Rasen(der) Roboter

von Margret Heinzen, Feusdorf



Neulich hatte ein Arbeitskollege die Idee, sich beim Rasenmähen eine Menge Arbeit zu sparen, pflegt er doch auch noch die Grünflächen seiner entfernt wohnenden Eltern mit. Ein Werbeblättchen gab letztlich den Ausschlag - ein Rasenroboter sollte her! Preis und Leistung waren in Ordnung, und so schlug mein Kollege zu. Die nötigen Bodenvorkehrungen wurden getroffen, und stolz wie Oskar trug er seine neue Errungenschaft schließlich dem künftigen Einsatzort entgegen. Die Nachbarin begrüßte ihn auch schon gleich mit einem freundlichen ,Hallo, Herr Schmitt!' und kam auf einen kleinen Schwatz herbei: ,Ach, haben Sie sich auch einen Rasenroboter gekauft? Hach, wir möchten unseren ja nicht mehr missen! Seit wir den haben, haben wir endlich einmal Zeit im Garten zu sitzen und einen Kaffee zu trinken. - Ach nein, wie interessant, Sie haben ja genau das gleiche Modell wie wir! Na, dann schließen Sie Ihr Goldstück mal in Ruhe an. Sie werden begeistert sein! Bis später dann, Tschühüüss...'. Sprachs und entschwand ins Haus, ohne meinem Kollegen auch nur den Hauch einer Chance auf eine Gesprächsbeteiligung zu lassen.

Mit einem leichten Kopfschütteln widmete mein Kollege sich wieder seiner Arbeit; er wollte das gute Stück ja schließlich bald ans Laufen bringen. Die Schleifen im Boden waren bereits verlegt, und nun wollte er die Ladestation noch ein wenig chic machen. Ein bisschen ins Gelände eingepasst, sieht das Ganze doch gleich viel besser aus. Soo, jetzt nur noch diese zwei Käbelchen einstecken, und die Testfahrt kann beginnen... Sobald der Strom floss, setzte sich der kleine Helfer brav in Bewegung in Richtung seiner Ladestation. ,Erst einmal etwas frühstücken', das war wohl seine Devise. Mein Kollege nutzte die Zeit, um sein Werkzeug zusammen zu räumen, als er plötzlich hinter sich, aus Richtung Nachbars Garten, erst ein Surren und dann ein Rumpeln, Pumpeln und Poltern hörte. Er drehte sich um und sah Nachbars Rasenroboter fröhlich und munter auf sich zu kommen. Quer über den gepflasterten Weg mit der Steintreppe, welche beide Grundstücke voneinander trennte. In der Zwischenzeit kam auch der eigene Helfer gesättigt von seiner Ladestation und fuhr ordnungsgemäß mähend, kreuz und quer über den Rasen. Nachbars Ausreißer tat es ihm gleich, eng an der Seite des anderen. Na, da schien aber einer mächtig verknallt zu sein! Fast sah es aus, als tanzten die beiden miteinander Tango.

Ob mein Kollege nun einer folgenreichen Liaison der beiden zuvorkommen und er einfach keine kleinen Rasenroboter-Welpen hüten wollte, ich weiß es nicht. Jedenfalls fing er seinen eigenen Schützling ein und zog kurzerhand den Stecker. Zack, Ruhe. Just in diesem Moment verlor auch der Grenzgänger das Interesse und fuhr in Richtung seiner heimischen Ladestation. Allerdings kam er nur bis zur Bodenschleife und fuhr dort suchend hin und her. Ein anständiger Rasenroboter übertritt niemals seine Begrenzung, nein, das tut er nicht!! Mein Kollege grifF helfend ein, fing auch Nummer 2 ein und setzte ihn auf der heimischen Seite ab. Und siehe da — er mähte brav „zu Hause" weiter, als wäre nichts gewesen...

Ja, ist es denn zu glauben?? Also der Sache musste aber noch auf den Grund gegangen werden!! Mein Kollege kontrollierte noch einmal alle technischen Details. Alles richtig. Moment. Nee, halt Stopp, die zwei Käbelchen hier, die sind doch verdreht.! Er steckte sie richtig ein und startete erneut eine Testfahrt. Diesmal mit Erfolg: BEIDE Roboter mähten in formvollendeter Eleganz am richtigen Ort.

Nun, was war passiert? Die Zwei haben scheinbar so eine Art identische Funkfrequenz und durch den verkehrt herum gesteckten Stecker meinte der eine, sein Einsatzgebiet sei auf der anderen Seite seiner Bodenschleife.

Ach ja, ob Rasenroboter oder wahres Leben — Strom fließt, es funkt, die große Liebe entflammt und am Schluss erkennt man, dass das Gras anderswo ganz genau so grün ist wie zu Hause...