von Bernd Schlimpen, Schalkenmehren
Die „Weide" der bunten Hühner, die sich gerne von den BLeckhausenern, füttern Lassen.
Die 320-Seelen-Gemeinde Bleckhausen an der Wacholderheide hat nach langen Vorbereitungen und Planungen ein wohl einmaliges Projekt erfolgreich abgeschlossen. Denn wo sonst findet man Hühner mit Hähnen verschiedener Rassen, die dem gesamten Dorf gehören und die eine ganz neue Atmosphäre, gepaart mit neuem Zusammengehörigkeitsgefühl und Auffrischung der Gemeinschaft? Die Investition in das bunte Federvieh hat sich offenbar gelohnt, denn Alt und Jung versorgen die Tiere gemeinsam. Hühnerstreu wird ausgelegt, es wird gefüttert und gemistet, und der bekannte Spruch „Mit den Hühnern schlafen gehen" wird Realität in dem lebendiger gewordenen Eifeldorf. Natürlich werden täglich Eier gesammelt und unter die „Hühnerbetreuer" verteilt. Im Moment tummeln sich 15 bunte Hühner aus den Rassen Vorwerk, Sussex, Sperber und Grünleger mit zwei Hähnen in dem Hühnergehege auf dem Mehrgenerationenplatz, der in den letzten Jahren ebenfalls entstanden und mittlerweile zu einem echten Treffpunkt für die Dorfbewohner geworden ist. Selten ist dort jemand alleine.
„Der Hühnerstall wurde durch großes Engagement in ehrenamtlicher Arbeit gebaut", sagt Ortsbürgermeister Markus Göbel stolz.
Das Hühnerprojekt wurde von verschiedenen Einrichtungen und Institutionen finanziell gefördert: der Kreissparkasse Vulkaneifel, der Volksbank Rhein-Ahr-Eifel, dem Bürgerdienst Lepper und durch das Leader-Programm. Auch private Spenden haben geholfen, das Projekt zu realisieren. Der Ortschef erklärt zum Hühnerstall: „Er ist mit einer Klappe ausgestattet, die sich morgens automatisch öffnet und abends auch wieder von selbst schließt, so dass unsere Hühner je nach Lust ungestört ein- und ausgehen können." Die Hühnergruppe mit erwachsenen Bürgern und dem Dorfnachwuchs zeigt großes Engagement. Markus Göbel ist stolz: „Unsere Ortsgemeinde ist sehr froh, ein solches Projekt zu haben", und er resümiert: „Es stellt eine wirkliche Bereicherung für unser Dorf dar".
Die Hühnergruppe, bestehend aus etwa 20 Personen, plante über ein Jahr, um auf einem dorfeigenen Gelände in Gemeinschaftsarbeit Hühner zu halten. Im Vordergrund steht dabei die Stärkung der Dorfgemeinschaft. Das Projekt wurde gemeinsam mit Jung und Alt realisiert und soll dauerhaft betrieben werden. Das Hühnergehege befindet sich leicht erreichbar auf dem ehemaligen Sportplatz. Am Gehege wurde eine Sitzgelegenheit angebracht, die zum Verweilen und Fachsimpeln einlädt. Kinder und Jugendliche sollen an einen verantwortungsvollen Umgang mit Tieren gewöhnt werden. Sie werden in die täglichen Arbeiten mit eingebunden, wobei die Herstellung gesunder Lebensmittel transparenter werden soll.
Weiterhin hofft man, dass die Wertschätzung eines tierischen Produktes steigt und dass der Kontakt Mensch-Tier intensiviert wird. Auch ältere Dorfbewohner, die sich aktiv nicht mehr in solche Planungen einbringen können, sich aber früher selbst mit Hühnern beschäftigten, beteiligen sich mit guten Ratschlägen und wertvollen Informationen. Die Bleckhausener Hühnergruppe hat in die umfangreiche Projektbeschreibung mit einbringen lassen: „Die Arbeit am Hühnerprojekt verbindet die Menschen und steht symbolisch für ein lebendiges Miteinander. Die unterschiedlichsten Menschen begegnen sich hier regelmäßig und tauschen sich untereinander aus. In einem Dorf, in dem viel passiert, lebt man lieber als anderswo. Die Identifikation der Dorfbewohner mit ihrer Heimat steigt und macht das Dorf auch für Auswärtige attraktiver."
Das Tierwohl ist der Hühnergruppe besonders wichtig, deshalb steht den Hühnern ein Gelände von 400 Quadratmetern zur Verfugung. Darüber hinaus ist ein großer, winterfester Hühnerstall errichtet worden. Das Gelände wurde rundum mit einem stabilen Zaun eingefasst und zusätzlich mit einem Schutznetz überspannt, um Angriffe von Raubvögeln abzufangen. Mehrere überdachte Flächen entstanden zum Aufhalten und wichtigen Staubbaden für das anspruchsvolle Federvieh. Bevorzugt werden von den Bleckhausener Verantwortlichen seltene, aber heimische Hühnerrassen, bei denen nicht unbedingt eine hohe Legeleistung im Vordergrund steht. Laufende Kosten für Futter, Wasser oder Einstreu übernehmen die beteiligten Parteien anteilig. Das Bleckhausener Dorfhühner-Projekt ist offen, es können also jederzeit weitere Dorfbewohner einsteigen. Wobei die Förderung der Dorfgemeinschaft im Vordergrund steht. Alles freut sich über und auf die „Bläkeser Eier".
Zudem ist das Projekt zur richtigen Zeit angelaufen, denn es sorgt gerade in Corona-Zeiten für einen emotionalen Motivationsschub.
Der geräumige Hühnerstall in Bleckhausen: Hier herrscht keine Enge, und er wurde in Eigenleistung errichtet.
Das Hühnerprojekt ist eine Privatinitiative. Die Ortsgemeinde hat das Grundstück auf dem Mehrgenerationenplatz der Hühnergruppe zur Verfügung gestellt, und die Hühner werden von den Mitgliedern dieser Arbeitsgruppe versorgt.
Nun hat Corona aber auch Vorhaben durchkreuzt, denn Ortsbürgermeister Göbel sagt: „Eigentlich wollten wir ein gebührendes Einweihungsfest an der ,Hohnerpeersch' feiern. Leider war das wegen Corona bisher nicht möglich. Das Fest wird aber auf jeden Fall nachgefeiert, sobald dies wieder möglich ist."n