Bischof Mannay besucht den Kanton Daun

von Alois Mayer, Daun-Pützborn

Charles oder Karl Mannay wurde am 13. Oktober 1745 in Champeix (Auvergne) geboren. Mit 18 Jahren begann er sein Philosophie- und Theologiestudium in Paris. Am 30. März 1770 wurde er in Paris zum Priester geweiht, und fünf Jahre später promovierte er an der Sorbonne. 1778 erhielt er seine Ernennung zum Generalvikar und Domkapitular im Erzbistum Reims. Als 1789 die französische Revolution ausbrach, floh er, um der beginnenden Priesterverfolgung zu entrinnen, nach England und dann nach Schottland und kehrte erst nach Unterzeichnung des Konkordats und der gewährten Amnestie von 1801 nach Frankreich zurück.

Clemens Wenzeslaus, letzter Erzbischof und Kurfürst von Trier, hatte auf Bitten des Papstes im April 1802 freiwillig sein Amt niedergelegt. Daraufhin wurde am 12.7.1802 Karl Mannay durch Vermittlung seines Schülers Charles-Maurice de Talleyrand-Perigord (= französischer Staatsmann und Diplomat während der Französischen Revolution, der Napoleonischen Kriege und beim Wiener Kongress) von Napoleon zum Bischof von Trier eingesetzt. Er erhielt jedoch erst sechs Tage später, am 18. Juli 1802, die Bischofsweihe. Seine Einführung in das vom Erzbistum zum Bistum abgestufte Trier war am 26.September. Die Bestätigung von Papst Pius VII. folgte am 13.11.1802.

In Trier wurde Bischof Mannay anfangs äußerst misstrauisch aufgenommen, zum einen, weil er als Franzose kein Wort Deutsch sprach und es so zu Kommunikationsproblemen kam, und zum anderen warf man ihm als Napoleons Gefolgsmann eine allzu große ergebene Unterwürfigkeit der französischen Obrigkeit gegenüber vor. Jedoch erwiesen sich diese devote Haltung und seine guten Verbindungen nach Paris als vorteilhaft für das Bistum Trier. Viele Missstände ließen sich so schneller beseitigen und Verbesserungen erreichen. Der Trierer Dom, der jahrelang als Lagerhalle missbraucht worden war, wurde wieder zum Gotteshaus, die MatthiasBasilika, die Liebfrauenkirche und die Stiftskirche Paulin vor der Säkularisation gerettete und die Springiersbacher Klosterkirche vor der Zerstörung bewahrt, indem der Bischof sie zur Bengeler Pfarrkirche weihte. Ferner erreichte er bei Napoleon 1804 die Rückgabe der säkularisierten Stiftungsvermögen des Domes und der ehemaligen Jesuitengüter (Gymnasium und Seminar), veranlasste die Rückführung des Heiligen Rocks von Augsburg nach Trier, überzeugte 1811 Borromäe-rinnen aus Nancy, sich in Trier niederzulassen, u.a. mehr.

Zu seinen Hauptverdiensten jedoch zählt bis heute der Neuaufbau seiner Diözese, die Reorganisation von Dekanaten, Pfarreien und Institutionen als auch die Ausbildung von Priestern (Gründung des Priesterseminars) und die Unterstützung für die 1810 von Dewora gegründete Anstalt für die Lehrerausbildung in seinem Bistum.

All dies schuf ihm wachsende Sympathien beim Volk, das es auch zu schätzen und zu würdigen wusste, dass Bischof Mannay recht anstrengende Reisen in seinem Bistum unternahm, um sich persönlich vor Ort ein Bild vom Zustand einzelner Pfarreien, dem Wirken von Geistlichen, der kirchlichen Verwaltung und den Sorgen der Bevölkerung zu machen.

Gegen Ende der französischen Besatzungsherrschaft, als die Preußen die linksrheinischen Räume übernahmen, bedrängten diese den ihnen unbeliebten und unbequemen Trierer Bischof Mannay, auf sein Amt zu verzichten. Nach Napoléons endgültigem Sturz legte Mannay am 4. August 1816 sein Bischofsamt nieder und kehrte am 11. November nach Frankreich zurück. Die preußische Regierung sicherte ihm eine lebenslängliche Pension zu, und der der Papst ernannte ihn 1820 zum Bischof von Rennes, wo er am 5. Dezember 1824 verstarb.

