Es war einmal: Die Frau ohne Beruf

von Heidi Probst, Gommersheim


„Ohne Beruf - so stand es im Pass,

mir wurden fast die Augen nass.


„Ohne Beruf war dort zu lesen

und dabei war sie doch das nützlichste Wesen.


Nur für die anderen da zu sein, für sie zu sorgen

war ihr „Beruf vom frühen Morgen

bis in die tiefe, dunkle Nacht,

stets auf deren Wohl bedacht.


Gattin, Hausfrau und Mutter zu sein -

schließt das nicht alle Berufe ein?


Als Koch von allen Lieblingsspeisen,

als Packer, wenn es geht auf Reisen.


Als Färber von alten Mänteln und Röcken,

Finanzgenie, wenn sich der Beutel soll strecken.


Als Märchenerzähler ohne Ermüden,

als Hüter von des Hauses Frieden.


Als Näher, wenn die Strümpfe zerrissen,

als Lexikon, das immer alles soll wissen.


Als Arzt, wenn ein Dorn sich im Finger zersplittert,

Schiedsrichter bei Kämpfen erbost und erbittert.


Als Wäscher, Schneider, Dekorateur,

als Gärtner, Bäcker und Friseur.


Unzählige Titel könnt' ich noch sagen,

von dem Mensch, der da ist an allen Tagen,


von Frauen, die Gott zum Segen erschuf

und das nennt die Welt dann „Ohne Beruf!"