von Friedbert Wißkirchen, Daun
Heute ist der Tourismus in der Eifel, insbesondere auch im Landkreis Vulkaneifel, ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. In den letzten Jahrzehnten hat sich das Verhalten der Urlauber verändert. War bis in die 1970er Jahre der 2 - 3wöchige Urlaub, früher auch „Sommerfrische" genannt, die Regel, sind heute Kurzreisen und Tagestouristen vorherrschend. Vor allem der Tagestourismus hat sich seit dem Bau der Radstrecke — Beginn des 1. Teilabschnitts 1998 — von den Maaren zur Mosel über den sogenannten „Maare — Mosel — Radweg" nochmals erheblich gesteigert. Etwa 78.000 Gäste *1 befuhren den Radweg im Jahre 2020, gegenüber dem Vorjahr eine deutliche Steigerung. Aber auch Veranstaltungen wie der „Mountainbike-Marathon" mit Teilnehmern und Besuchern aus den Nachbarländern oder die Eifel-Rallye mit historischen Rallye-Fahrzeugen und Altstars wie Walter Röhrl sind Besuchermagneten und ziehen bis zu 40.000 Gäste aus aller Welt an. Der 2009 eröffnete Premiumwan-derweg „Eifelsteig", der über 313 km von Kornelimünster bis nach Trier führt, hat ebenfalls ganzjährig eine sehr hohe Anziehungskraft, zumal er als einer der schönsten Wandersteige Deutschlands gilt.
Prof. Dr. Mathias Feige hat 2010 in einer Studie *2 die Ferienregion Daun *3 untersucht um u. a. die wirtschaftlichen Auswirkungen des Tourismus und die Wertschöpfung zu ermitteln. 2009 waren etwa 120.000 Reisende und rd. 500.000 Übernachtungen und 2,1 Mio. Aufenthaltstage in der Region zu verzeichnen. Den größten Anteil machten die Tagesreisen mit 1,5 Mio. Tagen aus, während die Fremdenverkehrsbetriebe (Hotels, Gaststätten, Pensionen, Privatvermieter) 600.000 Tage Übernachtungen aufwiesen. In Rheinland-Pfalz gaben die Übernachtungsgäste je Tag 103,20 EUR, die Tagestouristen für Essen, Einkäufe, Eintritt etc. täglich etwa 20,20 EUR aus. Insgesamt wird mit dem Tourismus ein Umsatz von 82 Mio. EUR generiert, wovon 51,7 Mio. EUR auf die gewerblichen Betriebe und 30,3 Mio. EUR auf die Tagesreisen entfallen, wovon vor allem der Einzelhandel profitiert. Das Bruttoaufkommen führt zu einem Einkommenseffekt von 40,6 Mio. EUR und einem prozentuellen Anteil des Volkseinkommens von 8,9 %. Das Steueraufkommen aus dem Tourismus macht 1,8 Mio. EUR aus. Nicht zu vernachlässigen sind die Arbeitsplätze, die durch den Fremdenverkehr geschaffen und gesichert werden. Da die Studie nur den Bereich der Verbandsgemeinde Daun umfasst, sind die gesamtwirtschaftlichen Ergebnisse für den gesamten Kreis wesentlich höher. Mit dem Gesundland Vulkaneifel gehen die Verbandsgemeinden Daun, Ulmen Witt-lich-Land (ehem. VG Manderscheid) und die Kurstadt Bad Bertrich neue gemeinsame Wege um die Landschaft und natürlichen Recourcen einzusetzen, um Urlaub und Gesundheitsförderung und -erhaltung miteinander zu verbinden. Hillesheim wirbt als Krimistadt und der Raum Kelberg nutzt die Nähe des Nürburgrings für touristische Werbung. Die Ferienparks in Daun, Gunderath und Stadtkyll ziehen mit ihren Freizeitangeboten viele Gäste an. Der Landkreis Vulkaneifel bietet Gästen und Besuchern aller Altersgruppen ein breites Spektrum an touristischen Möglichkeiten.