In Trier erinnert heute die „Charles-Mannay-Straße" im Stadtteil Feyen-Weismark an den ersten Bischof im neugeschaffenen Bistum Trier.

Charles Mannay (* 1745 in Frankreich; +1842 in Frk), der erste Bischof im neuen Bistum Trier (1802-1816). Er besuchte im Jahre 1803 den Kreis Daun.


Visitationsreise im Kanton Daun

Als nach der Revolution 1789 in Paris französische Revolutionstruppen bereits 1794 die linksrheinischen deutschen Räume besetzten, begannen sie mit grundlegenden Reformen und Umstrukturierungen politischer und kirchlicher Gegebenheiten.

So teilten sie die eroberten Gebiete zwischen Maas, Rhein und Mosel in Departements ein. Bedeutsam für den Prümer Raum wurde das Saardepartement, mit dem zentralen Verwaltungssitz Trier. Dieses Saardepartement wurde weiter gegliedert in vier Arrondissements: Trier, Birkenfeld, Prüm und Saarbrücken. Das Arrondissement Prüm gliederte sich in neun Friedens-Gerichtsbezirke oder Kantone: Blankenheim, Daun, Gerolstein, Kyllburg, Lissendorf, Manderscheid, Prüm, Reifferscheid und Schönberg.

In Frieden von Luneville am 9. Februar 1801 wurde das linke Rheinufer völkerrechtlich an Frankreich abgetreten. Am 15. Juli 1801 erfolgte die Abschließung des Staatskirchenvertrages zwischen Napoleon und Papst Pius VII. Dieser sah eine völlige Neueinteilung von Bistümern des gesamten französischen Gebietes vor. Ab diesem Datum endete das bisherige Erzbistum Trier, und an seine Stelle trat die neue erheblich verkleinerte Diözese Trier, die im Umfang im Wesentlichen identisch war mit dem Saardepartement.

Deren erster Bischof wurde der Franzose Charles Mannay, der sich der großen und mühevollen Aufgabe stellte, eine neue Bistumseinteilung (Pfarrbezirke mit den zugehörigen Ortschaften) vorzunehmen. Die ersten Organisationspläne entstanden Ende 1802 bis zum Frühjahr 1803, wurden im März 1803 dem Trierer Präfekten zur Genehmigung vorgelegt und durch bischöflichen Erlass vom 9. Mai 1803 an die Geistlichkeit und die Gläubigen der Diözese bekannt gegeben.

Um sein neues Bistum näher kennen zu lernen und sich von der Umsetzung und Wirksamkeit dieser neuen Organisation persönlich zu überzeugen, trat Bischof Mannay am 4. August 1803 seine Visitationsreise an. Begleitet wurde er von seinem Generalvikar Anton Cordel *1 sowie seinem Sekretär Simon Garnier *2, beide Mitglieder des neuen Trierer Domkapitels. Die Ergebnisse dieser Visitationsreise wurden protokollarisch niedergeschrieben, sowohl in Deutsch durch Cordel, der auch als Dolmetscher für den französisch sprechenden Bischof fungierte, und in französisch durch Garnier. Im Folgenden werden lediglich die bedeutsamen Notizen jener Visitationsreise 1803 wiedergegeben, die die Pfarreien und Filialen des ehemaligen Kantons Daun betreffen, mit Zusatzbemerkungen über den heutigen Ist-Zustand.

Die Besuchskommission begann ihre Visitationsreise am 3. August 1803 in den Kantonen Wadern, Birkenfeld, Hermeskeil, Büdlich und war am 17. August im Kanton Kyllburg, am 19.8. im Kanton Prüm und ab 1. September im heutigen Landkreis Vulkaneifel


