von Roswitha Gräfen-Pfeil
Ein kurzer Rückblick auf die Landesschau Rheinland-Pfalz, SWR Fernsehen 18.45 Uhr am 31.05. 2021:
Mit einer Wärmebildkamera zeigte Gartenexperte Werner Ollig (für das Projekt „Entsteint Euch RLP"), dass die Temperatur in den Steinwüsten der Schottergärten viel höher ist als im begrünten Garten, bis zu fünf oder sechs Grad. Ohne Pflanzen verdunstet kein Wasser und kühlt die Umgebung, es fehlt der Schatten. Weder wird Sauerstoff gebildet und noch Feinstaub gebunden. Unter dem Schotter sind oft wasserdichte Folien und Unkrautvlies verlegt. Dies verhindert das Versickern des Niederschlages im Boden und verändert den Wasserhaushalt der Umgebung. Bei Starkregen wird die Kanalisation mehr belastet und das Risiko für Hochwasser steigt.
Die privaten Grünflächen sind wichtig für Artenvielfalt und gesundes Stadtklima. Sie sind Lebensraum für Insekten und Vögel, die hier Nahrung finden. Weder Bienen, noch Schmetterlinge oder Regenwürmer und andere Nützlinge können im Schotter leben. Auch Vögel finden keine Nahrung, nicht einmal Material zum Nestbau.
Vorgärten galten einmal als die Visitenkarte der Hausbewohner/-innen, die mit vielen Ideen gestaltet wurden. So machte es Freude, durch die Straßen zu flanieren und eine bunte Vielfalt zu entdecken. Die Hausgärten wurden früher häufig zum Anbau von Obst und Gemüse genutzt. In den Neubaugebieten der fünfziger Jahre gab es noch den einen oder anderen Hühner- oder Kaninchenstall zur Eigenversorgung. Diese Gärten wurden zu Rasenflächen mit etwas Begleitgrün, die biologische Vielfalt fehlt.
Nun fristet vielleicht im Schottergarten nur noch Loriots Steinlaus ihr karges Leben. Gärten degenerieren zu Abstandsflächen für die Bewohner/-innen der Häuser zu ihren Nachbarn.
Der dänische Architekt Jan Gehl schrieb in seinem Buch „Leben zwischen Häusern" (Jovis Verlag):
„Die Schaffung von Wohngegenden mit einer Einteilung der Räume im Freien in halböffentliche, vertraute und familiäre Bereiche nahe den Wohnungen ermöglicht es, die Menschen in der Umgebung besser kennenzulernen. Wer den Außenraum als Bestandteil der persönlichen Wohnumgebung wahrnimmt, wird wachsamer sein und größere Verantwortung für den gemeinsamen öffentlichen Raum empfinden."
Meine Hoffnung ist, dass alle Schotterflächen wieder zu Gärten werden, dass das Einbringen von Wurzelschutzfolien und das Versiegeln immer weiterer Flächen auch in Rheinland- Pfalz verboten wird. Dieser tätige Umweltschutz wird helfen, die inzwischen geschrumpfte heimische Tierwelt zu schützen. Außerdem ist es sinnvoller Hochwasserschutz.