe in Notsituationen, die Heilung von schweren Krankheiten zur Ehre Gottes oder bestimmter Heiliger, meist dem Namenspatron, errichtet. Auf dem Friedhof, der sich rund um die Strohner Pfarrkirche erstreckt, finden sich im Eingangsbereich der Kirche zwei sehenswerte Denkmale aus rotem Sandstein.


Kreuz Neumes und Hewer von 1716

Das 2,50 m hohe Sandsteinkreuz ist ein Schaftkreuz aus dem Jahre 1716. Unter dem Kreuz mit dem großen Christuskorpus, ist am Schaft eine hervorgehobene Heiligenfigur heraus gemeißelt, darunter die Jahreszahl 1716 eingraviert. Die Heiligenfigur ist mit dem Schlüsselsymbol eindeutig als der Hl. Petrus erkennbar. Der sich verbreiternde Schaft weist vorn als Altarvorsprung eine Konsole mit einem Engelkopf, begleitet von 2 Flügeln, auf. Bedingt durch den Altarvorsprung, war an der Vorderseite des Schaftkreuzes nicht genügend Platz vorhanden, um einen längeren Text anzubringen. Der Text wurde deshalb an der linken Seite, in Höhe des Apostels Petrus, eingemeißelt. Die Schrift, im Laufe von fast 300 Jahren stark verwittert, ist in jüngster Zeit unfachmännisch erneuert worden. Dabei sind aus noch erkennbaren Buchstabenfragmenten falsche Schlüsse gezogen und der Ursprungstext fehlerhaft wiederhergestellt worden. Der Ursprungstext lautet (V = U):

HANS PETER NEVMES VON STROHN VND HANS PETER HEWER VON OBERSCHEIT WEILER HAB EN DIES KREVT Z AVFRICHTE N LASSEN ZV DER EHREN GOTTES


Die beiden Stifter haben zu Ehren ihres Namenspatrons, des Heiligen Petrus, das Kreuz aufgestellt.

Doch warum wurde das Kreuz ausgerechnet am Eingang der Kirche aufgestellt? Manche Stifter wollten ihr Kreuz an einer Stelle platzieren, an der viele Menschen vorbeikamen, die beim Anblick ein kurzes Gebet sprachen und auch der Stifter gedachten. Was lag also näher, als den Standort vor der Kirche zu wählen. Denn alle Dorfbewohner besuchten Kirche und Friedhof regelmäßig.

Eine Familie Neumes oder Neymes gab es nachweislich um 1640 in Strohn. Johann Peter NEUMES wurde um 1640 in Strohn geboren und heiratete vor 1664 eine Magdalena. Er wird in Strohn als „Synodaler" bezeichnet, ein Amt, vergleichbar dem früheren Kirchenvorstand, dem heutigen Verwaltungsrat, also Verwalter des Kirchenvermögens. In diese Ämter wurden nur angesehene, erfahrene und gläubige Männer berufen. Dies geht auch aus den Tauf- und Heiratseinträgen seiner 4 Kinder hervor, wo als Paten oder Zeugen „Synodale" und „Schultheiß" auftreten. Seine Frau Magdalena starb am 20.7.1709 in Strohn, Johann Peter Neumes am 21.1.1717, wenige Monate nach der Errichtung des Kreuzes.

Hans Peter Hewer aus Oberscheidweiler ist Mitstifter des Kreuzes in Strohn. Wer war dieser Hans Peter Hewer? Strohn gehörte ehemals zur Pfarrei Wollmerath. In den Kirchenbüchern erscheint Hans Peter „Hewer", „Heber" oder „Heyer", mit der Bezeichnung „Prätor der Kirche in Strohn", in Oberscheidweiler wohnhaft. „Prätor" kann in diesem Falle auch mit Synodaler, also Kirchenvorstand, angenommen werden. Vermutlich waren Neumes und Heyer Mitglieder des Kirchenvorstandes in Strohn. H.P. Heyer war um 1650 geboren, verheiratet mit Eva Krauters und hatte 7 Kinder. Er starb am 18.1.1733 in Oberscheidweiler. Der Standort des Kreuzes verwundert nach diesen Erkenntnissen nicht, denn die Stifter waren mit der Kirche eng verbunden.


Bildstock Trautzberg von 1791

In der Nähe des Kircheneingangs steht ein handwerklich bedeutsamer Bildstock aus Sandstein, 1,65 m hoch und 0,50 m breit. Unter einem geschwungenen Dach, in einer Nische, die oben Muschel artig ausgestaltet ist, stehen zwei Heiligenfiguren. Darunter die Schrift: „ANNA S. NICOLAUS". Die beiden Figuren stellen die Hl. Anna und den Hl. Nikolaus als Bischof dar. Die Nische wird seitlich durch Blumenranken verziert. Der untere Teil des Denkmals wird wiederum von einer Taufbecken ähnlichen Konsole bestimmt, die als angedeuteter Altar in dieser Zeit üblich war. Darunter ist der Text eingraviert (V = U):

ANNO 1791 NICOLAVS TRAVTZ BERG VND ANNA SCHAEFFERS V. STROHN


Nikolaus Trautzberg und seine Frau Anna geb. Schäfer sind die Stifter dieses Denkmals. Es könnte sich dabei um Nikolaus Trautzberg, geboren am 28. Januar 1729, handeln, Sohn von Matthias Trautzberg, der als Kirchenschöffe in Strohn genannt wird.

Der Bildstock weist aber eine Besonderheit auf. Auf seiner Rückseite ist ein Kreuz mit kleeblattartigen Enden — ein sogenanntes Tatzenkreuz - und der Kreuzaufschrift: NICOLAUS TRAUTZ BERG 1791 eingemeißelt.

Der Bildstock weist auf der Vorderseite die Jahreszahl 1791 auf, das Jahr der Herstellung oder Aufrichtung. Das Tatzenkreuz auf der Rückseite mit der Aufschrift und Jahreszahl lässt nur den Schluss zu, dass der Stifter im gleichen Jahr (1791) verstorben ist. Der Grund für die Stiftung des Bildstocks könnte ein Gelübde von Nikolaus Trautzberg gewesen sein, der schwer erkrankt, für seine Wiedergenesung oder sein Seelenheil dieses Glaubenszeugnis aufstellen ließ. Noch bevor der Bildstock aufgestellt wurde, oder kurz danach, verstarb Nikolaus Trautzberg und der Steinmetz ergänzte das Werk auf der Rückseite um das Kreuz, den Namen und das Todesjahr. Der Bildstock wurde damit zum Grabkreuz und fand seinen Standort auf dem Friedhof. Der Bildstock bedarf dringend der Renovierung, um dieses besondere und seltene Denkmal vor dem Verfall zu schützen.

Eine Unterschutzstellung des Kreuzes und des Bildstocks wären sicher sinnvoll. In Strohn gibt es eine Vielzahl dieser Glaubenszeichen. Sie werden liebevoll von der Ortsgemeinde und Privatpersonen in Stand gehalten. Sie sind wegen ihrer kunst-, kultur-und heimatgeschichtlichen Bedeutung aber auch als Zeichen des Glaubens schützensund erhaltenswert. ■

Quellen:

FB Wollmerath

Auskünfte von Familienforscherin Ursula Buchholz