Urlaub in der Mittagspause

von Margret Heinzen, Feusdorf


Es ist Ende Oktober und ich bin auf dem Weg nach Daun zur Arbeit. Die Wettervorhersage hat gestern Abend Frühnebel vorhergesagt und sie hatte Recht. Eine feine Feuchtigkeit liegt über dem beginnenden, sich aus der Dunkelheit schälenden Tag. Scheinwerfer, Heizung und die Scheibenwischer tun ihr Bestes, um für eine freie Sicht zu sorgen. Aus dem dicken Nebel erscheinen entlang der Straße urplötzlich rechts und links dunkle Büsche und Bäume, ganz so wie die finsteren Gesellen im Märchen.



Hinter einer Kurve und ein paar Höhenmeter weiter versteht man, was die Wettervorhersage am Vorabend meinte: Plötzlich erstrahlt die Sonne über den Nebelschwaden und gibt mit einem Mal eine Eifellandschaft preis, die geradewegs aus einem Werbeprospekt entsprungen zu sein scheint. Sanfte Hügel, Felder und Wälder in überwältigenden Gelb-, Rot-, Orange- und Grüntönen. Unten in den Tälern weiße Nebelfetzen, wabernd, wie kleine Gespenster.

Bei genauerem Betrachten der bunten Pracht kann man Bäume ausmachen, welche all die satten Farben in einem einzigen Gewächs vereinen. Ich glaube, es sind Ahornbäume, die diese Fähigkeit der Farbenvielfalt haben, aber ganz sicher bin ich nicht. In Kanada würde so etwas jedenfalls vollmundig mit „Indian Summer" beworben werden ...

In der Mittagspause verweile ich oberhalb der Stadt auf einer Bank am Waldrand. Hinter mir einige meiner „Vier-FarbenBäume" und vor mir ein zauberhafter Blick auf Daun mit seiner Burg, im Hintergrund die typische Hügellandschaft der Vulkanei-fel. Der Wind weht sanft durch die Blätter und die Sonne zaubert glitzernde Punkte auf den Boden. Ich schließe kurz die Augen (eigentlich viel zu schade bei diesem Ausblick), um einfach nur den Moment und die wärmenden Sonnenstrahlen auf der Haut zu genießen. Das sanfte Blätterrauschen und das Gezwitscher der Vögel tun das Übrige zur vollkommenen Entspannung. Für einen Moment glaube ich sogar, den Duft von Herbst und Ernte zu riechen. Traumhaft ...

Ich weiß nicht, wie lange ich so dort gesessen habe, aber ein Blick auf die Uhr verrät mir, dass meine Mittagspause sich dem Ende nähert. Ich atme noch einmal tief durch und genieße den Blick und die Natur um mich herum. Ein Ahornsamen kreiselt direkt vor meiner Nase sanft zu Boden, als ich mich wieder auf den Weg in Richtung Büro mache. Als Kind haben wir diese „Ahorn-Engelchen" immer mit vollen Händen in die Luft geworfen und fanden es ganz toll, wenn sie dann so hübsch wieder zu Boden tanzten.

An diesem Nachmittag geht mir die Arbeit so leicht von der Hand, wie sonst selten nachmittags. Doch wen wundert das, nach einem solchen Eifel-Kurzurlaub im Mittagspausen-Format ...?