von Doris Zakrzewski, Bleckhausen
Wo in Waldesstille Sonnenstrahlen, Nebelschwaden, Regentropfen oder Schneeflocken ungestört auf Zweigen ruhen, findet man die Natur in urwüchsigen Formen wie zum Beispiel auf der Wacholderheide. Verortet südöstlich von Bleckhausen, nördlich von Manderscheid im Forstdistrikt Etgestaler-kopf. Dieses fast drei Hektar umfassende, rechteckig gestaltete Naturschutzgebiet ist das größte und letzte seiner Art in der Eifel. Einerseits erstreckt es sich entlang eines tiefen Taleinschnitts. Andererseits wird es durch eine Teilstrecke des dreizehn Kilometer langen Wacholder-Kyll-Weges begrenzt. Auf einer Schaf- oder Ziegenweide herangewachsen, wurde die Wacholderheide 1937 zur Besonderheit erklärt. Unter diesem Schutz konnten sich ihre Sträucher, die bis zu vier Meter hoch werden, zu knorrigen Gebilden entfalten. Heute wird das Gebiet einmal jährlich beweidet. Wegen seiner stechenden Nadeln, grasen Schafe vorsichtig um den streng geschützten Nachwuchs. Um eine Verbuschung zu verhindern bekommen die Sträucher zu gegebener Zeit von verschiedenen Vereinsgruppen einen Verjüngungsschnitt. Neben der Rasthütte findet sich unter anderen Sitzgelegenheiten ein Waldsofa. Liegt man lange genug darauf, wird man eins mit der Natur. Manchmal lässt sich ein Milan, Sperber oder eine Heide-Lerche sehen, eine weiße Wolke zieht am blauen Himmel ihres Weges oder ganz in der Höhe verrät sich ein Flugzeug durch seinen Kondensstreifen. Im Frühling gurgelt der Waldbach, der in der Tiefe des Tales dem nächsten Gewässerlauf zustrebt. Wird die würzige Luft wahrgenommen, blickt man genauer auf die immergrünen Zypressengewächse. Im Frühjahr tragen die Wacholderzweige in den Nadelachsen knäuelige, gelbe männliche und knospenartige weibliche Blüten. Häufig zeigen sich an einem Strauch drei verschiedene Reifestadien: einjährige Grüne, zweijährige Graue und schließlich Schwarzbraune. Was man im allgemeinen Wacholderbeeren nennt, sind eigentlich beerenförmige Zapfen. Vögel, die sie verspeisen, scheiden später die harten, schwarzen Samen unverdaut aus. Diese keimen, wo sie günstig zu Boden fallen. Somit haben die Vögel in kurzer Zeit ganze Arbeit geleistet. Samen direkt von den Sträuchern geerntet hingegen, müssten eineinhalb Jahre im feuchten Sand liegen bis sie auskeimen. Das ätherische Öl der Wacholderbeeren wirkt krampflösend. Es durchspült flott die Nieren, macht Speisen verdaulicher und verleiht Wildgerichten, Sauerkraut-Spezialitäten oder Schnäpsen seinen charakteristischen Geschmack. Wacholdersträucher sind mit kargem Boden zufrieden und durch ein tiefreihendes Wurzelsystem gegen Trockenheit gerüstet. Wenn weiterhin Vögel fliegen, die Interesse an diesen besonderen Beeren haben und Keimlinge bis zur Wurzelbildung manchmal im Regen stehen können, dann erhält diese Besonderheit ihre Chance auf ein fünfhundert Jahre langes Wachstum, das ihrer Art eingeräumt wird.