von Helmut Trapp, Gillenfeld
In den meisten Bundesländern haben die Landesmusikräte die Orgel zum Instrument des Jahres 2021 ausgewählt. Die Orgel gilt als die Königin der Instrumente und ist das größte aller Musikinstrumente. Seit 2017 sind Orgelbau und Orgelmusik durch die UNESCO als „Immaterielles Kulturerbe" anerkannt. Allein in Deutschland gibt es etwa 50.000 Orgeln. In der Gillenfelder Pfarrkirche St. Andreas wurde auf Initiative von Pfarrer Carsten Rupp und vor allem von Kaplan Oliver Seis eine intensive Forschungsarbeit zur Geschichte der Orgel durchgeführt. Expertenmeinungen durch den Orgelsachverständigen des Bistums Trier, Reinhold Scheck, und vier Orgelbaufirmen wurden eingeholt. Dabei stellte sich heraus, dass
Es bestand also dringender Handlungsbedarf, die Orgel zu renovieren, nicht nur wegen ihrer weiteren Bespielbarkeit, sondern auch wegen ihres historischen und kulturellen Wertes als romantisches Instrument. Sie sollte wieder annähernd so erklingen wie bei ihrer Einsegnung vor mehr als 100 Jahren. Die Pfarrgremien stimmten der Vergabe der Orgelrenovierung an die Firma Vleugels aus Hardheim (Baden) zu. Daraufhin wurde auf Initiative von Pastor Rupp ein Orgelteam mit sechs Mitgliedern gebildet.
Das Orgelteam machte es sich im Besondern zur Aufgabe, die finanziellen Mittel für die Renovierung und Restaurierung der Voitorgel durch verschiedene Aktivitäten zu beschaffen. So fanden drei Konzerte statt, darunter ein Benefizkonzert der Bigband der Bundeswehr. Chefkoch Martin Kucher aus Darscheid und sein Team bereiteten ein Orgelpfeifen-Menü zu. Es wurden Orgelpfeifen-Patenschaften initiiert.
Am Gillenfelder Advents- und Frühlingsmarkt gab es Orgelwein zu kaufen. Der Erlös des Kaffee- und Kuchenverkaufs an den Märkten durch die Frauengemeinschaft sowie die Einnahmen am Pfarrfest flossen ebenso in das Projekt wie der Erlös aus dem Verkauf von Federweißem und Traubensaft im Herbst sowie Glühwein und Kinderpunsch im Winter nach den Sonn-
So wurde innerhalb von zwei Jahren ein großes Bewusstsein für die Orgel und damit auch für die Kirchenmusik in Gillenfeld geschaffen. Dies zeigte sich auch bei den vielen Aktivitäten und an der überraschend hohen Spendenbereitschaft. So konnten Anfang des Jahres 2016 die Orgelbauer der badischen Orgelmanufaktur ihre Arbeit an dem historischen Instrument aufnehmen. Zuerst wurden die Orgelpfeifen ausgebaut, gereinigt und instandgesetzt. Anschließend wurden vier Register wieder rekonstruiert.
Am Sonntag, 13. März 2016, erfolgte die feierliche Weihe der restaurierten Voitorgel. Der Abt des Klosters Einsiedeln (Schweiz), Urban Federer, weihte die Orgel in einem feierlichen Gottesdienst in der voll besetzten Pfarrkirche ein. Domorganist Josef Still von der Domkirche zu Trier spielte als Erster die restaurierte Orgel. Einzelheiten zur Restaurierung der Orgel hat Kaplan Oliver Seis in der Festschrift „Weihe der restaurierten Voitorgel in der Pfarrkirche Gillenfeld 1902 - 2016" beschrieben und mit vielen Fotos belegt. Unsere junge Organistin Karina Mayer spielt seit ihrer Jugend mit Begeisterung und Engagement diese Orgel, auch in Zeiten von Corona.
Bereits Mitte 2017 konnte die etwa 80.000 Euro teure Renovierung der Orgel restlos bezahlt werden. Kaplan Oliver Seis schreibt als Resümee in seiner Festschrift: „Daher hoffe ich, dass es weitergeht, dass sich Menschen auch nach Abschluss der Renovierungs- und Restaurierungsarbeiten von der Voitorgel Gillenfeld begeistern lassen: Für die Orgel und für den, der sie spielt. Viele Menschen begleitet unsere Orgel zu den wichtigsten Ereignissen in ihrem Leben."
von Ralf Mayer, Gillenfeld
Auf Dorfes höchstem Platz steht sie
seit tausenden von Tagen.
Gillenfelder höret hin,
die Instrumentenkönigin,
die will euch etwas sagen.
Mit jedem Ton und jedem Klang,
mit jedem ihrer Lieder
dringt sie zur Freud' durch jedes Ohr
bis tief in eure Herzen vor
aufs Neue immer wieder,
Die Orgel hat im Lauf der Jahre
manches Fest getragen, ob Freude, Trauer, Festlichkeit,
Frau Königin hielt stets bereit
Musik zu diesen Tagen.
Die Orgel spiel für dich und mich,
doch weiß man's auch zu schätzen?
Bedenke stets, wie's ohne wäre,
statt Musik nur stumme Leere:
Man kann sie nicht ersetzen!
Am heut'gen Tage spielt sie nun,
das Warten hat ein Ende;
rund erneuert und poliert,
von Meisterhand mit Gold verziert
dank euer aller Hände!
Auf Dorfes höchstem Platz steht sie
auch noch in tausend Tagen.
Gillenfelder, höret hin,
die Instrumentenkönigin,
die will Danke sagen.