1. September 1803: Fahrt von Blankenheim nach Lissendorf *3

Am 1. September reiste die Kommission von Blankenheim nach dem drei Stunden entfernten Lissendorf. „Ankunft hierselbst gegen 12 Uhr mittags. Durch einen Boten bestellte man hierhin den Pfarrer Lux von Niederbettingen, um Auskunft über die Filiale Oberbettingen zu erhalten. Bei seiner Ankunft berichtete er, Niederbettingen *4 sei in der Mairie *5 Hillesheim, die Filiale Bewingen in einer anderen und Oberbettingen in jener von Lissendorf gelegen. Der Maire (= Bürgermeister) von Hillesheim habe den Zusatz von der Pfarrei auf vier Malter Korn und vier Malter Hafer gesetzt. Die Armen wollten den Dreißigsten geben, die Reichen aber nach Köpfen zahlen. Bewingen sei bereit zum Beitrag, Oberbettingen verweigere alles, da es den Pfarrer am Ort wolle. Nach der Organisation hätten sie seine Kirche gemieden, jedoch seit Maria Himmelfahrt wieder besucht. Früher hätten sie von Hillesheim aus eine Frühmesse gehabt und den dritten Sonntag den Pfarrdienst usw. Man beschloss, die Sache in Oberbettingen selbst zu prüfen.

Hierauf wurden Abgeordnete der Filiale Schönfeld bei Stadtkyll gehört, die über den ihnen zugeschickten Vikar Klage führten. Er habe zum Transport seiner Möbel 16 Pferde verlangt, der Ort habe deren aber nur 10, den Beigeordneten habe er nicht einmal Zeit gelassen, die Gemeinde zusammen zu berufen, um sein Gehalt festzusetzen, sich nach kaum einer Viertelstunde wieder entfernt. Sie bäten daher um einen anderen Vikar. Es wurde ihnen hierauf bemerkt, sie sollten zuerst den Unterhaltfür den Pfarrer festsetzen, dann durch diesen um einen Vikar mit Angabe seines Gehaltes nachsuchen. Man beschloss dann, aus all den Ortschaften, welche ständige Vikare haben, Vertreter kommen zu lassen und sie ernstlich darauf aufmerksam zu machen, dass sie dieselben verlieren würden, wenn sie nicht für einen standesgemäßen Unterhalt ihrer Pfarrer sorgten."

Anm.: Vermutlich gab es in Schönfeld bei Stadtkyll schon im 15. Jahrhundert eine dem hl. Matthias geweihte Kapelle. 1865 war sie baufällig, wurde im Frühjahr 1866 abgerissen und 1868 durch einen Neubau ersetzt. Schönfeld mit seinen 17 Häusern um 1800 war stets Filiale der Pfarrei Stadtkyll. Von 1668 wohnte dort ein Vikar, der zu allen Pfarrdiensten verpflichtet war. Ihm wurde 1799 ein (Pfarr)Haus erbaut. Jener Vikar, über den die Schönfelder sich beklagten, war Lambert Ballmann *6

2. September 1803: Firmung und Konferenz in Lissendorf

„Am 2. September wurden gefirmt von Lissendorf 213, Alendorf (jetzt Erzdiözese Köln) 108, Bärendorf (= Berndorf) 69, Duppach 43, Esch 100, Glaadt 54, Niederehe 85, Stadtkyll 160, Uxheim 76, Wiesbaum 88 Firmlinge. Es herrschte die schönste Ordnung und erbauliche Andacht7.

Die Kirche von Lissendorf war im Jahre 1796 zum Teil verbrannt; der Turm ist wieder aufgebaut; das Dach noch mit Stroh gedeckt; sie bedarf überhaupt noch mancher Reparatur, doch besitzt sie schön und gut gehaltene Paramente, auch die nötigen heiligen Gefäße usw. Das Pfarrhaus dagegen ist ein altes Gebäude mit vielen Mängeln, besonders der Kirchhof und ein altes Beinhaus waren sehr verfallen. Der Maire und Gemeinderat wurden ernstlich ersucht, diesen Übelständen abzuhelfen, auch für den Pfarrer einen Zusatz zu bewilligen, widrigenfalls die Kantonspfarrei anderswohin verlegt würde.

