Dr. Reinhard Scholzen, Daun-Waldkönigen
Die ältesten Zeugnisse einer Besiedlung der Eifel sind rund 80.000 Jahre alt. Sie stammen aus der Kakushöhle südlich von Mechernich. Wichtige Erkenntnisse über die Frühzeit der Geschichte der Vulkaneifel lieferten Ausgrabungen, die von der „Gesellschaft für Nützliche Forschungen" und seit 1877 vom Rheinischen Landesmuseum in Trier durchgeführt wurden. Die Archäologen sind sicher, dass bereits rund 30.000 Jahre v. Chr. das Buchenloch bei Gerolstein zumindest zeitweise bewohnt war. Deutliche Hinweise auf eine ständige Anwesenheit des Menschen liegen in unserer Heimat aber erst für die jüngere Steinzeit (etwa 4000 - 2000 v. Chr.) vor. Einen bedeutenden Anhaltspunkt für die Sesshaftigkeit der Menschen stellt der Getreideanbau dar, der in unserer Region ab etwa 2500 v. Chr. nachweisbar ist. Eine erste Blütezeit des späteren Landkreises Vulkaneifel setzte um 700 v. Chr. ein. Aus dieser Zeit und den folgenden Jahrhunderten entdeckte man besonders viele Gegenstände des täglichen Gebrauchs, weshalb sich in der Archäologie zunächst die Bezeichnung „Mehrener-", einige Jahrzehnte später dann „Hunsrück-Eifel-Kultur" etablierte. Neben einer großen Zahl von Finger- und Ohrringen, Haarnadeln, Fibeln und Waffen fand man bei Gillenfeld und Steineberg auch bronzene Eimer, die um das Jahr 400 v. Chr. in Norditalien gefertigt wurden. Womöglich wurden diese Situla getauscht mit dem in der Gegend um Hillesheim abgebauten und verarbeiteten Eisenerz. Wegen des hohen Metallanteils des Roteisensteins von mitunter 30 Prozent brachte es auch mit vergleichsweise einfachen Mitteln der Verhüttung einen hohen quantitativen und qualitativen Ertrag. Die gefundenen Blecheimer kann man als Beleg für einen bereits damals existierenden Fernhandel werten, und man darf zu dieser Zeit bereits von einer relativ hohen Einwohnerzahl ausgehen. Dazu passen die keltischen Wohnorte, die unter anderem auf der Steineberger Ley, dem Barsberg bei Bongard und in Daun ausgegraben wurden. Ein weiteres untrügliches Zeichen für eine zunehmende Besiedlung in dieser Zeit liefern mehrere Hügelgräber und Hügelfelder, die unter anderem bei Gillenfeld und Eckfeld, bei Müllenborn und Birresborn entdeckt wurden.
Zu den vergleichsweise unbekannten Funden aus keltischer Zeit zählen mehrere Hügelgräber bei Waldkönigen. In den Jahren 1934/35 lokalisierten Archäologen südöstlich des Dorfes, in der Gemarkung „Rengenernetzt", drei Grabhügel. Im Oktober 1951 wurde einer von Wissenschaftlern des Trierer Landesmuseums geöffnet. Er hatte einen Durchmesser von 15 Metern, die Erhöhung betrug an der Nordseite 60 Zentimeter, an der Südseite waren es 70 Zentimeter. Die Forscher legten einen zwei Meter breiten Schnitt in Nord-Süd-Richtung durch den Hügel an. In einer Tiefe von 1,20 Metern stießen sie auf die Reste einer Bestattung. Sowohl im nördlichen Teil des Schnitts als auch in der Mitte fanden die Prähistoriker Spuren von Holzkohle. In der Hügelmitte war diese rund zwei Meter lang, 25 Zentimeter breit und zwischen 1,2 bis 2 Zentimeter dick. Darin entdeckten sie ein Tongefäß und daneben mehrere verbrannte Knochen. Im Grabungsbericht werden die einzelnen Artefakte aufgelistet: „Ein beschädigtes Gefäß mit etwas ausladender Randpartie, konischem Hals und abgesetzter Schulter. Ton grau bis bräunlich, Reste von Glättung außen. Die Zier besteht aus einem 1,3 cm breiten Fischgrätenband auf der Schulter, Gefäßhöhe 17,5 cm." Die Archäologen fassten zusammen: „Nach dem Gesamtbefund, insbesondere nach dem Vorliegen von Leichenbrand im Gefäß a, haben wir es mit einer Brandbestattung der jüngeren Hunsrück-Eifel-Kultur unter einem Hügel zu tun, der wohl zu den Brandflächenhügeln zu stellen ist." Somit wurde diese Begräbnisstätte in der Zeit um 475 bis 225 vor Christi Geburt errichtet und ist weit älter als 2000 Jahre. Da die Kelten ihre Toten regelmäßig in einiger Entfernung von der Siedlung bestatteten, dürfen wir die Gräber, die unweit der B 421 liegen, als den ersten Friedhof Waldkönigens bezeichnen.
