Eifeler Dorfkirmes

von Werner Schönhofen, Leutesdorf


Der alltägliche Speiseplan erfuhr bei unseren Vorfahren eine willkommene Abwechslung durch Feste im Jahreslauf. Diese waren meistens religiösen Charakters. Auf die zeitbedingten, eher kurzlebigen, staatlichen Feiertage soll hier nicht eingegangen werden, denn sie waren austauschbar. An Neujahr bekamen vielerorts die Kinder einen Wecken, wenn sie ihren Paten ein gutes, neues Jahr wünschen gingen. Vielerorts gab es „Heischegänge" zu Fastnacht, Kirmes oder Martinstag — ausgeführt durch die älteren Jungen. Dabei gab es Speck und Eier, aus denen dann Pfannkuchen gebacken wurden. Das Feiern des Geburtstages war unbekannt, man gratulierte zum Namenstag, wobei es dann oft auch blieb. An Hochzeiten, Kindtaufen und Beerdigungen musste man die Gäste natürlich entsprechend bewirten. Hohe Feiertage, an denen die ganze Familie zusammenkam, waren Ostern, Weihnachten und in besonderer Weise die Kirmes.

Eifeler Dorfkirmes war das Jahresereignis schlechthin. Zu diesem Fest kam besonders, wer schon auswärts eine Familie gegründet hatte. Auf die Auswanderungswellen Mitte des 19. Jahrhunderts folgte die Binnenwanderung in den Kölner Raum und das Ruhrgebiet zu den neuen Industriestädten im 20. Jahrhundert. Hier gab es ganze Eifeler Kolonien, die sich auch in Vereinen zusammenschlossen. An Kirmes traf man sich in der alten Heimat wieder. Man fühlte sich zu der Kirche hingezogen, in der man getauft und vielleicht getraut worden war, die an diesem Tag ihren Namenstag feierte und in deren Schatten die Verstorbenen ruhten. Der dörfliche Rummelplatz mag im Verhältnis zu heute eher bescheiden ausgefallen sein.

Kirchgang, Kommers und Tanz gehörten sicher zur Kirmes wie gutes Essen. Typisch war auch der Kirmeskuchen der nachmittäglichen Kaffeetafel. Man hatte sich wieder einmal gesehen, nun konnte der Alltag in der Fremde umso leichter bewältigt werden.


Eifeler Kirmeskuchenrezepte



Darunter ist ein Hefekuchen zu verstehen. Man mache also einen Hefeteig; ich denke, den Hausfrauen brauche ich hierfür sicher kein Rezept zu liefern. Als Belag wähle man einen steifen Griespudding mit viel Rosinen und 6-8 Eidottern, damit er schön gelb wird. Diesen Belag streiche man auf den Teig und verbacke ihn mit demselben.

Eine Spezialität ist „Birrebunnes" - gelegentlich in der Eifel beim Bäcker auch heute noch zu bekommen. Auch hier bildet der Hefeteig die Grundlage. Für den Belag wurden früher nicht zu dicke Birnen in der Resthitze des Backofens nach dem Brotbacken getrocknet. So konnten sie lange aufbewahrt werden. Am Abend vor dem Gebrauch wurden sie eingeweicht und am anderen Tag durch den Fleischwolf gedreht. Dem braunen Mus kann man noch Rübenkraut und Anis zusetzen. Das Mus wird auf den Hefeteig gestrichen und mit verbacken. Mit Schlagsahne ist das ein Kuchen, für den Kenner die schönste Sahnetorte stehen lassen!

Im Herbst mag auch ein Hefekuchen mit Apfelmus und Teigriemchen zur Kirmes gebacken worden sein. Ein beliebter Sonntagskuchen war auch der „Platz". Ein Hefeteig wurde in einer Kasten- oder Rundform gebacken. Mit Butter und Marmelade ist das auch heute noch sicher eine beliebte Köstlichkeit an der Frühstückstafel.