Anm.: Die alte Kirche in Lissendorf "St. Dionysius", eine fränkische Gründung, kann bereits 1148 einen eigenen Pfarrer ausweisen und wird 1257 erwähnt. 1796 brannte der Kirchturm und erhielt danach einen neuen „von links nach rechts gewundenen Helm". Bei diesem Feuer wurden auch die drei Glocken zerstört. Die französische Regierung schenkte Lissendorf eine Glocke aus dem säkularisierten Kloster Steinfeld. 1889 konnte ein Kirchenneubau eingesegnet werden. Zur gleichen Zeit wurde auch das „alte Pfarrhaus mit den vielen Mängeln" und nur fünf Zimmern durch ein neues Pfarrhaus mit neun Zimmern ersetzt.

Es wurde versprochen, dem jeweiligen Pfarrer einen größeren Zusatz als Vergütung zu gewähren. Die arme Gemeinde konnte jedoch erst 1830 ihr Versprechen einlösen und dem Pfarrer 18 Malter Hafer und 17 Malter Korn liefern.

Heute hat die Pfarrei Lissendorf die Filialen Basberg, Birgel und Gönnersdorf und gehört seit 2011 mit 8 weiteren Pfarrgemeinden zur Pfarreiengemeinschaft Obere Kyll im Dekanat Vulkaneifel.


3. September 1803: Oberbettingen, Niederbettingen, Sarresdorf

„Auf der Fahrt von Lissendorf nach Sarresdorf stieg man in Oberbettingen aus, wo der Pfarrer Lux von Niederbettingen den Bischof an der Kirche empfing. Auf dem Kirchhof wurden die Beschwerden der Vertreter der Gemeinde angehört, welche die Pfarrkirche wieder für sich beanspruchten. Trotz der Bereitwilligkeit, ihnen soweit als möglich entgegenzukommen, wurde ihnen bemerkt, dass die Lage ihres Ortes sich nicht dazu eigne. Zudem sei ihre Kirche zu klein, auch fehle ein Pfarrhaus. Abwechselnd mit Niederbettingen den Pfarrgottesdienst zu gestatten, sei gegen das Gesetz. Es wurde ihnen angeboten, durch einen Vikar von Niederbettingen eine Frühmesse lesen zu lassen. Damit wollten sie sich nicht begnügen. Wenn ihrem Begehren nicht willfahrt werde, so würden sie jeden Beitrag zum Unterhalt des Pfarrers verweigern. Ohne etwas erreicht zu haben, wurden sie auf den folgenden Tag nach Sarresdorf bestellt."

Anm.: Die St. Nikolaus-Kapelle in Oberbettingen ist seit 1658 schriftlich bezeugt, war bis 1750 eine eigenständige Pfarrei (was Historiker bezweifeln) und wurde dann der Pfarrei Niederbettingen zugeordnet. Die „zu kleine" Kirche wurde 1827 und 1847 vergrößert. Heute befindet sich Oberbettingen als Filiale von Niederbettingen zusammen mit den Pfarreien Berndorf, Hillesheim und Wiesbaum in der Pfarreiengemeinschaft Hillesheim.

„In Niederbettingen dagegen fand man eine schöne und geräumige mit allem Notwendigen versehene Kirche, auch ein ziemlich gutes Pfarrhaus. Sodann hörte man die Vertreter der Gemeinde, hielt den reicheren vor, wie Unrecht es sei, die Kosten des Unterhalts für den Pfarrer hauptsächlich der ärmeren Bevölkerung zu überlassen, und bestellte sie ebenfalls auf den folgenden Tag nach Sarresdorf um doch die bindende Erklärung überreichen, wie viel der Pfarrer erhalten soll."

Anm.: Die jetzige Kirche in Niederbettingen hatte drei Vorgängerkirchen (im 9. Jahrhundert, um 1500 und 1749 erbaut), alle dem hl. Petrus als Kirchenpatron geweiht. 1803 war der bauliche Zustand gut. Das „ziemlich gute Pfarrhaus", vermutlich 1593 errichtet, war 1680 gründlich restauriert worden, wurde aber 1829, als ein neues Pfarrhaus erbaut wurde, zu Ökonomiegebäuden umfunktioniert. Die neue Pfarrkirche, weithin als „Eifeldom" bekannt, war im Jahre 1897 vollendet und wurde dem hl. Herzen-Jesu geweiht. Aus der Vorgängerkirche mit übernommen wurden der Taufstein von 1682 und Holzstatuen aus dem 17.Jh. Zur Pfarrei gehören neben Niederbettingen heute die Orte Oberbettingen, Dohm-Lammersdorf und Bewingen.