Römische Villa bei Mehring an der Mosel. Von der Größe und Ausstattung war dieser Gutshof durchaus vergleichbar mit dem Gebäude bei Dockweiler
Auf eine kontinuierliche Besiedlung Waldkönigens deutet ein weiterer Fund hin, der wahrscheinlich in die frühe römische Kaiserzeit zu datieren ist. Im Jahr 1847 entdeckten Trierer Archäologen unweit der Gemarkung „Römischen Suer", in der Nähe des Pützbaches, Gräber römischer Soldaten. Darin fanden sie neben verschiedenen Waffen auch Schmuckgegenstände. In welchem Jahr und durch wessen Hand sie ihr Leben lassen mussten, ist nicht sicher nachweisbar. Einiges spricht dafür, dass sie zu den Truppen gehörten, die in den Jahren 21 oder 69/70 nach Christus Aufstände des keltischen Stammes der Treverer niederschlugen.
Für die Folgezeit belegen weitere Funde eine Besiedlung Waldkönigens und der Nachbarorte. Mitte des 19. Jahrhunderts sorgte ein Schatzfund in Hinterweiler für Aufsehen. Am Ernstberg grub man einen Tonkrug mit Münzen aus der Zeit der römischen Kaiser aus. Weil die Römer auf ihren Münzen den aktuellen Herrscher abbildeten, können die Geldstücke genau datiert werden. Die ältesten Stücke, die der Schatz vom Ernstberg enthält, stammen aus der Zeit des Kaisers Hadrian, der von 117 bis 138 das Römische Reich regierte. Die jüngsten Silberlinge wurden in der Regierungszeit des Kaisers Decius geprägt, der von 249 bis 251 die Geschicke Roms bestimmte. Der Münzschatz könnte somit in den Jahren 259/260 vergraben worden sein, als auch die Gebiete westlich des Rheins von Germaneneinfällen erschüttert wurden. In diesen Jahren wurden an vielen Orten befestigte Höhensiedlungen zum Schutz der ländlichen Bevölkerung angelegt. Weitere Münzfunde am Ernstberg konnten in das dritte und vierte Jahrhundert datiert werden, was so zu deuten ist, dass die Kriegszüge der Germanen die Besiedlung der Vul-kaneifel nicht beendeten. Bei Hinterweiler wurde auch der Kopf einer Statue gefunden, die vermutlich eine römische Göttin darstellte. Ein Forscher kam zu dem Ergebnis: „Einiges spricht dafür, den Ernstberg zu den römischen Heiligtümern zu nehmen."
Bis an das Ende der römischen Herrschaft in unserer Region reichen Funde, die aus dem Dockweiler Flur „Unten im Bodem" südlich des Eselsberges stammen. Dort legte man die Reste einer römischen Villa frei, die in der Zeit um 200 bis 300 nach Chr. erbaut wurde. Das Haupthaus hatte die stattliche Größe von 23 Metern Länge und eine Breite von 13,50 Metern. Somit ist es durchaus vergleichbar mit der rekonstruierten römischen Villa bei Mehring an der Mosel oder dem weit verbreiteten gallo-römischen Villentyp, wie er beispielsweise bei Bollendorf an der Sauer errichtet wurde. In den Gebäuderesten bei Dockweiler und in einem nahe gelegenen Weiher sowie der angrenzenden Siedlung fand man zahlreiche Gegenstände des täglichen Gebrauchs, unter anderem Tonscherben, die wegen ihrer Herstellungsmarken auf das Ende des dritten bis in die erste Hälfte des vierten Jahrhunderts datiert werden konnten. Aus der Zeit des Kaisers Konstantin (324 - 361) stammen zwei bei dem Gutshof gefundene römische Münzen, die in Trier geprägt wurden.
Ende des vierten Jahrhunderts endete in unserer Region die Herrschaft der Römer. Die Bevölkerung blieb in ihren angestammten Wohnsitzen und verschmolz einige Zeit später mit den in das linksrheinische Gebiet eindringenden fränkischen Stämmen.