von Karl-Josef Prüm, Trier
Obwohl ich 1955 in Lieser an der Mittelmosel geboren bin und seit Jahrzehnten in Trier wohne, bin ich mit der Zeit ein großer Freund der Vulkaneifel geworden. Meine Liebe zu der Region führte allerdings über Tausende von Kilometern Umwege. Mit der Welt der Vulkane wurde ich erstmals in den 1980-er Jahren konfrontiert, als ich für drei Jahre als Entwicklungshelfer in Mittelamerika arbeitete und direkt am Vulkan Mombacho am Nicaraguasee lebte. Bei meiner Arbeit im Forstprojekt begleitete mich ständig die Kordilleren, die endlose Kette der Vulkane, die sich von Alaska bis hinunter nach Feuerland zieht. In meinem Gastland Nicaragua erhoben sich insgesamt 17 Vulkane, darunter einige aktive. Schon bald nach meiner Rückkehr an die Mosel eroberte ich mir die Kanarischen Inseln als ideales Winterwanderziel. Mich begeisterten die Wälder, die Berge, das Meer - und schon wieder die Vulkane! Erst in den späten 1990er Jahren fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Ich hatte doch eine Vulkanwelt quasi zu Füßen liegen: die Eifel! Nach einigen Wandertouren durch die Region war ich so begeistert, dass ich in Gerolstein eine Fortbildung zum Eifel-Wanderführer absolvierte. Anschließend führte ich zahlreiche Schulklassen von Trier aus in die Vulkaneifel. Die Lehrer waren begeistert, manche Schüler auch (haha). Wir erkundeten die Gerolsteiner Dolomiten, die Keltenburg Dietzenley, die Birresborner Eishöhlen, die Densborner Erdfalte und manches mehr -alles bequem erreichbar mit dem Eifelexpress ab Trier. In Kombination mit Bahn und Bus führte ich Wandergruppen aus der Schweiz um die Dauner Maare.
Im Oktober 2021 schließlich lud ich Freunde und Verwandte zu meinem 66. Geburtstag zu einem einwöchigen Wandertrip in die Vulkaneifel ein. 20 Personen folgten meiner Einladung. Das Hauptquartier schlugen wir in Schalkenmehren auf. Von dort starteten wir unsere Erkundungen, die ausnahmslos bei herrlichem Indian-Summer-Wetter stattfanden, wofür es natürlich keine Garantie gibt. Zu meinem großen Erstaunen stellte ich fest, dass meine Gäste aus Trier, Wittlich, von der Mittelmosel und aus Koblenz erstaunlich geringe Kenntnisse über die Eifeler Verhältnisse mitbrachten. Umso mehr konnte ich hier in vielen Dingen Abhilfe leisten, etwa die Grundlagen der Geologie vermitteln, die Voraussetzungen für die Entstehung von Maaren und Schlackenkegeln erläutern, sie mit der Waldgeschichte der Eifel vertraut machen. Auch sprach ich die wichtigen Impulse externer Personen auf die Entwicklung der Eifel an: Karl der Große mit der Förderung des Obstbaus; die Preußen mit Straßenbauprojekten und großflächigen Aufforstungen; der rheinländische Lehrer Adolf Dronke mit der Gründung des Eifelvereins; die vielen Schriftsteller von Clara Viebig bis Jacques Berndorf oder die Maler wie Fritz von Wille und Dutzende von Kollegen.
Mit Freude nahmen meine Gäste auch die architektonischen Perlen am Wegesrand auf, darunter die Evangelische Kirche in Gerolstein, die Bertradaburg in Mürlenbach, die Weinfelder Kapelle oder das Vulkanmuseum in Strohn. Auch kulinarisch gab es keinerlei Beanstandungen, wir fühlten uns in Schalkenmehren bestens aufgehoben. Meine Erkenntnis nach dieser Wanderwoche 2021: Es steckt noch enorm viel touristisches Potential in der Eifel, es gilt, den Entdeckerinstinkt der Menschen anzustacheln. Ich fragte mich hinterher, warum so viele meiner Freunde und Bekannten bislang so wenig über die Eifel wussten, obwohl sie keine Autostunde entfernt wohnen. Vielleicht erging es ihnen wie mir: Ich brauchte einen langen Anlauf, Tausende von Kilometern Umwege. Aber eines Tages war ich angekommen! Angekommen um zu bleiben! Und Botschafter der Eifel zu werden.