„Es war ein 14:30, als man in Sarresdorf anlangte. Eine Viertelstunde vor dem Ort von dem Bürgermeister und Munizipalrat empfangen, nachher von dem Pfarrer und der Prozession. Sarresdorf selbst besteht nur aus der Kirche, die ziemlich schön und mit dem Notwendigen versehen ist, dem Pfarrhaus, auch im Allgemeinen in gutem Stande, und einem verfallenen Haus, das dem Küster gehörte. Nach Tisch ging man gegen Abend auf einem schlechten Weg der Kyll entlang nach der Filiale Lissingen, wo sich eine zwar kleine, aber schöne und mit allem zum Pfarrdienst Erforderlichen versehene Kirche fand. Die Munizipalrat wurde erklärt, es müsse, wenn Lissingen einen eigenen Seelsorger haben sollte, ein Pfarrhaus gebaut werden, dass es aber bei dem beginnenden Mangel an Geistlichen ungewiss sei, wie lange sie ihn behalten würden. Das sollten sie alles in Betracht ziehen und am nächsten Tage sich weiter erklären."

Anm.: Gegen 1075 war Sarresdorf, heute Stadtteil von Gerolstein, eine selbständige Pfarrei, der Muttergottes geweiht. Das Entstehungsjahr des ersten Pfarrhauses in Sarresdorf ist nicht bekannt, doch dürfte es zeitgleich mit dem Bau einer ersten Kirche entstanden sein. Beim Bau wurden römische Scherben und mittelalterliche Keramikteile gefunden, die darauf hinweisen, dass das Pfarrhaus auf einem älteren Bauwerk errichtet wurde. 1760 schreibt der Pastor von Sarresdorf in sein Lagerbuch: „Sarresdorf ist von alterss auch ein Dorff gewesen, haben doch den Orth die Einwohner verlassen und seyend wegen der Freyheit in den Flecken Gerolstein gezogen, also die Kirch, pfahrhaus und Hoff sambt dem Custerhaus allein geblieben". Im Jahre 1763 hatte zwar schon der erste Gottesdienst in der neuen Kirche in Gerolstein stattgefunden, aber noch 1830 wohnt der Pfarrer in Sarresdorf. Die alte Kirche, die ehemals auf dem Kirchhof neben dem alten Pfarrhaus stand und deren Kirchenschiff 1728 gründlich renoviert worden war, wurde 1812 bis auf das Chor, in dem sich bis 1831 noch der Hochaltar aus Holzwerk, etliche Statuen und Gemälde befand, abgerissen. (Die Gerolsteiner Pfarrkirche „St. Anna", 1811-13 neu erbaut, übernahm als Inventar die Orgel von 1747, den Taufstein von 1709 und die alte Glocken.) Der noch in Sarresdorf wohnende Pastor feierte „wegen Kränklichkeit" bis 1830 in diesem Chor die heilige Messe. Am 14. Juni 1830 genehmigte Trier den Abbruch auch des Chors, der dann am 2. Januar 1832 auf Abbruch verkauft wurde. 1834 zog der Pastor von Sarresdorf nach Gerolstein und das Pfarrhaus mit Genehmigung des Bischöflichen Vika-riats verkauft. Heute befindet sich Im gut erhaltenen Sarres-dorfer Pfarrhaus das Heimatmuseum Gerolstein.

Wackenroder Pfarrhaus der ehemaligen Pfarrei Sarresdorf-Gerolstein, jetzt Heimatmuseum


4. September 1803: Firmung und Konferenz in Sarresdorf

„Am folgenden Tag 4. September, wurden gefirmt von Sarresdorf 323, Neroth 54, Niederbettingen 87, Oberehe 59, Rockeskyll 205, Roth 86, Salm 31, Walsdorf 133, Hillesheim 181 *8. In der Konferenz am Nachmittag wurde beschlossen, dass die Filiale Brück von Oberehe nach Dockweiler zurückkehren, Heyroth bei Niederehe bleiben und Stroheich nach Oberehe zurückkommen soll."

