von Clara Zins-Grohe, Gerolstein
In den schattigen Buchenwäldern des Vul-kaneifelkreises wächst ein wohlriechendes Labkraut — Waldmeister oder auch Maikraut im Volksmund genannt.
Schon die Großmütter brachten uns bei, dass man es im Mai vor der Blüte pflückt. Sie schätzten das geheimnisvolle Kraut wegen seiner beschwingenden Wirkung.
Schon vor Jahrhunderten, genauer gesagt im Jahre 854, verfasste der Benediktiner-Mönch Wandalbertus einen Rat: „Schütte perlenden Wein auf das Waldmeisterlein". In Überlieferungen aus dem zwölften Jahrhundert wird von der berauschenden Wirkung des Getränkes berichtet, der ebenso wie der „Tanz in den Mai", welcher seitdem gefeiert wird, die Liebesbereitschaft steigern solle.
Klosterfrauen und Mönche wussten es bei Kopfschmerzen und Migräne, Schlaflosigkeit, gegen Krämpfe und Entzündungen sowie zur Beruhigung einzusetzen. Es kam auf die richtige Dosierung an.
Überdosierung führt zum genauen Gegenteil der Heilwirkung: Schwindel, Übelkeit und Kopfschmerzen. Auch in der Eifel herrschte natürlich neben Glauben und Gottesfürch-tigkeit noch viel Aberglaube. Letzterer sagte dem Maikraut dämonische Kräfte nach. Die Angst vor Hexen wurde gerade in den Mainächten immer wieder geschürt. Mit einem Gemisch aus Waldmeister, Minze und Johanniskraut braute man ein Mittel zur Vertreibung. Als Mottenschutz wurden Sträußchen aus getrocknetem Waldmeister in die Truhen und Schränke gelegt. Kühen, die nicht fressen wollten, half Waldmeister, vermischt mit Salz.
Die Faustregel, die noch heute Gültigkeit hat: drei Gramm frisches Maikraut pro Liter für die Bowle, und die Blätter nicht zu lange ziehen lassen.
Zubereitung:
Ein frisch gepflücktes Sträußchen Waldmeister lässt man antrocknen. In ein bauchiges Bowlengefäß gießt man eine Flasche trockenen Weißwein. Wer es gerne etwas süßer mag, kann etwas Zucker hinzufügen. Jetzt wird das Sträußchen Waldmeister hineingehängt. Man muss darauf achten, dass die Stiele den Wein nicht berühren, damit nicht zu viel Cumarin freigesetzt wird (sonst gibt es Kopfweh). Nach einem „Viertelstündchen" Ziehen im Kühlschrank kann man dann den Waldmeister entfernen und mit einer Flasche gut gekühltem Sekt auffüllen. Ein süffiges Getränk, das fröhlich macht. ■