Eine Stadtführerin erzählt

von Felicitas Schulz, Hillesheim


Mitwirkende bei der "Gespielten Stadtführung": Karola Grau, Margret van Nerven, Ralf Cossmann, Gisela Finken, Felicitas Schulz, Klaus Treitges


Wir wussten nicht, wie schön die Vulkaneifel ist. Diesen Satz hörte ich in meiner 30-jährigen Tätigkeit als Stadführerin in Hillesheim mehrmals von Durchreisenden und der allmählich steigenden Zahl von Touristen. Das änderte sich in der Presse und im Fernsehen mit der Teilnahme beim Wettbewerb zur Europäischen Beispielstadt. Die geplante Sanierung im Altstadtbereich und der im 13. Jahrhundert erbauten Stadtmauer mit Wehrgang, Hexen-, Mühlen- und Burgunderturm sowie der Wachstube brachte dem Marktort vorab schon große AAnerkennung. Während der 10-jährigen erfolgreichen Sanierungsphase und besonders nach der Ernennung zur „Europäischen Beispielstadt" im Jahre 1981/82 wuchs sprunghaft das Interesse an unserer Region. Die gebuchten Stadtführungen lockten viele Gäste nach Hillesheim. Die Eifel war ihnen oft nur vom Hörensagen bekannt. Umso größer war ihr Erstaunen, was der Ort vom bäuerlichen Dorfkern zur Beispielstadt weiterhin mit Tradition und Moderne aufzeigte. Die sanierten Gebäude wurden mit Erdfarben angestrichen von Gelbtönen, Taubenblau, Altrosa und Kupferrot bis hin zu Grün- und Blautönen, was damals und auch heute noch sehr große Bewunderung erfährt. Die ersten neugierigen Besucher reisten überwiegend noch mit der Eisenbahn bis Oberbettingen an und ließen sich mit dem Taxi nach Hillesheim fahren. Ich erinnere mich, dass die ersten Tagesgäste vermehrt aus dem Saarland und dem Rheinland kamen und beeindruckt waren. Ein älterer Herr erinnerte sich daran, dass sein Großvater früher vom Hillesheimer Viehmarkt sprach, der eifelweit wegen seinen hohen Auftriebszahlen ein Begriff war. Gemeinderäte von der Nordsee bis zum Bodensee kamen in die Beispielstadt und stellten viele Fragen an die Amtsvertreter. Bei der Suche nach vermehrten Übernachtungsund Einkehrmöglichkeiten versuchten die Besitzer mehr Kapazität zu schaffen, was zugleich mehr Urlauber in die Eifel lockte. Hinzu kam ein breit gefächertes Angebot von Ferienwohnungen in der gesamten Urlaubsregion Hillesheim. Nach der Deutschen Einheit fielen neugierige Urlauberscharen in die Eifel ein. Sie wollten den zu DDR-Zeiten auf Landkarten geografischen weißen Strich, die Eifel, kennenlernen. Sie waren begeistert über die unzähligen Vulkane, die Kalkmulden mit Fossilien und die seltenen, schützenswerten Pflanzen.

Um die Stadtrundgänge lebendiger und bunter zu gestalten, trugen wir „Spielleute zu Hillesheim" auf Anfrage die historischen Führungen durch die Altstadt explizit aus der Kurfürsten-, Franzosen- oder Preußenzeit vor. Im Jahre 2010 wurde Hillesheim Krimihauptstadt Deutschlands, wodurch bei den Stadtführungen KrimiEpisoden aus den Romanen von Jacques Berndorf und Ralf Kramp mit einflossen. Mit der Eröffnung des Eifelsteigs 2009 mit seinen 15 Etappen durch Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz strömten wiederum unvermindert ganzjährig viele Wanderer nach Hillesheim und durch die Vulkaneifel und fragten sich, warum sie nicht schon früher in diese bewundernswerte einmalige Landschaft gekommen sind