von Hartmut Flothmann, Schalkenmehren
Wenn wir bei einem Besuch der Weinfelder Kapelle einen kleinen Abstecher zum Pilatusfelsen machen, verlassen wir den Friedhof am Ausgang Friedenskreuz und steigen nach etwa 50 Metern die Stufen hinab an das bewaldete, stille Ufer des Weinfelder Maares (484 Meter über Normalnull) - auch als Totenmaar bekannt. An der Schutzhütte orientieren wir uns nach rechts und gelangen nach kurzer Zeit zum Pilatusfelsen, der noch in den 1920-er Jahren schroff am See gestanden haben soll. Verfehlen kann man ihn kaum, weil der mächtige Felsbrocken obenauf mit einem Kreuz versehen ist.
Der legendäre Pilatusfelsen am Totenmaar
Warum wurde der Felsen mit einem christlichen Kreuz geschmückt? Das war das Verdienst von Anne Droste-Lehnert, der Initiatorin der Heimweberei-Genossenschaft, die mit ihrem Kunstsinn auch das Interesse am Laienspiel geweckt und mit jungen Leuten aus dem Maardorf praktiziert hat. Im August und September 1951 fanden unter ihrer Leitung am Ufer des Totenmaares und unter dem Eindruck der ganzen Landschaft - Maarsee, Berge, Kirchlein, Friedhof und Pilatusfelsen -insgesamt drei Freilichtaufführungen des Weihespiels „Das Spiel von Sankt Christophorus" von Theodor Seidenfaden statt. Im Zusammenhang mit diesem christlichen Weihespiel versah die ehemalige Lehrerin an der Alten Schule in Schalkenmehren den Pilatusfelsen mit dem Kreuz als Sinnbild der Christenheit. Um das Weinfelder Maar und diesen großen Felsen ranken sich wundersame Sagen und Legenden. Zum einen die Vermutung, der Felsen sei in vorchristlicher Zeit ein Kult- und Opferstein gewesen, zum anderen die Legende von Pontius Pilatus, dem einstigen römischen Statthalter in Judäa, der aus Scham über seinem Verschulden am Tode Christi Selbstmord im Weinfelder Maar verübt haben soll. Diese Legende von Pontius Pilatus führte wohl auch zu der althergebrachten Bezeichnung „Pilatusfelsen". Bei Wanderungen des Eifelvereins ist der Pilatusfelsen ein viel besuchter Standort, wo diese Sagen wieder zum Leben erweckt werden.
Auf vielen Werken von Künstlern und Fotografen hat sich der Pilatusfelsen verstetigt, die sich das Weinfelder Maar als Motiv erkoren und den Pilatusfelsen am westlichen Rand des Maares dargestellt haben. Als Beispiel steht dafür an dieser Stelle ein Handpressendruck mit der Darstellung des Weinfelder Maares von Fritz Quant. Von ihm sind weitere Darstellungen des Weinfelder Maares als Zeichnungen oder Ölgemälde im Stadtmuseum Simeonstift Trier zu sehen.
Um den Pilatusfelsen in seiner unregelmäßigen Form einer ganzheitlichen Betrachtung unterziehen zu können, ist es praktisch, ihn freizuschneiden, so dass seine Ausmaße und seine Anmutung richtig wahrgenommen werden können. Dafür sorgt bei Bedarf die Stiftung Schalkenmehrener Maar(e) im Rahmen ihrer alljährlichen Pflegemaßnahmen an den Maaren.
Auch renommierte Geologen haben sich mit dem Pilatusfelsen befasst und seine geologische Dimension wissenschaftlich belegt. So schreibt Wilhelm Meyer, in „Geologie der Eifel", E. Schweizerbart'sche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart, 1994: „Am W-Rand des Maarkessels ragt eine Felspartie heraus, der Pilatus-Felsen. Er besteht aus Unterdevon-Schiefern, nördlich davon finden sich Schlacken." So weit, so gut. Man kann sich aber gut vorstellen, dass die uralten Unterdevon-Gesteine ihren heutigen Zustand erst durch spätere klimatische Einwirkungen erhalten haben. Die Erforschung des Eifel-Vulkanismus geht weiter, wir dürfen gespannt bleiben.
Fritz Quant, Weinfelder Maar, 1926, Handpressendruck, Druckladen des Gutenberg-Museums.