In einer statistischen Beschreibung der Rheinprovinz von 1845 wird der Kreis charakterisiert: „Der Kreis Daun ist ebenfalls sehr rau, eine raue waldige Gebirgslandschaft, welche die höchsten Stellen der Eifel bedecken und viele kleine Gebirgsströme bewässern, unter denen die Kyll, Lieser, Salm und Alf die bedeutendsten sind. Der Ackerbau ist ganz unbedeutend und unergiebig ... die Viehzucht ist nebst dem Holz fast der einzige Nahrungszweig der größtenteils (be)dürftigen Bewohner." *4 Kein Wunder, dass Besucher bei einer solchen Beschreibung fernblieben. Gründe waren die mangelnde Erschließung durch Verkehrswege, die kaum vorhandene Infrastruktur für Gäste, nicht zuletzt das vorhin beschriebene Image. Über 1 Mio. Engländer hatten den Rhein im 19. Jahrhundert als romantisches Reiseziel entdeckt, später auch die Moselregion. Die ersten Touristen, die Mitte des 19. Jahrhunderts unsere Heimat besuchten, konnte man fast an 10 Fingern zählen. Es waren Einzelreisende, die sich mit Postkutsche, Kutsche oder zu Fuß die Eifel erschlossen. „Schon 1893 veröffentlichte das Dauner Kreisblatt am 15. Juli die erste Dauner Fremdenliste mit Namen von 20 Gästen aus Köln, Neuss, Bonn, Metz und Frankfurt." *5 Die Lintzsche Buchhandlung in Trier brachte 1887 einen „Führer an Mosel und durch die Eifel" mit Karten, Wandervorschlägen und Unterkunftsmöglichkeiten heraus. Zu den bekanntesten Eifel-Reisenden gehörte das englische Ehepaar Katherine und Gilbert Maquoid. Sie beschrieben 1896 in ihrem Buch mit Zeichnungen und Illustrationen „IN THE VOLCANIC EIFEL" die mehrwöchige Reise im Jahr zuvor — von Köln in die Eifel, über Trier an der Mosel und dem Rhein entlang zurück nach Köln. Daun und Gerolstein waren u. a. auch Aufenthaltsorte der Engländer, die von hier aus Sehenswürdigkeiten und Landschaft erkundeten.
Erst mit dem Bau der Eisenbahnstrecke Köln — Trier, 1871 fertiggestellt, wurden die Orte entlang der Kyll im damaligen Landkreis Daun für den Fremdenverkehr erschlossen. 1869 wurde der Dauner Verschönerungsverein gegründet. Sein Bestreben war die Förderung des Fremdenverkehrs und die Schaffung von Wanderwegen, Aussichtspunkten und den Wehrbüschanlagen, die heute noch unterhalb des Kriegerdenkmals von 1870 teilweise vorhanden sind. Später ging der Verschönerungsverein Daun in dem neu gegründeten Eifelverein auf. Der Eifelverein hatte sich seit der Gründung 1888 in Bad Bertrich auch die Förderung des Tourismus in der Eifel und die Erschließung auf die Fahnen geschrieben. Vor allem sollte die Eifel nicht mehr als das „Sibirien Preußens", sondern als waldreiche, einmalige Mittelgebirgslandschaft mit Kraterseen und vulkanischen Bergen, dargestellt werden. Die Eindrücke Maquoids über die Vulkanlandschaft finden sich in dem Satz wieder: „Es gibt wahrscheinlich mehr vulkanische Relikte zwischen Gerolstein und Daun als anderswo auf so kleinem Raum in der Eifel." Durch den 1895 fertiggestellten Bau der Eisenbahnlinien Andernach - Daun - Gerolstein wurde Daun an das Eisenbahnnetz angebunden und große Teile des Landkreises Vulkaneifel verkehrlich erschlossen. Dies und die 1909 eröffnete Eisenbahnverbindung Daun - Wittlich führten zu einem bedeutsamen Impuls für die wirtschaftliche Entwicklung und damit auch für den Fremdenverkehr. Der Eifelverein versuchte vor allem „... die Bewohner der benachbarten Städte darauf aufmerksam zu machen, dass auch in ihrer unmittelbaren Nähe reichlich Gelegenheit vorhanden ist, den von den Mühen und dem Hasten des Alltags angegriffenen Körper und Geist in dem Jungborn einer ewig frischen Gottesnatur wieder zu beleben und den Menschen zu neuem Schaffen Lust und Spannkraft zu verleihen." Eifelvereins-Vor-sitzender Dr. Karl Kaufmann schreibt weiter: Die Eifel „entfaltet eine solche Fülle landschaftlicher Schönheiten, dass sie sich getrost mit allen anderen deutschen Mittelgebirgen messen kann. Berge vulkanischen Ursprungs, mächtige Krater, längst erloschen, erinnern lebhaft an jene gewaltige Epoche, als noch glühende Lavaströme aus dem Erdinnern flossen und feurige Gesteinsmassen in die Lüfte geschleudert wurden."
