von Clara Zins-Grohé
Ein Klassenausflug ist immer ein besonderes Ereignis im Schulalltag. Gemeinsame Ausflüge stärken den Zusammenhalt und die Gemeinschaft der Klasse. Man lernt sich besser kennen und macht wertvolle gemeinsame Erfahrungen.
Das Gerolsteiner Land ist ideales Ziel für Schülerbegegnungen. Auf Einladung des „Verein zur Förderung der Städtepartnerschaften" (Vorsitzende Evi Linnerth) in Kooperation mit der Realschule Plus Gerolstein besuchten französische Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte des Collège Guillaume des Autels Charolles - Saöne-et-Loire (Frankreich) die Brunnenstadt.
Eines der Highlights der einwöchigen Klassenfahrt war eine kilometerlange „Panoramatour per pedes" auf Eifelsteig/Felsenpfad inklusive naturkundlicher Informationen. Ziel waren die Gerolsteiner Dolomiten. Unter dem Motto „Wandern mit Schwerpunkt Geschichte und Vulkanismus" starteten die Schüler an der Kasselburg. Erstes Ziel war die Tempelanlage der Göttin Caiva, eine frühere keltisch-römische Kultstätte.
Warum die Ruinenstätte den Namen „Juddekirchhof trägt, ist nicht zweifelsfrei belegt. Die hochdeutsche Bezeichnung „Judenkirchhof" ist irreführend. Die wahrscheinlichste Erklärung stützt sich darauf, dass im Mittelalter alles ,Nichtchristliche' als Jiddisch' bezeichnet wurde.
Der Leiter der Wanderung, Georg Mäschig, berichtete von einer weiteren Herkunft des Namens. Die keltische Matronen-Göttin, auch Goden genannt, besaß etwa die gleiche Aufgabe, wie eine katholische Taufpatin. Der Mundartname für Patin lautet im Pelmer Platt: Jödde oder Jodde.
Archäologische Untersuchungen belegen, dass in der Tempelanlage die Göttin Caiva verehrt wurde. Sie war eine der Schutzpatroninnen der keltischen Bauernschaft, die damals den Raum Gerolstein bewohnte. Caiva galt als Fruchtbarkeitsgöttin.
Sicher bewiesen ist, dass es sich um einen römischen Wallfahrtsort mit Opferstätte handelt. Der Römer Marcus Victorius Plen-tius stiftete im Jahre 124 nach Christus den Tempel als Dank für eine siegreiche Schlacht. Die Wanderung führte an verschiedenen Eifelorchideen, dem „Eifelgold" Ginster und blühendem Waldmeister (galium odoratum - lustig frei übersetzt: maître de la forêt) vorbei zu einer Lichtung in Richtung Hustley. An deren Wegrand findet man ein Kreuz mit Bild und US-amerikanischer Flagge als Erinnerung an den 2. Weltkrieg. Es ist eine Gedenkstätte an einen dort abgestürzten US-Kampfflugzeugpiloten.
An Wald und Wiesen entlang ging es zu zwei bequemen Holzliegen mit wundervollem Panoramablick auf Gerolstein und bergauf zur Schutzhütte. Diese wurde von den französischen Schülern als „ideal pour les fêtes d'école" kommentiert.
Besondere Informationen zum Vulkanismus gab es einige hundert Meter weiter an der Papenkaule - einem trockenen Krater vulkanischen Ursprungs. Die geologischen Besonderheiten in Wort und von Informationstafeln wurden durch Georg Mäschig in die französische Sprache übersetzt und ergänzt. „Die nach der Explosion freigesetzte, glühend
heißes Magma floss nicht aus dem Schlot der Papenkaule. Sie suchte sich im unterirdischen Karsthöhlensystem einen neuen Weg und trat westlich davon in der Hagelskaule zu Tage. Von dort strömte der Lavastrom südwärts von Sarresdorf bis ins Kylltal".
Ohne ortskundige Wanderungsleitung durch Herrn Mäschig wäre die Gruppe mangels Hinweisschild sicherlich achtlos an der Abzweigung zur Hagelskaule vorbeigelaufen. Dann wären ihnen die auffälligen Unterschiede zwischen deren Auswürfen und zu den Papenkaule-Schlacken entgangen.
Voller Vorfreude ging es wieder den Gerolsteiner Felsenpfad bergauf zur spannenden Buchenlochhöhle. Sie wurde vor Millionen Jahren durch die lösende Kraft des Grundwassers aus dem Stein gewaschen. Staunend erfuhren die Schüler vom Fund der Überreste eiszeitlicher Säugetiere und Nachweis für eine Nutzung der Höhle durch den altsteinzeitlichen Menschen - den Neandertaler. Die gefundenen Steinwerkzeuge lassen sich dieser Zeit zuordnen. Tierknochenfunde weisen auf Mammut, Höhlenbär, Wildpferd und Ren als deren Jagdbeute hin. Hinein ging es in die kühle Höhle, die etwa eine Länge von 30 Metern, eine Breite von 4 Metern und eine Höhe von etwa 2,4 Meter besitzt.
Leider ist die Zeit für Schulausflüge begrenzt. Einige Jugendliche hätten gerne noch ein paar Tage verlängert, um mehr darüber zu erfahren. Es wurde der Wunsch geäußert, vielleicht bei einem nochmaligen Besuch Exponate des Museum Villa Sarabodis oder sogar das Rheinische Landesmuseum in Trier zu besuchen. Dort befinden sich seltene und wertvolle archäologische Funde aus Gerolstein.
Nach einem kurzen, etwas steileren Anstieg ging es weiter zur Munterley. Mit einer Höhe von 482 Meter bietet der wohl bekannteste Gipfel eine fantastische Aussicht. Die Dolomit-Felsen, die einst vor Urzeiten im Meer lagen und ein Korallenriff bildeten, sind ein Wahrzeichen der Brunnenstadt. Auf dem Plateau befindet sich eine Schutzhütte. Weithin sichtbar weht aktuell statt der Stadtfahne eine große ukrainische Flagge als Solidaritätszeichen der Gerolsteiner Bevölkerung.
Wie im Flug verging die Zeit und die Gruppe wanderte - vorbei an den beeindruckenden, extrem schroffen Felsformationen — zum „Flecken" abwärts. Fröhlich und zufrieden, auch ein paar neue Vokabeln gelernt zu haben, gab es zur Belohnung ein leckeres Eis. Die französischen Jugendlichen kamen als Gäste und gingen als Freunde. Verständigung war kein Problem. Wir verstehen uns und freuen uns auf ein Wiedersehen!