Schalkenmehren im Familienblatt „Die Gartenlaube", 1878

von Hartmut Flothmann, Schalkenmehren


Ob Maler oder Fotograf - in der Eifel ist das stille Weinfelder Maar mit der altehrwürdigen Wallfahrtskapelle ein berührendes Motiv, das kein Künstler außer Acht lässt. Dieses bedeutende Kulturgut gehört zur Ortsgemeinde Schalkenmehren, nicht etwa entrückt oder nur zur Besichtigung einladend, sondern eng mit dem Leben und Sterben der Einwohner verbunden. Der Schalkenmehrener Pfarrer Johann Konter hat sich in seiner Amtszeit (1867 bis 1891) in nahezu allen Bereichen für die Gemeinde eingesetzt. Dies galt auch besonders für den Erhalt der alten Weinfelder Kapelle. Im Jahr 1803 belegte Bischof Mannay die Weinfelder Kapelle mit einem Interdikt, das untersagte, Gottesdienste zu feiern. 1827 musste dann das Kirchlein wegen Baufälligkeit geschlossen werden. Dank des hilfreichen Einsatzes von Pfarrer Konter konnte sie wiederhergestellt und am 27. September 1887 erneut feierlich eingesegnet werden.

Dennoch war ich völlig überrascht, auf das „Weinfelder Maar" mit Schalkenmehren im illustrierten Familienblatt „Die Gartenlaube" von 1878 zu stoßen. Das von Ernst Keil, Leipzig, verlegte Familienblatt, wöchentlich erscheinend, wurde am Ende jeden Jahres stets zu einem stattlichen Folianten zusammengebunden, den sich zahllose Liebhaber als aufwändig gebundenen Jahres-Band leisteten.

Im 19. Jahrhundert war der Holzstich für Zeitschriften das geeignete Verfahren, um Großauflagen zu illustrieren. An dem Verfahren der Bild- und Druckstockherstellung waren sowohl Zeichner als auch Holzschneider beteiligt. Dabei wird die Handzeichnung des Illustrators vom Formenschneider seitenverkehrt auf den Holzstock aufgetragen. Der Holzstich in der illustrierten „Gartenlaube", von Zeichner Emmerich Reichmann „nach der Natur aufgenommen", zeigt das Weinfelder Maar, von schroffen Felswänden eingerahmt. Es strahlt große Verlassenheit und Einsamkeit aus, das durch die karge Vegetation von einst noch gefördert wird. Ganz im Hintergrund lässt die Weinfelder Kapelle mit ihrem versetzten Turm deutlich erkennen, dass beim Aufbringen der kunstvollen Zeichnung auf den Holzblock nicht beachtet wurde, dass Holzstiche seitenverkehrt angelegt werden müssen, damit die nicht ausgesparten, druckenden Teile im Buchdruck ein seitenrichtiges Abbild ergeben können. Emmerich Reichmann fand Gefallen an dem Motiv „Weinfelder Maar" und schuf dazu mehrere verschiedene Werke. Die abgebildete Zeichnung fand druckgrafisch Umsetzung in Holzstich und Holzschnitt. F. Hey'l war Schauspieler und Schriftsteller, später Kurdirektor in Wiesbaden, und steuerte die Textvorlage bei.


„Auf vulcanischem Boden" von Ferdinand Hey'l (auszugsweise):

„Nicht weniger ernst stimmen den Beschauer die übrigen Maare des Eifellandes, vor Allem wohl das sogenannte Weinfelder Maar, welches wir heute durch eine treffliche Abbildung den Lesern der „Gartenlaube" vorführen. Hoch über dem Orte Schalkenmehren, welcher selbst an einem Maar gelegen, sattelt sich jener einsame Kratersee zwischen Schlacken wänden ein, in gerader Richtung kaum hundert Schritte von dem tief drunten liegenden Schalkenmehrer Maar entfernt. Kein sichtbarer Zusammenhang verbindet diese beiden Wasserflächen, droben aber gemahnt nichts an menschliche Spuren, als das kleine Kirchlein auf der Höhe, der letzte Rest eines abgegangenen Dorfes, jetzt der Begräbnißplatz des eine halbe Stunde entfernten Ortes Schalkenmehren. Raben fliegen kreischend über uns dahin; hier und da wirft ein muthwilliger Bewohner des Maars runde Linien über den Wasserspiegel; kein menschlicher Laut tönt zu uns herauf; kein Wandergenosse kreuzt unseren Weg."


Ob der Wiesbadener Kurdirektor Ferdinand Hey'l, der diese Zeilen anlässlich seiner Reise zu den Maaren des Eifellandes schrieb, auch einen Abstecher zum Ort Schalkenmehren unternahm, ist nicht überliefert, darf aber vermutet werden.