Im Kreis Daun hatte sich der Fremdenverkehr um die Jahrhundertwende ausgeweitet. In Daun gab es 4 Hotels und insgesamt 220 Fremdenbetten, in Gerolstein 5 Hotels mit 110 Betten. Auch in Gillenfeld gab es 4 Hotels mit 60 Betten. Daun warb mit dem Wasser seiner Heilquellen, die gegen Bleichsucht, Blutarmut, Nervosität, Verdauungsund Atmungsbeschwerden wirken sollten. Gerolstein wies auf seine „hervorragend schön(e)" vulkanische Umgebung und u. a. auf die Möglichkeit von „Flußbäder(n)" hin. 1907 hatte sich im Landkreis Daun eine touristische Infrastruktur und ein breites Angebot an Unterkunftsmöglichkeiten etabliert, wie die tabellarische Aufstellung auf den folgenden Seiten zeigt.
|
Übern./Frühstück (Mark) |
Vollpension (Mark) |
Besonderheiten, Angebote |
||
|
Birgel |
Gasth.Lütgen |
2,50 Mark |
3,50 Mark *10 |
Tägl. frische Milch |
|
Birresborn |
Gasth. |
1,50 - 2,00 |
4,00 - 4,50 |
Fischerei, Bäder, Laube |
|
Zur Krone |
||||
|
Gasth. |
1,50 |
4,00 |
Fischerei |
|
|
Fritz Weber |
||||
|
Daun |
Hotel Schramm |
2,00 - 3,00 |
4,00 - 5,00 |
25 Zi., 35 Betten, Weinzwang |
|
Hotel Hommes |
2,00 - 2,50 |
4,00 - 5,00 |
17 Zi., 27 Betten, Billard, Wagen zu Ausflügen |
|
|
Hotel Jung |
1,75 |
3,50 |
10 Zi., 17 Betten, Gedeckte Veranda, Fischerei |
|
|
Hotel Karl Dix |
2,50 |
3,00 - 3,50 |
10 Zi., 15 Bet., Bäder, Jagd, Fischerei, eigener Wagen |
|
|
Hotel Gandner |
2,00 |
4,00 |
10 Zi, 14 Betten, Veranda, Vorgarten, Weinzwang |
|
|
Hotel Manderscheid |
2,00 |
3,50 - 4,00 |
8 Zi., 13 Betten, |
|
|
Hotel |
2,00 |
3,50 |
7 Zi, 10 Betten |
|
|
Dauner Hof |
||||
|
Privatzimmer |
2,00 |
Es gab ca. 60 Betten |
||
|
Densborn |
Pensionen |
1,50 |
3,50 - 4,00 |
Vank, Ww. Welter, Ww. Kraul |
|
Deudesfeld |
Hotel Leyendecker |
1,50 |
3,50 |
9 Zi., 11 Betten, Heidelbeerweinkelterei |
|
Dockweiler |
Gasth. Zur Post |
3,50 |
3 Zi., 4 Betten |
|
|
Dreis |
Geschw. Meyer |
1,50 |
4,00 |
11 Zi., 18 Betten |
|
Gerolstein |
Hotel Heck |
ab 1,50 |
4,00 |
20 Zi., 30 Betten, elektr. Licht, Bäder, großer Burggarten |
|
Übern./Frühstück (Mark) |
Vollpension (Mark) |
Besonderheiten, Angebote |
||
|
Hotel |
2,50 |
4,50 - 5,00 |
16 Zi., 24 Betten, Terrasse, Kohlensäurebäder |
|
|
Eifeler Hof |
||||
|
Hotel Zur Post |
2,50 |
4,50 |
12 Zi., 18 Betten, elektr. Licht, Gebirgsaussicht |
|
|
Hotel Koch |
2,00 |
3,50 |
10 Zi., 6 Betten, Forellenfischerei |
|
|
Gasth. |
2,00 |
4,00 |
Billard, Kegelbahn |
|
|
Zur Linde |
||||
|
Gasth. |
4,00 |
Jagd |
||
|
Zur Löwenburg |
||||
|
Hotel Gerolstein |
2,00 |
3,50 |
Hauptstr. 131, Jagd, Fischerei |
|
|
Hallschlag |
Gasth. Breuer |
1,60 |
Nach Vereinbarung |
3 Zi., 4 Betten |
|
Gasth. Igelmund |
1,60 |
3,00 |
5 Zi. 6 Betten |
|
|
Hillesheim |
Hotel Fasen |
2,25 |
4,00 |
14 Zi., 20 Betten, elektr. Licht, Veranda |
|
Gasth. Kloep |
2,25 |
4,00 |
12 Zi., 15 Betten, elektr. Licht, Kegelbahn |
|
|
Hohenfels |
Hotel Zu den Höhlen |
1,50 |
4,00 |
10 Zi., 15 Betten, streng jüdisch-rituelle Verpflegung 12 |
|
Hotel Oehmen |
1,50 |
4,00 |
||
|
Kasselburg |
Pension Stritzke |
2,50 |
5,00 |
Inhaber der Burgruine |
|
Kelberg |
Gasth. Zum deutschen Kaiser |
2,00 |
4,50 |
9 Zi., 15 Betten, Marktplatz, Billard, |
|
Gasth. |
2,00 |
4,50 |
8 Zi., 10 Betten, Marktplatz, Autohalle |
|
|
Zum Hirsch |
||||
|
Gasth. Fuhrmann |
2,00 |
3,50 |
10 Zi., 10 Betten, Marktplatz, Billard, Kegelbahn |
|
|
Gasth. Stadt Coblenz |
1,80 |
3,50 |
4 Zi., 5 Betten, Kegelbahn, Gartenwirtschaft |
|
|
Gasth. Coll |
2,00 |
4,50 |
Marktplatz |
|
Übern./Frühstück (Mark) |
Vollpension (Mark) |
Besonderheiten, Angebote |
||
|
Lissingen |
Gasth. Arnoldy-Hermes |
1,80 |
3,50 |
6 Zi., 8 Betten - Maleratelier, Wagen auf Bestellung |
|
Mehren |
Gasth. Herbrand |
2,00 |
4,00 |
2 Zi., 3 Betten, Weinzwang, Telefon im Hause |
|
Müllenborn |
Gasth. Dick |
2,00 |
3,50 |
7 Zi:, 10 Betten, Fischerei |
|
Gasth. Geschw. Klasen |
2,00 |
3,50 |
3 Zi., 4 Betten, dicht am Wald |
|
|
Mürlenbach |
Gasth. Krumpen |
2,20 |
4,00 |
8 Zi., 11 Betten |
|
Gasth. Hammel |
2,00 |
4,00 |
3 Zi., 6 Betten |
|
|
Oberbettingen |
Gasth. Oerters |
1,80 |
4,00 |
6 Zi., 12 Betten, eig. Jagd |
|
Ormont |
Gasth. Boos |
1,75 |
3,50 |
3 Zi., 5 Betten, Kegelbahn |
|
Gasth. Dederichs |
2,00 |
3,20 |
||
|
Strotzbüsch |
Pension Lehrer Peter Altmann |
3,50 - 4,00 |
Siebenbachtal, Pulver-maar, Strohner Schweiz |
|
|
Tettscheid |
Gasth. Pantenburg |
1,25 |
2,50 |
1 Zi., 2 Betten, großer Garten |
|
Udersdorf |
Gasth. Reichartz |
1,50 |
3,00 |
4 Zi., 4 Betten, Telefon im Hause |
|
Gasth. Hommes |
1,50 |
3,00 |
4 Zi., 4 Betten |
|
|
Walsdorf |
Gasth. Hentges-Meyer |
1,50 |
2,50 (bei 5 Tagen Aufenthalt) ' |
4 Zi., 6 Betten |
|
Weiersbach |
Gasth. Lenerz |
1,25 |
3,50 |
4 Zi., 5 Betten |
Diese Aufstellung der Fremdenverkehrsbetriebe ist nicht vollständig, weil nur die Betriebe aufgeführt sind, die Anzeigen geschaltet hatten. Bemerkenswert ist, dass auch nach mehr als 100 Jahren noch eine Reihe von Hotels und Gasthäusern existent sind.