Anm.: Diese Zusammengehörigkeit ist noch heute stimmig: Brück (zusammen mit Dreis und Betteldorf) ist Filiale der Pfarrei Dockweiler „St.Laurentius"; Heyroth (zusammen mit Kerpen und Loogh) Filiale der Pfarrei Niederehe „St. Leodegar" und Stroheich Filiale der Pfarrei Oberehe „St. Jakobus d.Ä."

„Den Abgeordneten von Oberbettingen wurde nach vielem Hin und Herreden auf Antrag des Pfarrers von Niederbettingen selbst ein ständiger Vikar in der Person eines pensionierten Geistlichen, welcher aber keine Amtshandlung usw. ohne Vorwissen des Pfarrers vornehmen dürfe, zugestanden. Abgeordnete von Lissingen bestanden wieder darauf, eine eigene Pfarrei zu erhalten. Es wurde ihnen aufgegeben, eine diesbezügliche von allen Gemeindemitgliedern unterzeichnete Bittschrift einzureichen, in der sie sich verpflichteten, Haus usw. für den Pfarrer zu bauen und alle Kosten für dessen Unterhalt zu bestreiten."

Anm.: Lissingen, ehemals Filiale von Mürlenbach, besaß eine alte Dorfkapelle „St. Margaretha" aus dem 14. Jh. Fast baufällig wurde sie 1800 soweit renoviert, dass in ihr weiterhin Gottesdienst gestattet wurde. Ein Kirchenneubau erfolge 1934/35. Die Lissinger entschieden sich letztlich, als Filiale in der Pfarrei „St. Anna" Gerolstein (zusammen mit Büscheich, Gees, Hinterhausen, Michelbach) zu bleiben und seit 2011 in der Pfarreiengemeinschaft „Gerolsteiner Land" mit den Pfarrorten Gerolstein, Rockeskyll, Birresborn, Roth, Mürlenbach, Densborn und Duppach.


5.September 1803: Abreise von Gerolstein nach Daun

„Nach Gerolstein ging man zu Fuß, besah hier die Kapelle im „gemeinen Haus", bewilligte in derselben bis Ostern die Frühmesse und riet der Gemeinde, Pfarrkirche und Haus von Sarresdorf hierhin zu verlegen, und fuhr über Pelm, Berlingen, Hohenfels, Kirchweiler, Steinborn, Pützborn, an welchen Orten überall Kirche usw. besichtigt und die kirchlichen Verhältnisse geprüft wurden, und langte abends in Daun an, feierlich in Prozession empfangen."


6.September 1803: Firmung und Konferenz in Daun

„Die Firmung am folgenden Tage, 6. September, wurde gespendet 176 Firmlingen von Daun, Darscheid 189, Demerath 85, Dockweiler 114, Gillenfeld 130, Hilgerath 142, Kirchweiler 82, Neunkirchen 125, Mehren 114, Niederstadtfeld 53, Schalkenmehren 41, Udersdorf40 *9. Bei der Konferenz am Abend wurde nach Prüfung der verschiedenen Reklamationen und Bittschriften beschlossen, dass Steiningen (Pfarrei Demerath) zu Mehren zurückkehren soll, Hohenfels bei Kirchweiler bleiben, die Hilfspfarrei zu Darscheid, weil Utzerath nur ein kleines Kapellchen, kein Pfarrhaus hat, zudem die größte Zahl der Pfarrangehörigen näher nach Darscheid haben. Das Verlangen der Steineberger, nach Mehren zurückzukommen, wurde abgeschlagen. Der Kantonspfarrer Wrangel10 erhielt die Befugnis, erledigte Pfarreien provisorisch verwalten zu lassen.

