von Hartmut Flothmann, Schalkenmehren
Bereits Dr. Adolf Dronke, Gründer des Eifelvereins im Jahr 1888, zu dessen Ehren der Dronke-Turm auf dem Mäuseberg errichtet wurde, war beeindruckt von dem dichten, undurchdringlichen Schilfgürtel um das Schalkenmehrener Maar. Als exzellenter Kenner der Maare, namentlich des Schalkenmehrener Maares, das er naturkundlich erforschte, hielt er in seinen Aufzeichnungen fest, dass weite Schilfbestände des Maares im Winter abgemäht wurden, um als Streu oder zum Dachdecken zu dienen. Die Wasserpflanzen umgaben damals das ganze Maar, dessen Flora streckenweise auch weit in den Maarsee hineinreichte.
Die Fülle des Schilfes hatte früher wirtschaftliche Bedeutung. Hausbauer mit den im damaligen Dorf üblichen Reetdächern bedienten sich des Schilfrohres, um es in getrockneten Bündeln als Dacheindeckung zu verwenden. Bei Bauvorhaben zog man aus Kostengründen und wegen dem noch unterentwickelten Verkehrsfluss Nutzen aus der lokalen Verfügbarkeit. Das galt auch für die örtlichen Basaltlavabrüche und Lavasandgruben.
Dem in den 1910-er Jahren in Schalkenmehren tätigen Maarforscher Prof. Dr. August Thienemann, Nestor der deutschen Limnologie (Binnengewässerkunde), verdanken wir eine Zuordnung der Maarseen nach dem Grad ihres Nährstoffgehaltes. Er erkannte, dass eutrophe (nährstoffreiche) Seen einen dichten Schilfgürtel begünstigen. Das trifft auch auf das Schalkenmehrener Maar zu mit seinem relativ hohen Nährstoffgehalt und Wasserpflanzenbestand. Wenn die Freizeit-Nutzung des Maarsees seit den 1970-er Jahren auch einschränkende Auswirkungen auf das Röhricht bewirkt, ist der vorhandene Schilfgürtel dank eines sanften Tourismus dennoch natürlich und ansehnlich geblieben.
Das Schilf, bestehend aus hohen, dickhalmi-gen Gräsern, umfasst noch nahezu das ganze Schalkenmehrener Maar. Es wächst im Flachwasser und Uferrandbereich sowie im Flachmoor. Auch die natürliche Grenze zwischen Maarsee und Trockenmaar ist durchgängig von Schilf begrenzt. Die von Bojen abgegrenzte Schutzzone im Maar schützt als Flachwasserzone Fische, Vögel und Seerosen.
Das Feuchtbiotop im Schalkenmehrener Doppelmaar wird im Volksmund als Röhricht bezeichnet. Auf der Katasterkarte der Gemarkung Schalkenmehren stehen dafür die alten Flurbezeichnungen „Auf dem Rohr", „Jenseits dem Rohr", „Diesseits dem Rohr" und „Auf Kopp gegen dem Rohr". Diese Flurbezeichnungen unterstreichen die Bedeutung des Röhrichts für das Dorf. Die Rechtsverordnung über dieses Naturschutzgebiet aus dem Jahr 1984 schützt die Erhaltung des Verlandungs-teiles des Schalkenmehrener Doppelmaares als Lebensraum seltener, in ihrem Bestand bedrohter Tiere und Pflanzen, insbesondere feuchtland- und wassergebundener Vogelarten. Die Stiftung Schalkenmehrener Maar(e) fördert die standorttypische Moorvegetation von Schilf und Binsen durch praktische Pflegemaßnahmen, die von ehrenamtlichen Helfern aus dem Dorf unterstützt werden. Einige Zeit war auch der Autor daran beteiligt. Diese dienen dem Erhalt und der Regeneration von Schilfröhricht und Nasswiesen als wertvoller Vogel-, Insekten- und Pflanzen-Lebensraum. Zu den vielfältigen Maßnahmen gehört auch das Mähen des überständigen Schilfrohrs.
Schilfgürtel an der Bio-Schutzzone des Schalkenmehrener Maares
Seerosen im Schalkenmehrener Maar
Der schmale Naturpfad am Ufer des Maares, begleitet von Weidenbäumen und hohem Schilf, führt zum Maar-Überlauf, von dem man einen umfassenden Ausblick auf das Maar und den Maarkessel genießen kann. Viele Besucher sind von dem Naturpfad tief beeindruckt. Auf dem See kann man Haubentaucher und Blesshühner beobachten, die das Röhricht bewachsene Ufer als Lebensraum nutzen. Während die Blicke rundum schweifen, bleibt Gelegenheit, Mitwanderer mit der Geschichte des Maar-Überlaufs und illustren Anekdoten bekannt zu machen. Vorbei geht es an der ehemaligen Leinenbleiche, wo die gewebten Tücher auf der Wiese ausgelegt und oft begossen wurden, um dann von der Sonne gebleicht zu werden. Bei geeigneter Witterung stößt man schon sehr früh am Tag auf Angler und manchen Naturliebhaber, der aus dem Anblick des Maares frische Kräfte schöpft. Die Angler schätzen den Fisch-Besatz des Maares, unter anderem mit Hechten, Aalen, Karpfen und kleineren Fischen, die die Röhricht bewachsenen Ränder des Maares als geschützte Laichplätze bevorzugen.
Umso trauriger war vor einiger Zeit der Eindruck, den abgeknickte Weidenstämme, Büsche und Schilf auf dem südlich gelegenen Trampelpfad hinterließen. Es gab Diskussionsbedarf, und man gewann die Einsicht, dass unwetterartige Sturmböen als Ursache infrage kamen. Im Maar-Kessel erlebt man bei hoher Windstärke gelegentlich, dass Sturmböen nicht nur, wie erwartet, aus westlicher Richtung kommen, sondern sich querbeet im Hochwuchs des Maar-Kessels verfangen. Natur pur!
Der Maarüberlauf mit Ausblick auf den Maarkessel