Mein liebstes Weihnachtsgeschenk

Kindheitserinnerungen aus der Kriegszeit in der Eifel

von Klaus Thewes, Birresborn

Es war zur Weihnachtszeit Anfang der 1940er Jahre. Ich war etwa vier oder fünf Jahre alt. Bei uns im Haus waren Soldaten einquartiert. Einer von ihnen — ich glaube, er war aus Aachen — meinte es immer gut mit mir und schenkte mir an Weihnachten ein Pferdegespann mit einem Molkereiwagen hintenan. Das war für diese Zeit ein ganz besonderes, außergewöhnliches Geschenk!

Das Pferdchen war aus Holz und mit echtem weißem Fell überzogen. Es stand auf einem Holzbrettchen und hatte Räder. Geschmückt war es mit echtem Lederzaumzeug und wurde als Einspänner mit zwei Ketten am Wägelchen befestigt. In diesem konnte man kleine Milchkannen transportieren; sechs Stück passten darauf. Mein Vater band ein Seil vorne beim Pferd an, so konnte ich stolz damit durch die Stube ziehen.

Das gefiel auch meinem Kater Fritzchen. Er lief dem Wägelchen immer hinterher. So kam mir die Idee, ich könnte ihn ja auch mal den Karren ziehen lassen. Fritzchen wurde also vor den Wagen gespannt und flitzte damit durchs Haus. Doch es dauerte nicht lange, da sprang der Kater samt Wägelchen durchs Fenster, und entzwei war der Anhänger. Um dem Pferdchen dieses Schicksal zu ersparen, packte meine Mutter es weg, und fortan durfte ich nicht mehr damit spielen.

Später, als ich verheiratet war, zog auch meine Mutter zu uns und mit ihr das Pferdchen. Doch weiterhin blieb es ein geheimnisvolles Heiligtum. Auch meine Kinder durften nicht damit spielen - nur anschauen! Heute können unsere Enkel es in der Puppenvitrine meiner Frau anschauen. Und dürfen auch damit spielen ...

Überraschung unterm Weihnachtsbaum

Auch diese Begebenheit spielt sich in meiner frühesten Kindheit zur Weihnachtszeit ab. Mein Vater war Schuster. Nebenher hatten wir Landwirtschaft, etwas Vieh und Hühner. Zu dieser Zeit fertigte er viele Arbeitsschuhe. Das Leder bezog er von einer Gerberei aus Kyllburg. Dazu fuhr er mit dem Zug von Mürlenbach nach Kyllburg. Abends kam er mit einem Sack zurück, in dem sich ein Ballen Leder befand. Damit ging es in die „kleine Stube", die selten benutzt und nicht beheizt wurde, außer an Feiertagen und an Weihnachten. Dort wurden der Weihnachtsbaum und die Krippe aufgestellt. Es war zu der Zeit üblich bei uns, dass das Christkind über Nacht kam.

Der kleine Klaus ging also am Weihnachtsmorgen in die „kleine Stube", doch er fand kein Geschenk für sich unterm Tannenbaum. Da sagte der Vater: „Ei, geh noch mal, schau genau!" Doch da lag nur der Sack, in dem Vater immer das Leder transportierte. Damit tu ich doch nichts, da ist nur Leder drin, dachte ich. Doch nachdem ich das Band aufgezogen hatte, lugten zwei Holzgriffe aus dem Sack. Es war eine kleine Schubkarre aus Holz. Oh, wie ich mich freute! Nun konnte ich endlich der Mutter und der Tante beim Füttern helfen!