Die Maquoids erreichten von Köln mit der Eisenbahn den Bahnhof in Oberbettingen. „Hillesheim, die kleine Stadt ... liegt ein wenig vom Bahnhof entfernt. Hier scheint die Vulkaneifel zu beginnen, und man sagte uns, Hillesheim sei eine besonders heilkräftige Sommerfrische. Es wird ,das Nizza der Eifel' genannt. Große Wälder umgeben es und in der Nähe liegt ein mächtiger, vulkanischer Hügel, die ,Kyller Höhe', mit einem kleinen ausgetrockneten See (Anm: Eichholzmaar)." ■
Anzeige aus "Die Eifel"-Auswahl hervorragender Landschaftsbilder... - Herausgegeben im Auftrag des Kölner Eifelvereins. Verlag von Hoursch & Bechstedt in Köln am Rhein
Die englischen Gäste fuhren mit der Bahn weiter nach Gerolstein. „Bald sahen wir rechts in der Höhe die malerischen Türme der Casselburg (mehr als fünfzehnhundert Fuß über Meereshöhe).; links lag das Dorf Pelm. Nach wenigen Minuten erreichten wir unter den unheimlichen Klippen der Mun-terley den malerischen Bahnhof Gerolstein."
Dann ging es zu Fuß zum Hotel „Zur Post" 2 und auf der steilen Straße (Anm. Hauptstraße) zur Unterkunft bewunderten die Ankommenden „die festungsartigen Klippen der Munterley; noch weiter hinten zur Linken lag der fantastische Fels des Auberg ...".
Die Maquoids bemerkten, dass die Straße malerisch aussah, wunderten sich aber über die „zahlreichen Misthaufen" 2, dass Brennholz und Reisig vor den Häusern gestapelt war und Hahn und Hühner sich zwischen den Fuhrwerken und auf der Straße tummelten. Über Essingen, Hohenfels, Betteldorf, Dockweiler ging die Reise der Maquoids am nächsten Tag mit einer Pferdekutsche weiter nach Daun zum Hotel Hommes. Unterwegs überholten sie belgische Gäste, die zu Fuß unterwegs waren. Im Hotel war bei der Ankunft reger Betrieb, weil Kirmes gefeiert wurde. Der Wirt begrüßte sie in Englisch und meinte, das Hotel wäre ausgebucht und wollte sie ausquartieren. Ein Glück, dass die Wirtin dies erfuhr und die Reservierung der Maquoids bestätigte. „Tatsächlich war einer der reservierten Räume auf der ersten Etage mit Blick über den Garten der beste und bequemste den wir bisher ... hatten." Von Daun aus machten sie mit einer hoteleigenen Kutsche Ausflüge zu den Maaren, Mäuseberg und Weinfeld und erkundeten die Sehenswürdigkeiten.
Ein unbekannter Wanderer vom Niederrhein, der mit seinem Freund um 1900 die Eifel erwanderte, schilderte seine Eindrücke von Menschen und Landschaft. Von Bernkastel, Lieser, Wittlich, Manderscheid kommend, ging es auf dem Lieserpfad oder dem heutigen Eifelsteig in Richtung Daun. „Wir durchwandern am Rande des Baches (Lieser) das enge wildromantische Thal. Wie ein Silberband zieht das vielfach sich windende Gewässer durch die üppig grünen Wiesen. Wir begegnen manch stattlicher Rindviehherde, und hoch oben am Berge steht der Schäfer, umlagert von seiner Herde. Die kleinen Häuschen mit den Strohdächern verleihen der Szenerie einen patriarchalischen Eindruck. Wir haben das Dörfchen Gemünden (Anm. Stadtteil von Daun) erreicht." Obwohl von der mehrstündigen Wanderung von Manderscheid nach Daun bei sommerlichen Temperaturen erschöpft, entschlossen sie sich dem Wegweiser: „Nach den Maaren und dem Mäuseberg" zu folgen. „Wir stehen am Gemündener Maar! Rings umgeben von prächtigen Buchenwaldungen ... dehnt sich eine Wasserfläche von beinahe Dreiviertelstunden im Umkreis auf. Ein schattiger Bergpfad führt uns auf den Gipfel des Mäusebergs ... Vor uns liegt der zweite Vulkansee - das Weinfelder Maar. Welch ein Gegensatz zu dem . Gemündener Maar! Unfruchtbare Abhänge, Wildnis ringsumher, macht das Ganze den Eindruck des Todes. Erhöht wird dieser trübe Eindruck noch durch das am Nordrande stehende Kapellchen, fast so grau wie die ganze Landschaft ... Ein niedriger Bergsattel trennt diesen See von einem dritten, dem Schalkenmehrener Maar. Da entrollt sich ein lebensfrohes Bild. Am Maar „liegt ein freundliches Dörfchen inmitten wohlgepflegter Äcker und saftiger Wiesen." Ein nahendes Gewitter lässt die Wanderer „nach Daun zum gastlichen Dach" eilen. Vorbei am „Schloß", der heutigen Burgfriedstraße, erreichten die Wanderer müde und hungrig das Hotel Schramm.
