Dockweiler Kirche und Friedhof

von Dr. Herbert Schneider OFM, Mönchengladbach

Dockweiler gehörte zum Eifelgau, der dem Eifeldekanat entsprach. *1 Im 7. Jahrhundert teilten die Franken das Gebiet zwischen Rhein und Maas in Gaue ein. So entstand auch der Eifelgau. Das Dorf Dockweiler im Eifelgau hat eine lange Geschichte. Bis in die Mitte des 12. Jahrhunderts war es eine pfalzgräfliche Besitzung. Dann wurde der Ort von Pfalzgraf Wilhelm, der letzte seines Geschlechts, an das Stift Springiersbach vermacht. *2 Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts gehörte Dockweiler zur reichsunmittelbaren Herrschaft Kerpen, die zuletzt im Besitz des Herzogs von Arenberg war. Kirche und Friedhof mit Friedhofskapelle sind in Richtung West-Ost angelegt, beginnend seit früher Zeit durch fränkische Christen des Frühmittelalters um die Jahre 600-800 wohl als Holz-Kirche. Im 12. Jahrhundert wurde sie ersetzt durch eine romanische, in Bruchsteinbauweise errichtete Basilika. Aus Unterlagen weiß man, dass der Friedhof schon vor gut 200 Jahren genauso groß war wie heute. Der Friedhof gehört heute der Ortsgemeinde Dockweiler. Seit unter Kaiser Konstantin nach 323 das Christentum Staatsreligion wurde, begann auch der Bau von Kirchen als Basilika, d.h. als Bau des Basileus, des Königs, der nicht der Kaiser, sondern Jesus Christus ist, entlehnt der Bauart der römischen Basiliken. Beim Betreten der Kirche von West nach Ost geht der Weg der Christen aus der Welt in das Gottesreich, wo im Chor auf dem Altar Christus gegenwärtig ist und die Gläubigen empfängt. Die Basilika wird zum Abbild des neuen Jerusalem, der Himmelsstadt, wo die Seligen Heimat haben. Unter Kaiser Karl dem Großen (768-814) lebte diese Kunst wieder auf, jetzt die Kirche aber nicht mehr aus Holz, sondern aus Stein zu bauen. Die Lage West-Ost ist ein Hinweis auf Jerusalem im Osten, dem Ort der Auferstehung Jesu Christi. Auch erwartete man im Osten die Wiederkehr Christi zum Jüngsten Gericht. Somit ist die Kirchen- und Friedhofsausrichtung nicht nur Hinweis auf den Ort des Todes, sondern der Erwartung der Auferstehung in Einheit mit der Auferstehung Jesu Christi. Auch aus der Umgebung, wie z. B. aus Hohenfels, erfolgten daher Beerdigungen auf dem Friedhof in Dockweiler. *3 Die Gräber als Rechteck sind allgemein üblich. Wie der Kirchenbau, so sind auch die Gräber in West-Ost-Richtung angelegt, mitunter sogar die Toten mit ihrem Gesicht nach Osten, sodass auch das Grabmal beim Gesicht der Toten steht. Die Orientierung der Gräber von Westen nach Osten ist wünschenswert, aber nicht zwingend. Beerdigungen durften seit dem 8. Jahrhundert nur noch bei den Kirchen erfolgen. Kirche mit Friedhof und rundum die Anwohner bestimmten das Siedlungsbild des Ortes. Bezeichnend ist, dass auch das Denkmal der Gefallenen des Dorfes im 1. Weltkrieg in west-östlicher Richtung steht.


Der Ort Dockweiler heute


Bekannt ist das Grabmal von Pfarrer Hubert Schmitz, 31 Jahre Pastor in Dockweiler, geboren am 10. Juli 1764, gestorben am 3. August 1836. Auch sein großes Grabdenkmal mit Inschrift ist nach Osten hin gerichtet. „Er war der wärmste Menschenfreund und eifrigste Beförderer alles Gemeinnützigen" heißt es auf der Rückseite seines Grabdenkmals. „Er führte als erster in der Eifel die Schutzimpfung gegen die Blattern ein; mit eigener Hand hat er Tausenden von Kindern geholfen; dann legte er die ersten Baumschulen in der Eifel an." *4 Die Kirche hat eine eigene Struktur mit ihrer Apsis, von den Leuten auch Chor genannt. Die Apsis ist ein halbrunder Raum mit Altar, nachgebildet den römischen Kaiserpalästen. Die Franken haben diesen Stil von den Römern übernommen. Die Christen sagten: Unser Kaiser ist Jesus Christus. Daher erhielt die Kirche eine Apsis mit Altar als Thron. Die Apsis, auch Apside genannt, ist in Dockweiler wie in Niederehe einfach gebildet mit fünf Seiten, aber deutlich in ihrer Aussage. *5 Bei allem Umbau und allen Erweiterungen der Kirche ist der Chor unverändert geblieben.' Er besteht aus einem quadratischen Joch mit Kreuzgratgewölbe. Innen und außen ist er mit Rundbogenblenden gegliedert. An der Seite besteht noch ein spätromanisches Waschbecken auf achteckiger Stütze. *6 Der ursprünglich wohl einschiffige Bau wurde gegen Ende des 12. Jahrhunderts zu einer dreischiffigen Basilika erweitert. Der letzte größere Umbau erfolgte 1903-1904 nach Plänen von Lambert Fisenne, Gelsenkirchen. Der in Nord-Süd-Richtung heute stehende Westbau wurde 1903 errichtet. Der direkte Eingang in diesen Westbau geschieht in der Mitte im Westen und so in die Kirche bis hin zum Chor. Der Westbau hat aber auch einen nord-südlichen Seiteneingang. Dieser Eingang wird am meisten genutzt. Er ist praktisch der Haupteingang. Hinter dem Eingang in der Kirche führt eine Treppe hinauf zur Empore, wo der Chor der Kirchengemeinde beim Gottesdienst singt. Der romanische Westturm wurde ersetzt durch einen neuen Turm nördlich vom Chor. *7 Der Eingang in den Turm erfolgt in NordSüd-Richtung in die Sakristei und aus der Sakristei in den Chor der Kirche.

Entsprechend der nord-südlichen Richtung des Westbaues der Kirche sind auch auf dem Friedhof nun zwei Grabanlagen in nord-südlicher Richtung angelegt. Es kann wohl als Hinweis dienen auf das Leben in der Kirche mit ihrem Zentrum im Süden, dem Petersdom und dem Petersplatz, wo der erste Papst, der Apostel Petrus, sein Martyrium zum Zeugnis für Jesus Christus erlitt und im Petersdom begraben ist. Der/ die Verstobene möge in Gemeinschaft mit den Brüdern und Schwestern der Kirche dem Haupt der Kirche Jesus Christus, dem Auferstandenen, verbunden sein und ihre Zukunft bei Gott haben. In Dockweiler erfolgte auch die Eifelmission der Jesuiten aus Münstereifel als Bestärkung des Lebens der Gläubigen in der Kirche. Vom Grafengeschlecht Pallant-Gladbach wurde den Jesuiten am 9. August 1704 die Eifelmission übertragen und damit auch in Dockweiler. Die Mission wurde vom Volk positiv aufgenommen. So wurden Missionen in Dockweiler bekannt in den Jahren 1736, 1755, 1761 und 1772. *8


Quellen: