von Jürgen Berg, Berndorf
Die Nähe zur Großstadt ist besonders wichtig im Berufsleben. Städte wie Trier, Köln, Koblenz, Wittlich haben daher einen großen Zulauf für Berufstätige. Warum aber nicht näher in die Natur ziehen, wenn man das Rentenalter erreicht hat? Das wollten meine Frau und ich vor sechs Jahren ausprobieren. Ein passendes Haus musste her und das alte verkauft werden. Nach einer Weile fand sich etwas: Ein bereits gut renoviertes altes Bauernhaus. Der Verkauf unseres recht modernen Architektenhauses gestaltete sich ebenfalls positiv. Wegen regionaler Immobilienpreis-Differenzen gab es bei diesen Transaktionen keine finanziellen Probleme. Die Grundstückspreise in der Eifel bewegten sich auf einem Zehntel des alten eher städtischen Gebietes.
In dem Eifeldorf fühlten wir uns recht gut aufgenommen. Die Nachbarschaft hat uns schnell akzeptiert, soweit uns bekannt. Eine Reihe von Vereinen begrüßte uns als neue Mitglieder und wir nahmen das eine oder andere Amt gerne an. Für ein Dorf mit etwa 550 Einwohnern gab es viele Möglichkeiten der aktiven Betätigung: Sportverein, Musikverein, Freiwillige Feuerwehr, Kirchenchor, Kultureller Förderverein — überall war auch Mitarbeit bzw. Engagement gefragt. Der Hauptgrund für den Wohnort-Wechsel lag in dem Wunsch, in einer ruhigeren Gegend mit deutlich weniger Flugverkehr zu wohnen und näher in der Natur zu sein. Tatsächlich befinden wir uns jetzt inmitten von zahlreichen Wanderwegen, Geopfaden, Erholungsmöglichkeiten — zu Fuß oder per Fahrrad. Das Auto bleibt wichtig fürs Erreichen der Startpunkte für die Wanderungen, für die guten Restaurants und fürs Einkaufen. Gute Einkaufsmöglichkeiten in Supermärkten sind erstaunlicherweise so gut erreichbar wie zuvor.
Das Kulturangebot ist verständlicherweise deutlich reduziert, aber nicht unterentwickelt. Da müssen wir halt mal größere Anfahrten in Kauf nehmen. In einer Autostunde sind mehrere Städte erreichbar, die über gute Theater, Konzertsäle und Museen verfügen. Kleinere Konzerte finden wir aber auch in der Nähe. Die Jazz-Szene bietet da einiges.
Feste finden das ganze Jahr über in der Gemeinde statt, bei denen wir so nach und nach die Nachbarschaft kennengelernt haben. Wer es mit wem kann und wer mit wem nicht, das haben wir erst nach und nach gelernt. Die Gründe für langjährige Feindschaften sind uns aber in einigen Fällen bis heute verborgen geblieben. Vielleicht sind Antipathien auch chronisch und es fehlt nur eine Kleinigkeit zur Überwindung und für einen Neuanfang. Ob das in einem Dorf anders zugeht als in der Stadt, können wir noch nicht sagen. Vielleicht fallen solche Dinge im Dorf mehr auf. Die Anonymität in der Stadt verhindert, solche Strukturen zu erkennen.
Übrigens fällt uns sofort auf, wenn uns ein Entgegenkommender nicht grüßt. Dann ist es mit Sicherheit ein Städter. In der Stadt kann man schließlich nicht jeden grüßen, der vorbeikommt. Einem Städter fällt es daher auch schwer zu grüßen im Dorf. Er ist auch irritiert, wenn man ihn grüßt.
Wie ist es nun mit dem Lärm im Dorf, deswegen wir eigentlich die Flucht aufs Land genommen haben? Das ist unterschiedlich. Es gibt Tage, da fahren etwa 100-mal große Gülle-Wagen an unserem Haus in Dorfmitte vorbei. Dann gibt es Tage, an denen mehr Motorrad-Fahrer unterwegs sind als PKW. Und in der Erntesession fahren permanent große Zugmaschinen mit Ernte-Erträgen vorbei.
Doch übers Jahr gesehen ist auch der Verkehr der Dorfbewohner nicht unschuldig an dem Verkehrslärm im Dorf, denn neben den PKW, die hier sicher notwendig sind wegen fehlender öffentlicher Anbindung, haben viele auch Traktoren, die für den Transport von Gartenabfällen, Holz und Baumaterial für den Eigenbau gebraucht werden. Zumindest stehen kleinere Anhänger für solche Zwecke auf dem Hof bzw. Grundstück. Dort findet man auch Maschinen für das Zerlegen großer Baumstämme, die preisgünstig aus dem Gemeindewald abgeholt werden können, sowie Aufsitz-Rasenmäher, die sich besonderer Beliebtheit erfreuen.
Mit der Ruhe im Dorf ist es also eigentlich nichts, es sei denn, man erwischt eine Zeit in den Abendstunden. Der Straßenverkehr ist in den Abendstunden doch eher ruhiger als in der Stadt. Auch der Flugverkehr ist deutlich geringer. Während tagsüber es schon mal durch Militär-Übungsflüge zu starker Lärmbelästigung kommen kann.
Es gibt halt nicht nur Vorteile, mehr in der Naturnähe zu wohnen. Doch nach wie vor erfreuen wir uns an den wunderbaren Landschaften, den Maaren, den vielen schönen Ausblicken, wie zum Beispiel auf dem Wanderweg der „Toskana der Eifel" oder am wachsenden Wasserfall, den jeder Tourist gesehen haben muss und die zahlreichen kulturellen Sehenswürdigkeiten, wie die Klöster in Steinfeld, Springiersbach, Niederehe, Prüm, Machern, Himmerod und viele andere mehr.
Blick auf Beinhausen von der Kirche Hilgerath.