So präsentierte sich den Maquoids Gerolstein mit Munterley und Auberg. Foto aus: „Die Eifel" vgl. Fußnote 11
Hotel Hommes um 1890 mit Kutschen und Wagen, um die Gäste zu den Sehenswürdigkeiten zu fahren. Foto: Verbandsgemeindearchiv Daun.
Das Hütet Schramm um 1900.
Der Eifelwanderer Robert Böckling aus Frankfurt a. M. vergleicht die Eifel mit anderen deutschen Mittelgebirgen und kommt zu dem Schluss: „Mag unser Taunus, der liebliche Odenwald, der Spessart usw., mögen sie alle herrliche Punkte aufweisen, die Schönheit der Eifel ... wird der Wanderer vergebens suchen."
Gemeinhin wird der Begriff „Eselsbrücke" als Gedächtnisstütze genutzt, um sich etwas besser merken zu können. In Daun wird der Begriff von älteren Einheimischen für ein Bauwerk verwendet, das mit den Anfängen des Fremdenverkehrs in Zusammenhang steht. Mit dem Bau der Eisenbahnlinien und des Bahnhofs in Daun wurde 1892 begonnen. Der Bahnhof (ca. 400 m über Normal Null) lag damals außerhalb der Stadt im Tal der Lieser, während das Zentrum des Städtchens und Ober-Daun rund 40 m höher liegt. 1895 wurde die Strecke Mayen - Daun - Gerolstein eröffnet. Um das Stadtzentrum (Leopoldstraße) mit dem Bahnhof fußläufig zu verbinden, wurde ca. 10 m über der Lieser eine 40 m lange und ca. 1,40 m breite Brücke in Stahlkonstruktion errichtet und 1895 fertiggestellt. Ein ca. 1,50 m breiter und 300 m langer Weg in Kopfsteinpflaster führte dann von der Brücke den „Rammels-berg" steil hoch bis in die Schweiz- und die Leopoldstraße mit einem Höhenunterschied von etwa 40 m. Im Volksmund wird die Fußgängerbrücke auch als „Eselsbrücke" bezeichnet. Der Name „Eselsbrücke" geht auf ein Transportmittel um die Jahrhundertwende zurück. Die damaligen Hotels holten ihre Gäste im aufstrebenden Fremdenverkehrsort Daun am Bahnhof ab, luden das Gepäck auf einen Pferde- oder Eselskarren und fuhren damit teilweise über die Fußgängerbrücke und die Schweizstraße zum Hotel. In Daun gab es auch ein geflügeltes Wort für jemand mit großen Ohren: „Du hast Ohren, wie dem Schramm sein Esel!" Das Hotel Schramm hatte einen Esel mit Eselskarren.
Zweirädriger Karren mit Esel.
1) Angaben Landesbetrieb Mobilität (LBM) - in: Trier. Volksfreund vom 26.02.2021
2) Wirtschaftsfaktor Tourismus in der Ferienregion Daun - Präsentation 31. August 2010 -Prof. Dr. Mathias Feige, dwif-Consulting GmbH, Marienstr. 19/20, 10117 Berlin
3) Die Ferienregion Daun ist mit der Verbandsgemeinde Daun identisch
4) Statistische Beschreibung der Königlich-Preußischen Rheinprovinz, mit geschichtlichen kurzgedrängten Anmerkungen, abgefaßt von P. W. Mebus jun., Particular zu Neukirchen-Opladen, Köln am Rhein, gedruckt bei J. W. Dietz - 1845
5) 1250 Jahre Daun, Herausgeber Stadt Daun - Das Buch erscheint zur 1250-Jahrfeier Daun 1981 - S. 82