Anm.: An der Zuweisung von 1803 hat sich bis heute nichts geändert. Steiningen „Hl. Mauritius" wurde aus der Pfarrei Demerath gelöst und der Kirchengemeinde „St. Matthias" Mehren (Pfarreiengemeinschaft Gillenfeld) zugeordnet. Die dem hl. Silvester geweihte Kapelle in Hohenfels war anfangs Filiale von Kirchweiler und wurde jährlich abwechselnd seitens der Pfarrei Kirchweiler und Dockweiler betreut. Sie wurde 1719 durch einen Neubau ersetzt. 1892 ist sie erneut baufällig und wird 1894 200 Meter nordöstlich in Richtung Betteldorf durch einen Neubau ersetzt. Heute gehört Hohenfels-Essingen mit Pelm und Berlingen zur Pfarrei Rockeskyll. Erst Mitte des 14. Jahrhunderts ist Darscheid urkundlich gesichert, war aber stets Filiale von Mehren St. Matthias im Eifeldekanat des Erzbistums Köln, besaß ebenfalls früh eine eigene Kapelle, in der bereits 1574 der Pastor von Mehren eine Wochenmesse zelebrierte. Darscheid „Heilig Kreuz" wurde am 13.5.1803 eigene Pfarrei mit den Filialkapellen Hörscheid (bis dahin Pfarrei Daun), Schönbach (vorher Uess) und Allscheid (vorher Mehren, seit 1852 Wüstung), Utzerath (vorher Uess), Hörschhausen und Katzwinkel. Die beiden letzteren Filialen wurden jedoch 1805 wieder abgetrennt und der Pfarrei Uess zugewiesen. Am 1. September 2011 wurde die Pfarreiengemeinschaft Gillenfeld im Dekanat Vulkaneifel errichtet. Utzerath „St. Antonius", bis 1803 Filiale von Uess; versuchte jahrzehntelang vergeblich eine Wiedereingliederung nach Uess; ist bis heute Darscheid zugehörig. Steineberg „St. Franziskus" kam nicht nach Mehren, sondern gehört zur Pfarrei Demerath „St. Peter und Paul".

Vertretern von Schalkenmehren wurde eingeschärft, ihrem greisen Pfarrer Hannapel *11 einen größeren Zusatz zu bewilligen, wollten sie ihn nicht samt der Pfarrei verlieren. Sie entgegneten, sie hätten ihm den Dreißigsten bewilligt, aber seine Haushaltung koste ihn durch die verschwenderische Familie seines Bruders, die er bei sich aufgenommen, zu viel. Hier müsse erst Änderung geschaffen werden, ehe ihm selbst geholfen werden könne."

Nikolauskirche Daun um 1920, am 3.1.1945 durch Bomben gänzlich zerstört


7. September 1803:

Von Daun nach Manderscheid

„Auf der Fahrt von Daun nach Manderscheid, 7. September, besah man zuerst in Pützborn die ungemein schöne Kapelle, fuhr dann weiter nach Oberstadfeld, dessen Vorsteher dringend um Errichtung einer Pfarrei anhielten. Die diesbezügliche Entscheidung solle ihnen am folgenden Tag in Manderscheid mitgeteilt werden. Die Kirche hat zwei kurze Schiffe, jedes mit einem schlechten Altar, in der Mitte behindert ein dicker Pfeiler sehr dem Blick auf den Hochaltar. Die ganze Ausstattung dürftig und mangelhaft, während jene in dem nur 21 Minuten entfernten Niederstadtfeld ziemlich groß und leicht noch zu vergrößern ist, außerdem alles Notwendige in gutem Zustande besitzt. Das Pfarrhaus ist zwar baufällig, doch soll ein neues gebaut werden. Auf der Weiterreise besichtigte man Schutz, dessen Bewohner nach ihrer früheren Pfarrei


8. September 1803: Firmung und Konferenz in Manderscheid

„Am folgenden Tage, 8. September, wurden ge-firmt von Manderscheid 111, Bleckhausen 24, Brockscheid 45, Deudesfeld 22, Greimerath 45, Großlittgen 40, Landscheid 67, Niederscheidweiler 26, Niederöfflingen 62, Strohn 40, Strotzbüsch 79 Firmlinge. Nach Tisch um 6 Uhr erschienen die Abgeordneten von Weidenbach, Pfarrei Meisburg, denen die Hilfspfarrei bewilligt wurde. Die Meisburger haben nun allein für den Unterhalt des Pfarrers zu sorgen, widrigenfalls sie Weidenbach oder Deudesfeld zugeteilt werden sollen. Oberstadfeld erhält nicht die Pfarrei, doch wurde ihnen eine Frühmesse zugestanden."


Quellen:

www.dilibri.de/ubtr/periodical/page-view/5204l?query=Mannay%20Seite

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